Taube

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Keyword: Taube

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Definition: Die Taube ist ein mittelgroßer Vogel mit kräftigem Rumpf, meist grauem, graublauen oder braunem Gefieder und einem kleinem Kopf, der beim Laufen in typischer Weise vor und zurück bewegt wird. Tauben werden auch gezüchtet und als Haustiere und Brieftauben gehalten.

Information: Manches machte die Taube beliebt: Sie wird rasch zutraulich; Nestlinge lassen sich sogar vom Menschenmund in den Schnabel füttern. Ihre starke Bindung an Partner und Brutplatz ermöglicht Freiflughaltung. Taube müssen nicht in Käfige gesperrt und ständig gefüttert werden. Sie sind nicht aggressiv, sehr sozial und können zahlreich gehalten werden. Sie fressen Körner, die leicht zu beschaffen sind und können den Essvorrat im Kröpfchen speichern. Ihr Kot düngt gut. Ihr Fleisch (300-500 g. pro Tier) ist schmackhaft und fettarm. Zudem gilt die Taube als „arglos und ohne Falsch“ (Matth. 10, 16). Im Orient wurde sie seit alters als Brief-Taube verwendet.

Interpretation: Die Taube taucht in der Bibel an zentralen Stellen auf: Bereits bei der Schöpfung der Welt „schwebt sie als Geist Gottes über den Wassern“ (1. Mose 1, 2); sie schwebt aber auch über mancher Kanzel, um den Prediger mit dem Schöpfergeist zu inspirieren. Als die Sintflut zu versiegen begann, ließ Noah drei Mal eine Taube fliegen; die zweite brachte als Zeichen des Friedens ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel zurück (Noah galt deswegen, im Ernst, als Begründer der Brieftauben-Post!). In Israel war die Taube das Opfertier des Volkes. So opferten die Eltern Jesu „gemäß dem Gesetz“ bei der Beschneidung ihres Erstgeborenen im Tempel ein Taubenpaar (Luk. 2, 22-24). Bei der Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria (Luk. 1, 26 ff.) ist auf vielen alten Bildern eine Taube zu sehen, um die Präsenz des heiligen Geistes darzustellen, ebenso bei der Taufe Jesu. „Ich sah den Geist als Taube vom Himmel herabschweben und auf ihm verweilen“, sagte der Täufer über Jesus (Joh. 1, 32).

Im Jahr 1745 verfügte Papst Benedikt XIV., auf kirchlichen Bildern sei der Heilige Geist als Taube abzubilden. Damit war die Bedeutung der Taube in der katholische Kirche geklärt.

Die Taube hat auch außerhalb des Christentums religiöse Bedeutung; als Vogel ist sie dem Himmel ja näher denn die erdverhafteten Vierbeiner oder gar Würmer und Schlangen. In der Antike war die Taube der Liebesgöttin geweiht, in Babylon der Ischtar, im westsemitischen Raum der himmlischen Astarte, im Hellenismus der Aphrodite und im Römischen Reich der Venus. Das häufige dumpfe Gurren und Schnäbeln der Taube wurde als Zeichen beständiger Liebesbrunst gedeutet, einer Liebe, bei der nicht wie beim Ziegenbock rohe Sexualität im Vordergrund stand, sondern herzliche und partnerbezogene Gefühle.

Die Taube wurde in allen Kulturen als schön empfunden. „Deine Augen sind wie die eines Täubchens“, pries der Bräutigam seine Braut (H. L. 1, 15). Die Taube inspirierte zu Liebesgedichten: „Mein Täubchen, lass deinen Anblick mich schauen“ (2, 14)!

Die Tiefenpsychologie erkennt in der Taube ein Symbol des Eros und der höheren Liebe, der Sanftmut, Zärtlichkeit, Friedfertigkeit, Treue und Poesie. Die Projektion dieses kultiviert-intimen Gefühlsbereichs auf die Taube erfolgte nicht ganz ohne „Aufhänger“. Die Taube hat (via Projektion) die Kultivierung des menschlichen Eros gefördert. Dank sei ihr dafür! Dass der Mensch nicht imstande ist, die Tauben-Schwärme, die ihm vielerorts lästig werden, auszurotten, sei Anlass zur Hoffnung, dass auch die Agape überlebt!

Literatur: Standard, Haag-Wackernagel (1998)

Autor: Kaufmann, Rolf

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