Taoismus

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Keyword: Taoismus

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Definition: Der Taoismus (Daoismus, chin. am ehesten: „Lehre des Weges“) ist eine chinesische Philosophie und Religion dessen historisch gesicherte Ursprünge im 4. Jahrhundert vor Chr. liegen, als das Daodejing (Tao te king, Tao te ching) des Laozi (Laotse, Lao-tzu) entstand.

Information: In den Konzepten der Analytischen Psychologie, z. B. dem Selbst und der Selbstregulation der Psyche, finden sich Parallelen zum chinesischen Begriff des Tao."Ich habe vom Osten gelernt, was er mit Wu Wei ausdrückt, nämlich, das Nicht-Tun (nicht Nichtstun), das Lassen. Auch andere haben das erkannt, so Meister Eckhardt, wenn er davon spricht, sich zu lassen." (Jung, Jacobi, 1971, S. 319) Für den praktischen therapeutischen Weg wie für die Individuation hat dies Konsequenzen, denn die östliche Haltung vollzieht nicht die imitatio Dei (Jung, GW 12, § 7), ordnet sich nicht einer überlegenen Person oder einer überlegenen Lehre unter: "der östliche Mensch weiß, dass die Erlösung auf dem Werk beruht, das einer an sich selbst tut. Aus dem Einzelnen erwächst das ganze Tao." (Jung, GW 13, § 80) Zugleich betont Jung aber auch immer wieder, dass der westliche Mensch nicht den Weg des Ostens einfach imitieren kann. Er muss seine eigene moderne Form und Sichtweise entwickeln.

Interpretation: Der Daoismus als jahrtausende alte philosophische und später auch religiöse Strömung entwickelte einen vielfältigen Symbolismus, der seit vielen Jahrhunderten auch westliche Denker in seinen Bann zog. Er ist dabei in seiner gesamten Entwicklung und Ausformung tief in der chinesischen Kultur verwurzelt. Die chinesische Sprache mit ihren spezifischen Besonderheiten bildet dabei den bedeutsamsten Hintergrund. Das Chinesische ist eine Bild- und Symbolsprache, d. h. die mehr als 50000 Schriftzeichen entwickelten sich aus konkreten Bildern und Symbolen heraus, was z. T. noch an den heutigen Schriftzeichen erkennbar wird.

Immer wieder wird auf die Unmöglichkeit einer Übersetzung und die Vielfältigkeit der Bedeutungen des Dao hingewiesen: Ursache aller Erscheinungen, das All-Eine, das Ewig Eine, Unvergängliche, Allgegenwärtige, der Logos, der Sinn, der Weg, Methode, Prinzip, Naturkraft oder Lebenskraft, gesetzmäßige Naturvorgänge, Idee der Welt, das Rechte, das Gute, die sittliche Weltordnung.

Das chinesische Zeichen für das Dao setzt sich – der chinesischen Schriftsprache entsprechend - aus zwei Teilen zusammen, der Kopf, das Haupt und der Weg, Bewegung bzw. gehen. Man könnte daraus also das Symbol für einen bewusst beschrittenen Weg (zu sich selbst, zum Göttlichen) ableiten und tatsächlich wird das Dao sowohl als der geordnete Weg des Universums und all seiner Erscheinungen, aber auch als der persönliche Weg jedes einzelnen übersetzt. Da das Dao aber per definitionem nicht direkt benannt werden kann, waren die Philosophen Chinas von alters her auf die symbolische Beschreibung ihres zentralen Begriffes angewiesen.

Dies zeigt sich schon im Daodejing (Tao Te Ching), dem Urtext der philosophischen Daoismus. Im Symbol des Wassers versinnbildlicht sich die fließende Gestalt des Dao, sein Nutzen und seine Kraft durch Weichheit und Unaufdringlichkeit. Das niedere Tal, zu dem aber doch alle Ströme fließen, aber auch und vor allem das Rad als das Bild des geschlossenen Ganzen, zusammengehalten durch eine leere Mitte, die Nabe symbolisieren Aspekte des Dao.

Neben der zentralen Symbolik des Schriftzeichens ist es im philosophischen Daoismus vor allem das Yin-Yang-Symbol, das die daoistischen Autoren zur Veranschaulichung ihrer Ideen nutzen. In seinen religiösen Entwicklungslinien tauchten dann, inspiriert durch die Vermischung des Daoismus mit den chinesischen Volksreligion, zahlreiche weitere, meist der Naturbeobachtung entstammenden Symbole auf.

Ein daoistischer "Unsterblicher" ist in der darstellenden Kunst symbolisiert durch eine Ausbeulung an der Stirn, die seine durch Meditationspraktiken dort gesammelte Vitalenergie darstellt (auch heute noch tragen die daoistischen Adepten eine kunstvoll hochgebundene Kappe mit Knoten, der wohl auf die gleiche Symbolik zurückzuführen ist). Er reitet auf dem heiligen Tier der Daoisten, dem chinesischen Kranich (der rote Schopf symbolisiert seine Göttlichkeit) zu den Bergen oder den Inseln der Unsterblichen.

Die imaginativ ausgestalteten Meditationspraktiken, als innere Alchemie bezeichnet, fanden in religiösen Daoismus bald ihre äußeren Entsprechungen. Mit der Alchemie zog ein weiterer vielgestaltiger Symbolismus in die daoistischen Traktate ein. Von besonderer Bedeutung ist im Daoismus auch die Sexualsymbolik, die Vereinigung der Polaritäten, insbesondere des weiblichen und männlichen Prinzips in einem ständigen Prozess des Werdens und Vergehens. In den religiösen Ausgestaltungen entwickelte sich eine Art sexuellen Yogas mit hochsymbolischen, z. T. exakten Anweisungen zum Geschlechtsakt, der dann die Anreicherung der Energieformen und die Vereinigung von Yin und Yang versinnbildlicht.

Literatur: Standard

Autor: Vogel, Ralf

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