Stern

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Definition: Ein Stern (mhd. stern (e), ahd. sterno, viell. zu Strahl und = am Himmel Ausgestreuter) ist ein besonders am nächtlichen Himmel sichtbares Gestirn, der dort meist als silbrigweißer, funkelnder Punkt erscheint. Im astronomischen Sinn handelt es sich um selbstständig leuchtende Gaskugeln im Weltall, die im Inneren Energie freisetzen und müssen von den übrigen, gleichfalls als leuchtende Punkte am Himmel erscheinenden Himmelskörpern unterschieden werden, die umgangssprachlich gelegentlich auch als Sterne bezeichnet werden.

Information: Wir unterscheiden am Nachthimmel die Fixsterne von den "Wandelsternen" (Planeten). Die Fixsterne sind weit von uns entfernte Sonnensysteme, deren Bewegungen mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Sie stehen wie angeheftet am Himmelsgewölbe, daher der Name Fixstern. Die Planeten sind im reflektierenden Sonnenlicht leuchtende große Himmelskörper unseres Sonnensystems. Ihre Bahn lässt sich mit bloßem Auge verfolgen und genau berechnen. Die Fixsterne bezeichnet der Duden als „Sterne im eigentlichen Sinn“.

Die Sternschnuppe gehört wissenschaftl. gesehen zu den Meteoren, also Lichterscheinungen, die durch in die Erdatmosphäre eindringende außerirdische Kleinkörper ausgelöst werden. Diese Erklärung kann uns der von einer Sternschnuppe ausgehenden Faszination nicht berauben. Der kurze, überraschende Moment eines "Sternenfalls" löst in den meisten Menschen Freude aus. Der Glaube, dass der in diesem Augenblick formulierte Wunsch in Erfüllung geht, ist weit verbreitet.

Interpretation: Einzelsterne, die besonders auffallend am Himmel stehen, aber auch Sternbilder weckten von alters her Vorstellungen von deren göttlicher Eigenschaft und Einwirkungsmöglichkeit. Schon in sehr frühen Kulturen finden wir die Einteilung der scheinbaren Sonnenbahn in zwölf Felder, denen die entsprechenden Sternbilder zugeordnet wurden (Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische). In jedem „Bild“ verharrt die Sonne ungefähr so lange, bis auch ein Mondphasenwechsel durchlaufen ist.

Von den Einzelsternen seien hier erwähnt: Stella Maris als Beiname der Isis, Ishtar, Aphrodite, Venus und der Jungfrau Maria. Als "Stern des Meeres" gilt z. B. der Planet Venus. Als Morgenstern ist die Venus die Künderin des neuen Tages, Symbol ständiger Emeuerung oder ewiger Wiederkehr, Symbol des über die Nacht siegenden Lichts, daher im Christentum Sinnbild Christi oder Marias.

Der Polarstern, um den sich das Himmelsgewölbe zu drehen scheint, wird als die axis mundi (Weltachse) bezeichnet. Er galt daher häufig als Zentrum des Kosmos, Nabel der Welt, Himmelstor, kosm. Radnabe oder oberste Spitze des Weltgebirges.

Die Sterne sind Zeichen und Bringer des Lichts, Trostspender in dunkler Nacht, durchdringen sie doch die Dunkelheit und nehmen an dem beständigen Kampf zwischen Mächten des Lichts und der Finsternis teil. Sie bedeuten Hoffnung, denn sie leuchten im Dunkeln, sind die Augen der Nacht.

Origines sagt: „Verstehe, dass du eine zweite Welt im Kleinen bist, und dass in dir die Sonne, der Mond und auch die Sterne sind.“ zit. n. Jung, GW 16, § 397) Das innere Firmament ist für viele Menschen eine wohltuende Vorstellung.

Goethe vergleicht das schmerzvoll Ersehnte und vielleicht Unerreichbare mit dem Stern in seinem Gedicht „Trost in Tränen“:

Ach nein, erwerben kann ich's nicht, es steht mir gar zu fern.

Es weilt so hoch, es blinkt so schön, wie droben jener Stern.

Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht,

Und mit Entzücken blickt man auf in jeder heitern Nacht.

Man sagt, Sterne gehorchen dem Willen Gottes. Die Bibel lehrt im Buch des Propheten Jes. (40, 26) „Seht nur in die Höhe! Wer hat die Sterne da oben geschaffen? Er, der Herr, lässt sie alle aufmarschieren, das ganze unermessliche Heer. Jeden von ihnen ruft er mit Namen, und keiner bleibt fern, wenn er, der Mächtige und Gewaltige, ruft.“


Die Bewegung der Sterne in regelmäßigen Bahnen ist uns unbegreifbar, kann uns ehrfürchtig stimmen oder etwas vermitteln von einer großen Ordnung, die auch uns hält.

In den mythologischen Vorstellungen mancher Völker werden die Sterne allg. oder bestimmte Sterne als an den Himmel versetzte Verstorbene gedeutet; einige indianische Kulturen gingen sogar so weit, zu jedem Lebewesen auf der Erde ein Pendant unter den Sternen anzunehmen. Es gibt die Vorstellung z. B. von Liebenden, dass ein besonderer Stern die Verbindung zu dem abwesenden Menschen bedeutet, sogar über den Tod hinaus. Es scheint fraglich, ob im digitalen Zeitalter, wo wir immer und überall erreichbar sind, einem Stern noch diese Funktion gegeben wird.

Sterne dienen als Wegweiser z. B. in der Seefahrt. Allen bekannt ist der die Inkarnation Gottes ankündigende Stern als Wegweiser für die drei weisen Männer aus dem Morgenland auf ihrem Weg nach Bethlehem. Sie verließen sich auf ihre Berechnungen und folgtem dem Stern.

Eine ganz gegensätzliche Bedeutung hat die Aussage, es stehe in den Sternen, wenn uns etwas ungewiss erscheint. Im Volksglauben sind Sterne magische Helfer. Denken wir an die Sternschnuppe: Ist es nicht so, dass das, was man sich im Augenblick ihres Aufleuchtens in der Atmosphäre wünscht, in Erfüllung gehen wird?

Sterne sind Kennzeichen aller Himmelsköniginnen, die auch häufig eine Sternenkrone tragen. Heute werden sie zu qualitativer Einschätzung als eine Art Gütezeichen herangezogen, das 5-Sterne-Hotel, oder auf Rangabzeichen abgebildet. Preisschilder in Sternenform sollen auf ein besonderes Angebot aufmerksam machen.

Sterne können auch für hohe oder allzu hohe Ideale stehen. In unserem Sprachgebrauch finden wir die Redewendung: „nach den Sternen greifen“. Wir gebrauchen auch Wendungen wie „unter einem guten Stern geboren“, „etwas steht unter keinem guten Stern “, wir sprechen von „Sternstunden der Menschheit, oder im eigenen Leben“, „jedem leuchten die Sterne anders“.

In Antoine de Saint-Exupéry's Erzählung „Der kleine Prinz“ spielt der Stern eine wundersame Rolle. Er lässt den kleinen Prinzen, als er sich anschickt, auf seinen kleinen Stern zurückzukehren, zu dem in der Wüste notgelandeten Piloten sagen: „Die Leute haben Sterne, aber es sind nicht die gleichen. Für die einen, die reisen, sind die Sterne Führer. Für andere sind es nichts als kleine Lichter. Für wieder andere, die Gelehrten, sind sie Probleme. Für meinen Geschäftsmann waren sie Gold. Aber alle diese Sterne schweigen. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!“

Erinnert sei auch an den bekannten Dreistern einer Automarke, der mit dem dazu gehörenden Slogan „Ihr guter Stern auf allen Straßen“ ein exzellentes Beisipiel für die von allen erlebbare Qualität von Symbolen ist. Der männlich gestellte Dreistern mit der Spitze nach oben: aufwärts, vorwärts, Tempo. So wohlfundiert dastehend weist er in eine steile Zukunft.

Die Form des Kreuzes finden wir im vierstrahligen Stern. Seine Ausstrahlung ist sehr klar, er spannt sich aus zwischen Oben-Unten-Rechts-Links.

Der Vierstern ist das Zeichen der NATO als wachsam in alle vier Himmelsrichtungen blickender Wehrverband. Er wirkt wie ein Marschkompass und vermittelt Verteidigungsbereitschaft nach Nord und Süd, Ost und West.

Ein von schweren Ängsten geplagter Bub gestaltete im Sand einen fünfstrahligen Stern. Dies brachte die Wende in seiner Therapie. Ausgerechnet ein Fünfstern, den Drudenstern, mit dem man Geister bannt und herbeiruft. Das Pentagramm, der Drudenstern, ist als zauberkräftiges Zeichen noch heute im Volksglauben erhalten.

Die Fünfzahl der Finger hat mitgewirkt, die Zahl Fünf als Zahl des Menschen zu bezeichnen. Das Pentagramm kann auch als Bild eines Menschen angesehen werden, der mit gespreizten Beinen und ausgestreckten Armen in einem Kreis der Welt steht. Die Fünf gilt als Zahl des Körpers. C. G. Jung stellt bei einer Bildbeschreibung in seinem Artikel „Über Mandalasymbolik“ fest, dass „der fünfstrahlige Stern den materiellen, körperlichen Menschen symbolisiert“. Die Fünf ist die hervorragende Ordnungszahl der belebten Natur. Ich erinnere z. B. an den Seestern. Die Anzahl der Blütenblätter ist oftmals fünf. „In einem kleinen Apfel, da sieht es niedlich aus, es sind darin fünf Stübchen, grad wie in einem Haus“. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Amerikaner das Pentagon, ihr Verteidigungsministerium in Washington auf einen fünfeckigen Grundriss erbauten.

Der Sechsstern, das Hexagramm, erscheint als zwei ineinander gewobene gleichseitige Dreiecke. Das nach oben weisende männliche Dreieck ist im Sechsstern mit dem nach unten weisenden weiblichen verflochten; zwei gegensätzliche energetische Prinzipien, von denen jeder Mensch unterschiedliche Anteile in sich trägt. Somit könnte der Sechsstern als Symbol der Gegensatzvereinigung von Männlichem und Weiblichem, von Feuer und Wasser, Himmel und Erde verstanden werden. Der Davidstern ist seit dem MA in der jüdischen Kultur verbreitet, seit dem 19. Jh. religiöses Symbol. Für Millionen Menschen wurde er zum Zeichen für Verfolgung und oft sicheren Tod, wie wir aus dem dunkelsten Kapitel des Dritten Reiches erinnern können. Der Staat Israel trägt den Davidstern auf seiner Landesflagge. Übrigens tragen von 230 Staaten 69 Sterne auf ihren Landesfahnen.

Der Komet, der Schweifstern gilt in vielen Kulturen (in der Antike, im MA) als böses Vorzeichen für das Herannahen von Unglück (Hunger, Krieg, Feuersbrunst, Seuchen oder Weltuntergang), aber er kann auch im Gegenteil ein Bote der Sonnengötter sein. In der bildenden Kunst wird der Stern von Bethlehem häufig als Komet dargestellt und so zum „bekanntesten“ Kometen.

Der Stern, meist vier-, acht- oder zwölfstrahlig bildet oft das Zentrum eines Mandalas und wird als eine der vielen Manifestationsformen des Selbst gesehen.

Gestaltungen mit oder von Sternen kommen in Sandspielprozessen relativ häufig vor, oft als Hinweis auf eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe. Sternträume dagegen sind eher selten. Höchstens wird bemerkt, dass es Nacht war und viele Sterne am Himmel standen. Zu Symptomen der Inflation gehören Träume oder Fantasien, man fliege durch den Weltraum wie ein Komet, man sei die Erde, die Sonne oder ein Stern (vgl. C. G. Jung GW 7, Die Struktur des Unbewußten).

Ein achtjähriges Mädchen, das sieben Jahre ihres Lebens bis zur Aufnahme in der Pflegefamilie in ständig wechselnden und extrem chaotischen Verhältnissen lebte, beschäftigte sich während ihrer Therapie wiederholt mit dem Symbol Stern. Immer wieder war sie auf der Suche nach ihrem Stern, ihrem Wegweiser, nach Hilfe und Orientierung, und verband so mit der Suche die Frage nach ihrem Schicksal.

Nach der Fertigstellung eines Sandbildes, sagte ein Mann mittleren Alters, als er den Sand von seinen Händen abklopfte, „So, jetzt muss ich mir das Bild erst einmal anschauen.“ Er hatte nicht bemerkt, dass sein gestalteter Stern zwölf Strahlen hatte und dass ein Floß, das er verwendete, an der Stelle halb drei Uhr landete, seiner Geburtszeit. In Abwandlung des Schillerzitats: „Jeder trägt seines Schicksals Stern in seiner Brust“ hatte dieser Mann seinen Lebens- oder Schicksalsstern im Sand gestaltet.

Literatur: Standard

Autor: Löwen-Seifert

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