Schlange

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Keyword: Schlange

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Definition: Die Schlange (ahd. slango, zu schlingen, eigtl. = die sich Windende ist ein Kriechtier (Unterordnung der Reptilien) mit lang gestrecktem Körper ohne Gliedmaßen, langer, vorne gespaltener Zunge, das sich in Windungen gleitend fortbewegt.

Information: Aufgrund ihrer schweren Erkennbarkeit, ihrer unvorhersehbaren Bewegungen, bedrohlichen Zischlaute und der Gefährlichkeit insbesondere der Giftschlangen löst die Schlange bei Menschen instinktive Furchtreaktionen aus.

Interpretation: In vielen mythologischen Gestaltungsformen und Redensarten wird sie sehr ambivalent bis negativ gesehen, z. B. Basilisk, Chimäre, Hydra, Medusa. Negativ werden mit Eigenschaften assoziiert wie teuflisch, boshaft, doppelzüngig, falsch, giftig, hinterlistig, heimtückisch, tödlich, um- und verschlingend, verführerisch. Bereits die ersten Kapitel der hebräischen Bibel mit ihren uralten Schöpfungsmythen geben diesem Symbol die enorme Bedeutung des Widersachers des Göttlichen, der einen harmonischen paradiesischen Zustand aufbricht und in Wandlung überführt.

Gleichzeitig wird sie in vielen Kulturen auch mit sehr positiven Werten verbunden, z. B. als kosmische Urenergie, die ewig kreisend und strömend das Universum belebt (Uroborus) und dessen Gesetze repräsentiert oder als das mythische Wesen, von dem alle anderen abstammen. Auch kann sie die Lebenskraft schlechthin sein, die alle Wesen durchflutet, die den Anfang und das Ende, Geburt, Leben und Tod umfasst. In der indischen Philosphie (Chakren) gibt es als Symbol dieser Urenergie die Kundalinischlange, die im Wachstumstumsprozess des Menschen die Wirbelsäule hochsteigt und damit in gewisser Weise sowohl den evolutionären als auch den Bewusstseinsentwicklungsprozess und Individuationsprozess nachbildet. In manchen Kulturen wird sie dementsprechend auch als Repräsentantin geheimen Wissens über das Leben und besonders auch über Krankheit, Heilung und Gesundheit angesehen. Durch ihre Häutung wurde sie zum Symbol von Unsterblichkeit, Erneuerung des Lebens, von Wandlung und Heilung. Der hebräische Mythus von der erhöhten Heilssschlange und die Äskulapschlange als Symbol der Heilkunst bei Medizinern und Apothekern finden sich wieder in der Gleichsetzung des gekreuzigten Christus als Heilsbringer der Welt.

Durch ihre sich windendenden, schlängelnden Bewegungen symbolisiert die Schlange auch die Verbindung der Gegensätze als Weg und als strömendes Wasser - gestaltet z. B. in der Symbolik des chinesischen Drachens, der wiederum u. a. ein Glückssymbol ist. Die Lebensenergie fließt und ruht nach ihren eigenen Gesetzen, was wiederum auch in der für den Menschen schwer berechenbaren Natur der Schlangen zum Ausdruck kommt. Die Schlange weist intuitiv den verschlungenen Weg. So kann sie auch ein Orakeltier sein wie in Delphi im antiken Griechenland und repräsentiert manchmal auch eine höhere Weisheit. Diese Weisheitsseite findet indirekt auch im Sündenfall-Mythos ihren Ausdruck, in dem die Schlange Eva die Frucht der Erkenntnis überreicht. Überhaupt wurde die Schlange - obwohl sie auch einen deutlichen phallischen (Phallus) Aspekt hat - häufig mit dem weiblichen Prinzip verbunden und war Begleittier zahlreicher Göttinnen.

Im alten Griechenland ist sie u. a. der Göttin Athene heilig, die wie keine andere weibliche Gestalt in der griechischen Mythologie die Weisheit des männlichen Logos als Vatertochter repräsentiert.

Im Christentum lässt sich - zusammen mit dem hebräischen Mythus - sehen, wie die Schlange zum Symbol des ausgegrenzten Weiblichen, des Körpers und des Sexuellen wurde, sich dann aber auch wieder, aufgrund des Mythus von der Heilsschlange und ihrer Häutungs- und Auferstehungssymbolik, zur heilenden Schlange wandelte, die auch den menschlichen Corpus des Erlösers am Kreuz ersetzen kann.

C. G. Jung betont, dass die Schlange die andere Seite der menschlichen Psyche bedeutet, tief verankert im körperlichen Geschehen und im Stammhirn mit allen Instinkten der Frühzeit. So repräsentiert die Schlange für das Bewusstsein die andere Seite und einen fruchtbaren Anstoß aufgrund ihrer instinktiven archaischen Reaktionen. Gleichzeitig ist aber zu berücksichtigen, dass die Schlange genau damit dem zu hoch gestiegenen Bewusstsein, das sich von seinen Wurzeln entfernt hat, den Weg weist zu einer neuen Verankerung in den grundlegenden Prozessen des Natürlichen. Das sind möglicherweise die Schätze vergangener Zeiten, von denen die Merowingersage berichtet, dass aus dem Mund des schlafenden König Dagobert eine Schlange gekommen sei, die jenseits eines Wasserlaufs in einem Berg verschwand. Als an diesem Ort nachgegraben wurde, fand der König unendliche Schätze.

Für den praktischen Umgang mit dem Schlangensymbol in Träumen und Fantasien ist aber festzuhalten, dass immer zuerst die Frage kommt, welche Bedeutung der oder die Betroffene dem Symbol der Schlange zuweist. In den Träumen spiegelt die Schlange die Notwendigkeit der Wandlung und Erneuerung wie auch die Angst der Träumer vor der Psyche und ihren aus dem Unbewussten wirksamen archaisch-instinktiven Kräften wieder. Je giftiger und dunkler die Schlange ist, um so mehr Angst besteht möglicherweise vor dem psychischen Veränderungsprozess. Beißt die Schlange, dann kann der gebissene Körperteil auf das entsprechende problematische Verhalten des Menschen hinweisen.

In der männlichen und der weiblichen Psyche kann die Schlange gelgentlich das Gesicht von Anima oder Animus bekommen.

Literatur: Standard

Autor: Sauer, Gert

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