Teich

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Keyword: Teich

Links: Fluss, Meer, Narzissmus, Nixe, Spiegel, Tiefe, Wasser

Definition: Als Teich bezeichnet man ein kleines stehendes Gewässer. Der Teich grenzt sich in seiner Größe vom kleineren Tümpel und größeren See ab. Letzterer kann in seiner flächenmäßigen Unüberschaubarkeit dem Eindruck eines Meers (die See) nahe kommen.

Information: Keine

Interpretation: Da das Wasser des Teiches nicht fließt, sondern steht, strahlt es eine Ruhe aus, aber auch eine Undurchdringlichkeit. Der Fluss mag in seiner Bewegtheit beunruhigen, der Teich aber irritiert durch die Tiefe, die sich hinter seiner ruhigen Oberfläche verbirgt, durch den Bruch zwischen Oberfläche und Hintergrund. Stille Wasser sind tief.

Diese Dichotomie ist fast allen Deutungsebenen des Symbols Teich implizit.

Die ursprünglichste Deutung ist die des Teiches als Auge der Erde, einem irdischen Spiegel der Seele, der dem Menschen reflektierend entgegenblickt und hinter dem sich eine Seelentiefe verbirgt. Mythologisch gesehen ist der Teich von Wassermännern, vor allem aber von weiblichen Fabelwesen wie Nixen und Nymphen bevölkert, die danach trachten, den Menschen in seine Untiefen hinabzuziehen. Der Teich weckt ähnliche Urängste, wie die Hysteria, die Imagination einer das Ich in den Abgrund hineinziehenden, umherwütenden Gebärmutter. Als starkes Symbol für Weiblichkeit und das Unbewusste fungiert der Teich aber auch als Ausdrucksmittel für die positiven Aspekte der Anima.

Monets mit Seerosen geschmückte Teichimpressionen zelebrieren vordergründig die reine Schönheit der Oberfläche, beziehen aber ihre tiefe Faszination aus der unbewusst bleibenden Unergründlichkeit des dunklen Wassers. Demgegenüber zeigt Millais präraphaelitisches Gemälde von der im Teich ertrunkenen Ophelia die Bedrohlichkeit an, die von zu tiefem Gründeln im Seelenleben bis in den Wahnsinn führen kann.

Vordergründig ist der Teich eine glatte runde Oberfläche, in der man sich spiegeln kann. Ihr Hintergrund bildet die Tiefe des Schattenhaften unserer Existenz, das uns fragen lässt, ob und wie wir aus den Untiefen des Teiches wieder auftauchen, wenn wir in sie hineingeraten. Ebenso gefährlich erscheint es allerdings, vor der glatten Oberfläche harrend seelisch zu verkümmern. Diese beiden Aspekte des Phänomens Teich reflektieren die zwei Kehrseiten unserer Existenz, die Oberfläche unseres Körpers und die Tiefe unserer Seele. Es geht um Schein oder Sein. Auf einer höheren Ebene jedoch meint dies letztlich nicht nur den Unterschied zwischen Hülle und Inhalt, sondern auch das Spannungsverhältnis zwischen dem Ich und dem Selbst. So symbolisiert der Teich sowohl den Bruch als auch den Übergang zwischen Äußerlichkeit und Innerlichkeit in der Begegnung mit sich selbst.

Der Mythos von Narziss bringt diese beiden Seiten zusammen. Verliebt in sein eigenes Spiegelbild, in dem er sich selbst nicht erkennt, ertrinkt Narziss bei dem Versuch, in sein eigenes Spiegelbild einzutauchen. Dabei ist Narziss nicht dazu in der Lage zu unterscheiden, ob er sich selbst oder einen anderen liebt. Der Mythos impliziert, dass wir sowohl Außen und Innen als auch Ich und Du nicht in ihren Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten erkennen können, wenn wir der Faszination der reinen Reflexivität der Oberfläche erliegen. Wir bleiben allerdings ebenso allein, wenn wir vor unserem Spiegelbild verzückt sitzen bleiben, wie wenn wir in der Unterwelt unseres Seelenlebens ertrinken. Die Metapher vom Teich besagt also auch: Gründeln wir ausschließlich in den Untiefen unseres Seelenlebens, dann verlieren wir unsere irdische Existenz, mit dem uns anvertrauten Körper, der die Begegnung mit dem Anderen und dem Anderen in uns überhaupt erst möglich macht.

Literatur: Standard

Autor: Te Wildt, Berd Theodor

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