Ton (Erde)

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Keyword: Ton (Erde)

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Definition: Ton ist besonders zur Herstellung von Töpferwaren verwendetes lockeres, feinkörniges Sediment von gelblicher bis grauer Farbe.

Information: Ton ist der wichtigste und älteste Rohstoff für die Herstellung von Keramik. Als Bestandteil von Lehm wird er für die Herstellung von Ziegel und als Baumaterial für Häuser und Befestigungen benötigt. Daneben wird er zusammen mit Kalkstein zur Produktion von Zement verwendet. In der Bildenden Kunst dient er der Herstellung von Plastiken. In vielen Schöpfungsmythen wird der Mensch zum Dienst an den Göttern aus deren Blut in Vermischung mit Lehm geschaffen.

Im kosmogonischen Mythos aus Esne in Mittel- und Oberägypten war der Schöpfergott Chnum, der in Gestalt eines Widders verehrt wurde, ein Töpfergott, der die Götter, Menschen und Tiere aus der tonhaltigen Nilerde schuf. Auf der Töpferscheibe formte Chnum das Ei, das Gefäß oder embryonale Kind mit seinen Händen und durchknetete es mit Lebenskeimen.

In einem der ältesten israelischen Berichte über den Ursprung der Welt und des Menschen schuf Jahwe den Menschen aus dem Staub der Ackererde und blies ihm den Lebensodem in die Nase.

Im Gilgamesch- Mythos ist die Speise der Toten Erdstaub und Lehm, aber auch die Bewohner der sumerisch-babylonischen Unterwelt hätten Lehm gegessen, was in einem Zusammenhang steht mit dem Text der Bibel: „Was von der Erde kommt, muss wieder zur Erde werden."

Erdnahrung als Unterweltsnahrung weist auf die Sterblichkeit hin, die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Im sumerischen Mythos der Inanna rettete Enki, der schöpferische Bildhauergott, der Gott des Wassers und der Weisheit, die Göttin Inanna aus der Unterwelt, indem er aus dem lehmigen Schmutz unter seinen Fingernägeln zwei kleine Figuren erschuf, die unbemerkt in die Unterwelt schlüpfen konnten und Nahrung und Wasser des Lebens mit sich führten.

Die künstlerische Gestaltung von Ton und die Herstellung von Gebrauchsgegenständen durch Ton als Keramik hat eine jahrtausendealte Tradition, die in die Ursprünge der Menschheitsgeschichte zurückführt. Seit den 70er Jahren ist die kreative Gestaltung mit Ton als Hobby weit verbreitet und kann als Kurs an jeder Volksshochschule oder Kunstschule belegt werden. Arbeiten am Tonfeld ist ein bekannter therapeutischer Ansatz. Die lehmhaltige Erde hat heilende Wirkung und wurde häufig mit Essig als Hausmittel bei Prellungen verwandt.

Interpretation: Wie die Erde gehört der Ton und der Lehm zum Bereich des Großen Weiblich-Mütterlichen in seiner polaren Bedeutung, einerseits als gebärender, Leben hervorbringender Schoß, andererseits aber auch als Urne oder Grab, in das das Leben bzw. der menschliche oder tierische Körper wieder zur Mutter Erde zurückkehrt.

Ton ist der mütterliche Grund und Boden, aus dem etwas Seelisches entsteht oder geschaffen wird. In vielen religiösen Legenden wird Gott als Schöpfer der Menschen dargestellt, die er aus dem Lehm der Erde im Gleichnis des göttlichen Töpfers schafft. Der Töpfer, von dem wir träumen, der das Gefäß des Lebens im Feuer des Ofens gehärtet hat, sind wir selbst. Als „Traumtöpfer" haben wir uns selbst zu formen und ins Feuer zu stellen. Lehm zu essen im Traum kann bedeuten, die schwerverdauliche Wirklichkeit des Menschseins in sich aufnehmen zu müssen (vgl. Jung: „Seminare Kinderträume" S. 161).

Ton als formbares, erdhaftes, ursprüngliches Material eignet sich sehr gut, um sich einerseits seine eigene kleine Welt in Form von Tieren, Menschen, Gebäuden, Bäumen etc. selbst neu zu erschaffen, andererseits aber auch wieder zu zerstören, bzw. seine aggressiven und wütenden Gefühle durch Schlagen oder Bearbeiten mit den Fäusten zum Ausdruck zu bringen. Ton, wie auch das Spielen und Gestalten mit Knete und Fingerfarben, hilft Kindern und auch Erwachsenen auf sublimierte Weise, ihr Interesse an Analität, Sexualität und anderen elementaren Ausdrucksformen zu befriedigen, sich diesbezüglichen Schattenaspekte anzunähern und die damit verbundenen Emotionen zu bewältigen.

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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