Synchronizität

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Keyword: Synchronizität

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Definition: Mit Synchronizität (griech.: syn: zusammen mit, übereinstimmend mit; griech. chronos: Zeit) bezeichnet Jung die zeitliche Koinzidenz (lat.: Zusammentreffen) zweier oder mehrerer nicht kausal aufeinander bezogenen Ereignisse, welche von gleichem oder ähnlichen Sinngehalt sind. (Jung, GW 8, § 849). Es handelt sich um zwei voneinander unabhängige Ereignisketten, die sich auf äußere und innere, seelisch-geistige Umstände beziehen, die in einem bestimmten Zeitmoment zusammentreffen und für den Beobachter und Betroffenen durch einen gemeinsamen Sinn verbunden sind.

Information: C. G. Jung stellt damit dem Kausalitätsprinzip, das Ereignisse als Ursache und Wirkung aufeinander bezieht, ein zweites umfassenden Prinzip gegenüber, das dem Sinn eine zentrale Rolle zuschreibt. Sinn und Ursache / Wirkung sind damit gleichwertige Prinzipien zum Verständnis von Zusammenhängen. Für das Verstehen menschlicher Handlungen ist dies ein grundsätzlich neuer Ansatz und eine entsprechende Erweiterung des wissenschaftlichen Weltbildes.

Dieser Sinn ist für die Erlebenden immer evident, oft erstaunlich und bewegend bis hin zum Eindruck des Numinosen. Kleine Alltagsmomente wie der Telefonanruf eines Menschen, an den ich seit Jahren nicht gedacht habe zu einem Zeitpunkt, an dem er mir immer wieder eingefallen war, bis hin zu wegweisenden Sinnerlebnissen, die plötzlich zu einem bestimmten Zeitpunkt evident werden, gehören in diesen Zusammenhang.

Die Synchronizität entspricht als Symbol der vereinten Zeit. Es geht um das symbolisierte Eine unter seinem zeitlichen Aspekt. Genau genommen ist dies ein vollkommenes Bild des Einen in der Zeit. Es zeigt das Eine und damit die absolute Stille, den Zustand vor dem Anfang oder nach dem Ende eines Prozesses und es verweist zugleich auf die Zeit, das ewige Werden und Vergehen.

In der Synchronizität offenbart sich der Unus Mundus in seinem dynamischen Aspekt, als Anfangspunkt, als ewiges Werden. Die bei der Synchronizität immer mit zu denkende Dimension des Punktes, hier des Zeitpunktes, muss als unendlich klein aber energetisch von großer Kraft gedacht werden. Es ergeben sich Parallelen zum angenommenen Anfangspunkt der Evolution, der als ein Energiekomplex oder Energiepunkt von unendlicher Dichte verstanden wird.

Es ist, als leuchte in jeder Synchronizität die Ewigkeit des "Großen Einen" punktförmig auf, wobei das "punktförmig" schon eine starke Vergröberung bedeutet. Anders ist es aber nicht aussagbar. Der Punkt als solcher ist in sich geschlossen und hat noch kein Gegenüber. Dies entsteht in der Geometrie erst in der Geraden.

Interpretation: Diese allgemeinsymbolischen Überlegungen sind in direkten Bezug zu Phasen des therapeutischen Prozesses zu setzen. Der Vorteil liegt insbesondere darin, dass, eine bestimmte Wahrnehmungsbereitschaft vorausgesetzt, Gleichzeitigkeiten im Sinne von Synchronizitäten regelmäßig erlebt werden können. Hier muss allerdings betont werden, dass bei dieser Sicht der Synchronizität die Subjektivität, das ganz persönliche Erleben des Einzelnen, ein zentraler Bezugspunkt ist. Letztlich entscheidet sein Erleben, der Kontext des jeweils gelebten Lebens darüber, was als "sinnvoll" empfunden wird. Häufig ist es so, dass das, was der Einzelne als sinnvoll erlebt, von Anderen so nicht nachvollzogen werden kann. Meistens fällt dann der eher abwertende Satz: „Das ist doch bloß Zufall“. Hier liegt der entscheidende Unterschied: Es handelt sich um sinnvolle Zufälle.

Für die therapeutische Arbeit kann es von großem Wert sein, wenn im praktischen Alltag ein Erleben des Unus Mundus, der Einheitswirklichkeit möglich ist. Das ist ein Weg in die unendliche Geborgenheit, die hinter der Sehnsucht liegt, die oft im psychotherapeutischen Prozess geäußert wird.

Die Sehnsucht des Kindes nach Geborgenheit und Schutz, die sich in unendlichen Variationen im Erwachsenenleben wiederholt, ist eine lebenserhaltende Kraft. Über die Synchronizität ist es möglich, diese Geborgenheit im Leben punktförmig, in kleinen Schritten immer wieder zu erleben. Plötzlich wird Sinn offenbar, er wird dem Erlebenden gewissermaßen "zugespielt".

In einer schon länger laufenden persönlichen Analyse wurde plötzlich das Bedürfnis wach, einen inneren Führer oder Guru zu finden. Der Betreffende hatte über eine langjährige Freundschaft Zugang zur chinesischen Kultur gefunden. Als er dem Analytiker davon erzählte, sagte dieser ganz spontan: „Sie sollten das Buch von Govinda ‚Der Weg der weißen Wolken' lesen“. Der Analysand lachte laut auf und sagte, gerade dieses Buch habe er gestern als Geburtstagsgeschenk erhalten. Sie hatten bisher weder über chinesische Kultur oder über Govindas Buch gesprochen, es war ein ganz spontaner Einfall. Der Sinn dieser Synchronizität ist evident. Auch die Definition, dass ein äußeres Geschehen und ein inneres Geschehen in einem bestimmten Punkt zusammentreffen, war erfüllt. Im Symbol der Synchronizität, des Symbols der vereinten Zeit begegnet sich also die große Symbolik der Zahl und der Zeit.

Literatur: Franz, M-L. von (1990c); Seifert, A., Seifert T. (2001)

Autor: Seifert, Theodor

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