Schütze

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Keyword: Schütze

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Definition: Ein Schütze ist jemanden, der mit einer Schusswaffe schießt. Schütze ist auch ein Sternbild am Sommerhimmel, (lat. Sagittarius) und in der Astrologie ein Tierkreiszeichen.

Information: Schütze, Schutz und schießen haben dieselbe Wurzel: der Schütze kann somit sowohl dem Archetypus des Helden (Heros) als auch des Vaters (Vater) entsprechen. Weiter siehe unter Interpretation.

Interpretation: In der Mythologie ist der Schütze mit Pfeil und Bogen das Symbol der sinngebenden Gottheit, des Assur, Zeus (röm. Jupiter) Apollo, Helios, Eros (röm. Amor) und selbst des biblischen Jahwe (Hiob 6, 4; Jes. 49, 2). Die göttlichen Pfeile gleichen ausgesandten Strahlen, Bestimmung erweckend, Liebe, Begeisterung bzw. das geistige Feuer entzündend, Berührung durch das Göttliche, welches das kleine Ich aus sich und über sich hinausführt in eine erweiternde, soziale oder geistige Dimension. Das Sternbild Schützeist das Zentrum unseres Milchstraßensystems. In der Astrologie ist der Schütze häufig als Kentaur dargestellt. Dieser steht für naturhafte Vitalenergie und Triebstärke, aber auch deren Überwindung. Dem wegen seiner Weisheit, Gerechtigkeit und Heilkunst berühmten Kentauren Cheiron verlieh Apollon (dessen Schwester Artemis als Bogenschützin die Wälder durchstreift) die Gabe des Bogenschießens und der Sehergabe. Beides verlangt Instinktsicherheit und Weitsicht. Bogenschießen und visionäre Zukunftsschau können symbolisch ineins gesetzt werden. Cheiron war Lehrer des Asklepios, Iason, Achill u. a. Helden des Altertums. Als wahrer Erzieher lehrte er sie, den eigenen Bogen zu spannen, den eigenen Pfeil auszurichten, um in die Mitte ihrer Berufung zu treffen.

Mythos, Märchen und Volkserzählung (moderne Version: Western- und Gangsterfilm, Krimi) kennen das Motiv des Meisterschützen. Er ist ein Ausgezeichneter, ein Großer Einzelner. Reaktionsschnelligkeit, Beherrschung emotionaler Körperreaktionen, Zielsicherheit machen ihn zur Mana-Persönlichkeit, zum Herrn über Leben und Tod: entweder zum triumphierenden Helden der Lichtseite, gerechten Rächer, Schützer der Ohnmächtigen, Erlöser vom Bann des Bösen; oder zum Vertreter der Nachtseite, des Bösen, zu dessen Besiegung besondere Maßnahmen nötig sind. Symbolisch verwandt ist das Motiv des Jägers, des Jagdglücks, Jagdzaubers, des Meisterschusses, die Initiations- und Reifeprüfung. Im Gegensatz zum verantwortungsbewussten Schützen als reifem Großem Einzelnen stellt der Revolverheld durch schnelles und häufiges Bedienen seiner Waffe seine Potenz zur Schau. Das Schießen hat dann eine vorwiegend sexuelle oder allgemein phallische Komponente, versinnbildlicht Ersatz oder Steigerung der phallischen Potenz, mitunter auch ihr Vortäuschen.

In Träumen zeigt dieses Motiv eine hohe libidinöse Spannung an, die auf Entladung drängt. Schützenvereine sind traditionelle Institutionen, in denen solche Entladungen ritualisiert sind, der Schützenkönig hat auch moralische Leitbildfunktion. In sportlicher Disziplin besonders als Meisterung physiologischer Erregung imponierend ist die Schützenkunst im Fünfkampf oder Biathlon.

Die Treffsicherheit hängt von der Konzentration des Schützen ab, von seiner geistigen Unabhängigkeit von der Gefühlsebene. In Japan ist die Kunst des Bogenschießens eine der Meditations-Disziplinen des Zen, in der Absichtslosigkeit geübt wird. Der rechte Schuss erfordert die richtige Einstellung gegenüber Spannung und Lösen, das Lösen hat das Von-Sich-Selbst-Loskommen (Dis-Identifikation) zur Voraussetzung und das geistig-seelische Richten auf Erfüllung, statt auf das Versagen (Herrigel). Von daher ergeben sich weite und wichtige psychologische Bezugsfelder.

Der Werde- und Reifeprozess der Individuation bedarf immer wieder des vorausgreifenden Ent-Wurfs, der Projektion (lat. proicere = vorauswerfen), die aus der Verankerung in der seelischen Mitte der Persönlichkeit kommen muss und letztlich auf ein größeres, weiträumigeres und dem Bewusstsein unbekanntes Ziel hin entworfen werden. Dem Ziel muss Bedeutung gegeben werden. Der Pfeil will abgeschossen werden, über das Ich hinaus, will das Bekannte überschreiten in Vertrauen und Hoffnung auf eine Ordnung, welche die Mitgeschöpfe umgreift und aller irdischer Existenz Sinn verleiht. Die jeweils anvisierte, erhoffte Ordnung ist niemals statisch fixierbar, neue Horizonte tun sich mit erreichten Zielen auf, um zuletzt in der eigenen Mitte anzukommen, in der alle Horizonte des Selbst zusammenlaufen.

Der SCHÜTZE in der Astrologie steht für die Überschreitung der Ich-Grenzen zum Gemeinsamen hin, auf eine übergreifende, organisch geordnete Weltanschauung hin. Der zugehörige Planet ist Jupiter, das Element Feuer, die Qualität labil (beweglich). Allgemeine Grundprinzipien sind die Hinausbewegung, Horizonterweiterung, der transpersonale Wille, die Differenzierung und Ausweitung von Beziehung in Richtung auf übergeordnete Leitbilder und Synthese. Die Instinktnatur ist expansiv drängend, will das Sinnliche, Anschauliche. Motivierende Spannung auf Ziele und Höhepunkte hin, hohe Erwartungen, Fähigkeit des Bedeutung Gebens auch im Alltäglichen. Das seelische Bedürfnis ist ruhelos suchend auf Erweiterung, Erhebung und Begeisterung, Vision und Sinnhaftigkeit gerichtet, auf Überwindung von Notwendigkeit und Erdenschwere. Es zählt der mitreißende Schwung, der „große Wurf“; sachliche Rücksicht wird häufig der Ungeduld, etwas zu verwirklichen geopfert.

Schattenaspekte hiervon sind: Aufblähung des Ich mit übertriebenem Sendungsbewusstsein, Erwähltheitsphantasien, Fanatismus, Unrast, Schaumschlägerei. Überhöhte narzisstische Erwartungen.

Literatur: Standard, Romankiewicz, 2002

Autor: Romankiewicz, Brigitte

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