Tanz

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Keyword: Tanz

Links: Ballett, Beziehung, Eros-Prinzip, Kreis, Libido, Meditation, Musik, Ritual, Sexualität

Definition: Unter einem Tanz versteht man eine Abfolge von Körperbewegungen, die ganz frei oder nach einem durch Musik oder eine andere akustische Mittel (wie z. B. Schlagen, Singen, Stampfen) hervorgebrachten Rhythmus ausgeführt wird.

Information: Keine

Interpretation: Der Tanz zählt zu einem der ältesten symbolischen Ausdrucksweisen des Menschen; er ist archaische Körpersprache wie auch Körperkunst.

Der Tanz war in seinen Anfängen ein Dialog zwischen Innen- und Außenwelten und keine Darbietung vor Zuschauern. Im Tanzen transformierten die Menschen kosmische und numinose Kräfte oder drückten ihre inneren Befindlichkeiten aus. Stimmungen, Gefühle und Vorstellungen wurden zum Ausdruck gebracht. Tanzen war ein Dialog des Körpers mit dem Nicht-Körperlichen, eine Verschmelzung mit kosmischen Kräften. Tänze begleiteten die Bewegungen, Kräfte und Energien des Jahreslaufes und versuchten sie zu beeinflussen.

Mit ihrem Körper drückten die Tanzenden kommunikative Anliegen aus, die über sich selbst hinausweisen sollten. Die als übermächtig erlebten Naturkräfte und -geister sollten über den Tanz beeinflusst bzw. gnädig gestimmt werden. Ekstatische Tänze förderten bewusstseinsüberschreitende Zustände, die übersinnliche Heilkräfte evozieren sollten.

Über den Tanz werden psychische Energien verkörperlicht; innere Bewegungen werden zu äußeren. Mimik, Gesten und Bewegungen dienen als Ausdrucksmittel.

Der Kreistanz projiziert das rituelle Anliegen in die Mitte, z. B. das zu erlegende Opfertier, oder umkreist die transzendente Mitte anbetend und partizipierend. Die Tanzfolklore hat vielfach noch alte Rituale und Bräuche kultiviert und tradiert.

Tanz als Kunstform (siehe: Ballett) richtet sich an dem Tanz passiv beiwohnende Zuschauende.

Tanzende nutzen ihren Körper als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Sowohl das Ausdrucksrepertoire als Beweglichkeit und Gesundheit werden gefördert.

Grundelemente des Tanzes sind a) der Raum: in den Raum projizierte Formen und Figuren wie z. B. Mäander, Spiralen, Kreis, Reihen; b) die Zeit: das Metrum (der Takt) wird vom Rhythmus dynamisiert, die Bewegungen greifen den Impuls der Musik auf, setzen ihn um, symbolisieren den Fluss der Zeit und des Lebens; c) der Körper: vertikale und horizontale Körperachsen symbolisieren die Weltachse (vertikal: Erde und Himmel; horizontal: Ich und Du); das Gewicht des Körpers fordert die Schwerkraft heraus; und d) der Energiefluss: vorgegebene, strukturierte Bewegungen fördern die Konzentrierung, freie Bewegungen den äußeren Ausdruck.

Tanz wurde seit jeher als Heilmittel verstanden und genutzt. Trance induzierende Tänze können zu bewusstseinserweiternden Zuständen und Kräften führen. Tänze begleiten Übergangsrituale und werden bei sakralen Akten eingesetzt. Der Tanz greift ebenso menschliche Themen auf wie auch kosmische und transzendente Anliegen.

Natürlich gibt es auch sehr naheliegende Beziehungen zum tierischen wie menschlichen Werbungs- und Paarungsverhalten und zur Sexualität (Bauchtanz).

In Abgrenzung zu den als heidnisch verstandenen Kulten diskriminierte die Kirche den Tanz und trug damit wesentlich zu einer körper- und emotionsfeindlichen Einstellung bei. Die Bibel selber kennt keine ablehnende Haltung gegenüber dem Tanz. Das Konzil von Toledo verbot 589 den liturgischen Tanz.

Das Herausfallen des Einzelnen aus einer ihn tragenden Gemeinschaft lässt sich auch im veränderten Tanzstil erkennen. Waren die folkloristischen Tänze noch Gemeinschaftstänze, entwickelten sie sich über den Höfischen Tanz der Renaissance hin zu den Paartänzen bis aktuell hin zum Discodance der Vereinzelten.

Tanzstile sind ein Abbild der Gesellschaftskultur und des kollektiven Bewusstseins. Sie geben in ihren Bewegungen, Gesten, Formen ein Abbild der Bedeutung des Einzelnen und seiner Stellung in der Gesellschaft, von der Verbindung untereinander und der Beziehung zu Natur und Transzendenz.

Literatur: Standard

Autor: Hammerstein, Günter

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