Spinne

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Keyword: Spinne

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Definition: Die Spinne (mhd. spinne, ahd. spinna, eigtlich die Spinnende, Fadenziehende) ist ein zu den Gliederfüßern gehörendes, in zahlreichen Arten vorkommendes, Spinndrüsen besitzendes Tier mit vier Beinpaaren.

Information: Keine

Interpretation: Arachnida, Spinnentiere wirken auf uns ebenso geheimnisvoll wie unheimlich, nützlich wie gefährlich. Dies drückt sich auch in der Redewendung, dass „jemand spinnt" aus. Nicht zufällig ist unter den Tierphobien neben der Schlangen- die Spinnenphobie die verbreitetste. Das mag mit ihrem Erscheinungsbild zusammenhängen, aber auch den Netzen, die sie überall in unermüdlicher Arbeit und kunstvollster Weise spinnen.

Arachne war mythologisch eine lydische Teppichweberin. Als Schülerin der Athene, übertraf sie diese aber, indem sie einen vollendeten Teppich mit Liebesszenen zwischen Göttern und Sterblichen wob, wurde daraufhin von ihr samt ihren Nachkommen in eine Spinne verwandelt und damit bestraft für die Rivalität mit den Göttern. Man kann hier vermuten, dass die vernunftbegabte Athene im Sinn eines dialektischen Impulses ihr eigenes Gegenteil evoziert, den schönen Schein. Die Produktivität der Spinnen gemahnt auch an die Parzen und Moiren, die den unabänderlich schicksalsbestimmenden Lebensfaden spinnen.

Viel Aberglauben verbindet sich mit ihnen, so z. B. zahlreiche Wetterregeln, die sich aus dem Verhalten der Spinnen ableiten lassen. Die Darstellung von Spinnennetzen galt als Schutz gegen allerlei Unbill und Dämonen.

Die kunstvollen Netze nötigen uns Respekt vor einer geheimnisvollen instinktiven Intelligenz ab und suggerieren tatsächlich so etwas wie eine Vermutung hochentwickelter Fähigkeiten, die sowohl zur Hochachtung, als auch zur Unheimlichkeit dieser Wesen beitragen mag.

In Indien ist das Spinnennetz Symbol kosmischer Ordnung. Spinnen gelten aufgrund dieser Fähigkeiten auch als lunare Kräfte, die dem Spinnen und Weben zugeordnet sind. Sehr viel weitergehend ist der bei afrikanischen Völkern anzutreffende Mythos, der den Spinnen schöpferische Kraft zuschreibt. Danach haben sie Sonne, Mond und Sterne geschaffen und damit die Voraussetzung für menschliches Leben; oder die Spinne ist direkt als Urgottheit die Schöpferin des Lebens. Verwandte Vorstellungen finden sich in Mikronesien und bei den Pueblo-Indianern.

Die Netze sind aber auch Fanginstrument. Daher rührt sicher ein Teil der Phobien. Sie lösen die Angst vor dem Eingefangenwerden aus, evozieren die Vorstellung, in ein Netz eingesponnen zu werden, aus dem kein Entkommen mehr möglich ist, während die Spinne im versteckten Winkel lauert, bis man sich verfangen hat, um dann das Opfer mit giftigem Biss zu töten oder lebendig in einem Kokon in die Speisekammer zu hängen.

Diese Eigenart eignet sich zur Projektion einer tödlichen Hinterlist. Durch diese Netzkonstruktion, aber auch die langen tentakelartigen Beine sind Spinnen oft mit negativen Aspekten des Selbst oder auch des Weiblichen verknüpft. Der abgründige, dunkle Aspekt des Selbst und das festhaltende, verschlingende, umgarnende Weibliche werden ihnen zugeordnet. Als Traumbilder sind sie insofern oft mit der Angst vor diesem verbunden:

„Ich liege im Bett, bin hellwach. Ich sehe zu, wie sich von der Decke herab eine große schwarze Spinne auf mein Gesicht zu abseilt. Sie kommt immer näher. Ich liege wie gebannt und kann mich nicht bewegen, bin machtlos ausgeliefert. Ich warte voller Angst, bis sie unten ist. Es geht aber sehr langsam und kurz bevor sie landet erwache ich".

Hier scheint unmittelbar die Auseinandersetzung mit einem bedrohlichen Aspekt des Lebens anzustehen. Das genaue Zielen aufs Gesicht lässt auch darauf schließen, dass der Träumer einen komplexhaften Aspekt seiner Seele erkennen muss.

In christlicher Symbolik waren Spinnen mit Sünde und Verderbnis assoziiert und den fleißigen Bienen entgegengesetzt. Ein anderer Aspekt dieses Netzes ist seine fragile Natur, sie hinterlässt auch den Eindruck eines unwirklichen, trügerischen Schleiers und erinnert damit an die indische Göttin Maya, die Meisterin der Illusion, mit der sich der Schöpfergott umgeben hat, um seine Einheit zu verschleiern.

Der positive Aspekt dominiert zwar nicht, erscheint aber in der verbreiteten Vorstellung vom Seelentier, das im Schlaf den Mund verlässt und wieder betritt oder wenn in China die Spinne als Glückssymbol gesehen wird. Wir kennen auch den in neuerer Zeit wieder aktuelleren Aspekt des Volksglaubens, aber auch der biologischen Wahrheit, dass Spinnen als Nützlinge gelten, auf eine intakte Ökologie hinweisen und Ungeziefer vertilgen.

Der positive Aspekt des Netzes wird deutlich, wenn dies etwa mit den Strahlen der Sonne verglichen wird oder dem Schleier Marias. Er verdeutlicht sich in unserer Zeit auch durch den Begriff des Netzwerks, der Vernetzung, als einer modernen Anschauung gegenseitiger Bezogenheit von Faktoren und als Differenzierung eines Kausalitätsdenkens. Aktuellstes Beispiel ist dafür das sich netzartig entfaltende Internet.

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

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