Shiva

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Keyword: Shiva

Links: Coniunctio, Gottesbild, Phallus, Tanz

Definition: Dieser indische Gott bedeutet in Sanskrit, der Gelehrtensprache Altindiens, "der Gütige, der Freundliche".

Information: Keine

Interpretation: Shiva ist auf den ersten Blick doppeldeutig: einerseits symbolisiert er aufgrund von Zorn und Leidenschaft die Zerstörung der Welten, andererseits wird er segensvoll genannt. Der Widerspruch löst sich auf, wenn man die indische (sowohl die hinduistische, als auch die buddhistische) Religionsphilosophie versteht. In ihr ist die Welt, die wir kennen, in der wir Menschen leben, eine relative, d. h. sie entsteht und vergeht in den verschiedenen Weltzyklen immer wieder neu, wohingegen das Absolute, das ewige Sein, Brahman genannt, keiner Wandlung unterliegt. Shivas Aufgabe nun ist es, einerseits als Zerstörer die relative Welt immer wieder aufzulösen, andererseits als der Gütige die Menschen von der Nichterkenntnis zu befreien und ihnen die wahre Wirklichkeit, Brahman, zu zeigen. Insofern hat hiva. auch einen Bezug zur Zeit.

In die indischen Götter werden - ähnlich wie in die griechischen - menschliche Grundeigenschaften und -bedürfnisse projiziert, u. a. sexuelles Begehren und Leidenschaft. So symbolisiert Shiva auch den Lingam, das männliche Geschlechtsorgan; er wird häufig in orgiastischer Vereinigung mit Shakti, seiner Gemahlin, gezeigt. In diesem Zustand wird er auch als Weltenschöpfer gedeutet.

C. G. Jung beschreibt ihn in einem Beitrag über Mandalasymbolik folgendermaßen: „In der Regel ist hier Shiva in seinen weltschöpfenden Emanationen dargestellt. Shiva ist nach der tantrischen Lehre das eine Seiende, das Zeitlose in seinem vollkommenen Zustand. Die Schöpfung beginnt dann, wenn dieser unausgedehnte, punktförmige Shiva [...] in ewiger Umarmung seiner weiblichen Seite, das heißt des Weiblichen überhaupt, nämlich der Shakti erscheint.“ (Jung, GW 9/1, § 631)

Doch die bekannteste Darstellung Shivas ist die des Tänzers, in der die wesentlichen Merkmale der Schöpfung – Energie und Bewegung – zum Ausdruck gelangen. „Der Tanz des Shiva symbolisiert nicht nur die kosmischen Zyklen von Schöpfung und Zerstörung, sondern auch den täglichen Rhythmus von Geburt und Tod, den die indische Mystik als Basis aller Existenz sieht. Gleichzeitig erinnert uns Shiva daran, dass die vielfältigen Phänomene der Welt ‚Maya' sind – nicht fundamental, sondern Illusion und ständig wechselnd. Er erschafft und zerstört sie im endlosen Fluß seines Tanzes.“ (Capra, 1981, S. 243).

Literatur: Standard

Autor: Seifert, Ang Lee

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