Stiefmutter

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Keyword: Stiefmutter

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Definition: Im Grimm'schen Wörterbuch wird das Wort „Stief“ in seiner ursprünglichen Bedeutung in einen Zusammenhang mit „beraubt, verwaist“ oder auch „abgestumpft“ (abgesägter Baum) gestellt, nicht zuletzt, weil das Wort mit dem niederdeutschen Wort „Stubben“ verwandt ist. Bis heute wird damit eine familiäre Beziehung bezeichnet, die nicht auf einem leiblichen Verwandtschaftsverhältnis beruht.

Information: Keine

Interpretation: Über Märchen ist die Stiefmutter zur Vertreterin der bösen, verstoßenden und nach dem Leben trachtenden Mutter geworden (Schneewittchen, Brüderchen und Schwesterchen, Aschenputtel, Die drei Männlein im Walde u. v. a.). Oft wird sie Hexen und Zauberinnen gleichgesetzt.

Das Prinzip der Härte verdeutlicht sich auch über Redensarten: Etwas (auch eine Sache) „stiefmütterlich behandeln“ oder „etwas seiner Stiefmutter klagen“ (i. S. von: „nicht verstanden werden, nicht gehört werden“). Gelegentlich tritt die Stiefmutter allerdings auch als Heilerin auf (z. B „Die gute Stiefmutter“, in einem isländ. Märchen).

Dies macht deutlich, dass die Stiefmutter das archetypisch-negative Prinzip des Mutterkomplexes verbildlicht. Die Gestalt steht für die negativ-mütterlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte, jedoch auch dafür, dass häufig Heldinnen, (z. B. in „Brüderchen und Schwesterchen“ Grimm Nr. 11) mit der eigenen Mütterlichkeit noch nicht im Einklang stehen. Aufgabe ist, einen positiven Bezug zur ureigenen, instinkthaften Mütterlichkeit zu finden und zu entwickeln. Deutlich wird die mangelnde mütterliche Beziehungsfähigkeit sowohl anderen Menschen, Sachen und der eigenen Person gegenüber. In ihrer Funktion kann sie jedoch, wie die Hexe, eine positive Entwicklung begünstigen.

Stiefverhältnisse sind leider eine häufige Realität (Patchworkfamilien, meist im Zusammenhang mit Scheidungen oder Todesfällen). Es wird in der Regel bei allen Betroffenen und Beteiligten die schmerzliche Erfahrung des Verlustes und der Trennung, die eine „Stiefmuttersituation“ bewirkt, spürbar deutlich. Von daher herrscht in diesen Familien häufig die Situation der Härte, die jedoch primär mit den leidvollen Vorerfahrungen der Trennung im Zusammenhang stehen. Allerdings klagen die „Stiefmütter“ häufig, aufgrund der Märchen mit der Negativrolle identifiziert zu werden.

In anderem Kontext berichtete mir jedoch eine „Stiefmutter“, dass sie sich sehr wohl mit der bösen Mutter identifiziere. Es falle tatsächlich nicht leicht, die fremden Kinder zu verstehen, sie nicht dauernd anders haben zu wollen. Die Gefahr, diese Kinder abzulehnen, weil sie sich nicht nach der eigenen Vorstellung prägen lassen, sei viel größer als bei den eigenen Kindern. Die Tatsache, mit dem geliebten Mann mehr oder weniger unfreiwillig auch dessen Kinder zu „heiraten“, sei wirklich nicht einfach. Diese Kinder würden in anderer Weise „Eifersucht“ erregen oder „stören“ wie eigene Kinder. Es sei wichtig, sehr bewusst mit den Gefühlen diesen Kindern gegenüber umzugehen, um ihnen wirklich gerecht zu werden. Gleichgewichtig gibt es auch die positive Erfahrung, dass über die größere innere Distanz der Stiefmutter keine festhaltende Verwöhnsituation entsteht.

Literatur: Standard

Autor: Laitenberger, Diethild

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