Salbe

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Keyword: Salbe

Links: Haut, Öl

Definition: Die Salbe (mhd. salbe, ahd. salba) ist ein schmierfähiges, fettiges Arzneimittel zur Behandlung von Krankheiten. Mit Salbe können Wirkstoffe direkt auf erkrankte Hautstellen oder Wunden aufgebracht werden. Salbe kann zudem kühlen und erwärmen, und sie kann zu kosmetischen Zwecken auf die Haut aufgetragen werden.

Information: Salben wurden bereits in den alten orientalischen Hochkulturen hergestellt und zur Erfrischung und Körperpflege, zu medizinischen und kosmetischen Zwecke eingesetzt. Sie waren kostbar, wurden in kostbaren Gefäßen aufbewahrt und waren wohl nur den Reichen zugänglich. Hergestellt wurden sie aus Olivenöl unter Zufügung von Balsamen oder anderen Duft- und Heilstoffen wie Zimt und Myrrhe.

Interpretation: Tiefgehende symbolische Bedeutung bekommt die "Salbe" bzw. heiliges Öl im Ritual der Salbung oder Ölung. Bereits in den Hochkulturen wurde die Salbung vermutlich ähnlich wie in der Bibel verwendet, um jemanden ein besonderes weltliches oder sakrales Amt oder einen besonderen Wert und Würde zu verleihen, ihn zu weihen. In der Bibel wird erstmals Saul (vom Propheten Samuel) zum König gesalbt, danach auch David und Salomon. Mit der Salbung wird dem Menschen Kraft zugeführt, göttliche Gnade und Weisheit verliehen; dem Gesalbten wird zugleich vermittelt, dass er in seiner Arbeit von einem höheren, göttlichen Prinzip abhängig ist und sich in diesem Sinne zu verhalten hat. Nach der Zerstörung Jerusalems richtete sich die jüdische Hoffnung auf die Wiederherstellung des alten jüdischen Königtums, die Juden warteten auf einen entsprechenden Heilsbringer, die Wiederkunft des Gesalbten. In der Septuaginta wird "der Gesalbte" übersetzt mit dem Wort "Christos". Jesus Christus ist also der Gesalbte und Messias.

Kaiser und Könige der christlichen Mittelalters ließen sich bei ihrem Amtsantritt salben, vermutlich in der beschriebenen biblischen Tradition und in Anlehnung an die Priesterweihe der katholischen Kirche. Damit deuteten sie an, dass zu ihrer weltlichen Herrschaft auch eine religiöse Herrschaft hinzutritt, eine Art Priestertum. Die daraus resultierende Rivalität zwischen Papst und Kirchenfürsten einerseits und den weltlichen Königen und Kaisern gipfelte schließlich im 11. und 12. Jahrhundert im Investiturstreit, in dessen Verlauf der damalige König Heinrich IV. seinen barfüßigen Bußgang über die Alpen nach Canossa tun musste.

Die Tradition, sich als gesalbter Gottkönig zu verstehen bzw. das Königtum auf diese Weise mit Gott zu verbinden, erhielt sich über den Absolutismus hinaus bis zur Französischen Revolution. Spätestens mit dem Beginn der absolutistischen Herrschaftsformen verloren die Könige den Bezug für den "heiligen" Aspekt dieses Rituals gänzlich und mussten sich entsprechend mit dem Prunk z. B. eines Versailles narzisstisch aufwerten.

In der katholischen Kirche ist die Salbung mit Öl Bestandteil der liturgischen Handlung, die Krankensalbung ist eines der sieben Sakramente. Sie wird Schwerkranken und Sterbenden gespendet und soll Stärkung und Trost bringen. Täuflinge und Firmlinge werden gesalbt, ebenso Priester und Bischöfe beim Amtsantritt. Die verwendeten heiligen Öle werden in der Osterzeit, traditionell an Gründonnerstag geweiht und dann in entsprechenden Gefäßen bewahrt.

Übertrieben feierliches Sprechen wird auch als salbungsvolles Sprechen bezeichnet. Es meint sehr gefühlsbetont/gefühlvoll, ausdrucksvoll, dramatisch, ergriffen, erhaben, feierlich, inbrünstig, theatralisch, übertrieben, voller Pathos sprechen; auch gehoben, weihevoll; rührselig, schmalzig, schwülstig, unnatürlich; (oft abwertend) pathetisch, sentimental. Umgangssprachlich erscheint der Begriff abwertend, wenn jemand zu dick aufträgt.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette

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