Sandspiel

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Keyword: Sandspiel

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Definition: Die Sandspieltherapie wurde von Dora M. Kalff (1904-1990) auf der Grundlage der Erkenntnisse der Analytischen Psychologie, aus dem "Weltspiel" von Margaret Lowenfeld und den spirituellen Traditionen des Buddhismus entwickelt.

Information: Es handelt sich dabei um ein projektives Verfahren, das diagnostisch und therapeutisch als Instrument zunächst in der Behandlung bei Kindern und Jugendlichen und inzwischen mit Erwachsenen jeden Alters Anwendung findet, um die Selbstheilungskräfte und den Individuationsprozess in Gang zu bringen oder zu fördern.

Im Sandspiel werden meist zwei Sandkästen mit wasserfester, blauer Einlage verwendet, einer mit trockenem, einer mit feuchtem Sand, ungefähr 70 cm lang, 45 cm breit und 10 cm tief, was in etwa dem normalen Blickfeld entspricht. Zusätzlich werden eine Vielzahl von Figuren, Gegenstände und Spielsachen verwendet, mit denen unterschiedlichste Szenen, Phantasien, Träume und Alltagsereignisse dargestellt werden können und die sich auch dazu eignen, besondere symbolische Bedeutung zu tragen.

Zu einer Grundausstattung gehören etwa folgende Gegenstände: Fahrzeuge (Autos, Lastwagen, Schiffe, Motorräder, Züge, Panzer, Jeeps, Flugzeuge, Hubschrauber, Krankenwagen, Polizei- und Feuerwehrautos, Müllwagen); Tiere (Haustiere, Nutztiere, wilde Tiere, Zootiere, Dinosaurier, Vögel, Fische, Schlangen, Krokodile); Menschenfiguren unterschiedlichster Art, auch Cowboys, Soldaten, Indianer, Ritter; Märchen- und Fabelfiguren (wie Monster, Hexe, Zauberer, Nikolaus, Schneemann); Gegenstände, die sich als Kulisse oder zum Landschaftsaufbau eignen (Möbel, Häuser, Bäume, Bausteine, Zäune etc.); außerdem Naturmaterialien wie etwa Holz, Federn und Moos; weiterhin Schmuck, Edelsteine, Perlen, Glaskugeln, religiöse Symbole und Göttergestalten. Als Carl Gustav Jung nach dem Zerwürfnis mit Freud in der Krise seines Lebens war, unter Depressionen litt und keinen Zugang mehr zu seinen schöpferischen Kräften zu haben schien, blieb ihm nichts mehr anderes, als sich - unterstützt durch seine Träume - an seine Kindheit zu erinnern und am Ufer des Züricher Sees mit Sand und Steinen zu spielen:" 'Aha', sagte ich mir, 'Hier ist Leben! Der kleine Junge ist noch da und besitzt ein schöpferisches Leben, das mir fehlt. Aber wie kann ich dazu gelangen?' [...] Wollte ich aber den Kontakt mit jener Zeit wieder herstellen, so blieb mir nichts anderes übrig, als wieder dorthin zurückzukehren und das Kind mit seinen kindlichen Spielen auf gut Glück wieder aufzunehmen. Dieser Augenblick war ein Wendepunkt in meinem Schicksal, denn nach unendlichem Widerstreben ergab ich mich schließlich darein zu spielen [...] Dabei klärten sich meine Gedanken, und ich konnte die Phantasien fassen, die ich ahnungsweise in mir fühlte." (Jung, Jaffé, 1962, S. 177 f.) Aus der Erfahrung der heilsamen Wirkung des Spiels gab er Dora Kalff die Anregung, das Sandspiel als therapeutische Methode zu entwickeln.

Interpretation: Sand ist reine Natur, ein Symbol des Ewigen. Erde als Urelement in Verbindung mit Wasser ist ein ideales Bau- und Formmaterial, mit dem sich spielend, ohne jegliches Können, leicht formen und gestalten lässt. Ein dreidimensionaler Ausdruck ist möglich. Der gestalterische Umgang mit trockenem oder feuchtem Sand, mit Wasser und Matsch kann an frühe Erfahrungen der Kindheit, an die ersten kreativen Erlebnisse anschließen. Sand läßt sich in vielfältiger Weise formen und verwandeln, und er kann, wie eine gute Mutter, als verfügbar, tragfähig und in gewisser Weise unzerstörbar erlebt werden. Er übersteht Kriege, Überschwemmungen und andere Katastrophen, wie sie sehr häufig von Kindern gespielt werden. Mit ihm kann man einen zärtlichen Körperkontakt herstellen, man kann ihn zwischen den Fingern und über die Haut rieseln lassen, sich von ihm bedecken lassen, man kann ihn streicheln, tätscheln, fest anfassen, kneten, etwas vergraben, Abdrücke und Spuren hinterlassen oder sie verwischen. Er kann als tragende Basis Grundlage für dramatische Spiele sein und zu jeder beliebigen Landschaft gestaltet werden.

Diese symbolischen Gestaltungen werden als Ausdruck bewusster und unbewusster seelischer Bilder, Gefühle, und Konflikte verstanden, die oft tiefen Schichten der menschlichen Psyche entstammen. Das Gestalten und Erleben dieser Sandbilder soll eine Lösung von inneren Spannungen ermöglichen und Energien für einen ganzheitlichen, Körper, Geist und Seele umfassenden Heilungs- und Entwicklungsprozess freisetzen.

Im vom Therapeuten herzustellenden "freien und geschützten Raum" (Temenos, Vas Hermetis) ist über den Kontakt mit dem Sand eine heilsame Regression auch auf frühe Entwicklungsphasen und archetypische Wirkfelder möglich. Das innere Bild wird physisch im Sand gestaltet, so dass innere Inhalte eine körperliche Form finden, oder dass eine Materialisierung innerer Bilder geschieht. Ein Prozess gerät in Bewegung, in welchem die psychische Selbstregulation die Führung übernimmt. Das, was der Patient nicht oder zu wenig lebt, was das Bewusstsein aus irgendwelchen Gründen ablehnt, nicht sehen, nicht leben, nicht wahrhaben will oder kann, erwacht unter den Händen in den Bildern zum Leben, vom Gestaltenden unbeabsichtigt, unbemerkt. Eine dem inneren Zustand entsprechende Welt entsteht. Die heilende Wirkung wird vom Patienten als Wandlung der Energien und Einstellungen erlebt. Aufgabe des Therapeuten ist es, den Prozess verstehend und beschützend zu begleiten.

Literatur: Standard

Autor: Löwen, Sigrid

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