Religion

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Hinduismus, Mysterium, Numinoses, Mystos-Prinzip

Definition: Religion lässt sich - abgesehen von unzähligen anderen Definitionsmöglichkeiten - begreifen als ein Erlebnis-und Erfahrungszusammenhang, in dem Einzelne und / oder Gemeinschaften ihre Beziehung zur Transzendenz, zum Absoluten, zu Gott als dem Grund alles Seins bekunden und von daher Wesen und Sinnhaltigkeit von Mensch und Welt, ihre eigene Existenz deuten, schließlich ihr gesamtes Leben für sich, mit und für andere gestalten.

Von Religion lässt sich zutreffend und im Vollsinn des Wortes immer nur im Rahmen der jeweiligen Tradition sprechen, der man nolens volens, eingestandener wie uneingestandenermaßen selbst angehört und von der aus man religiöse bzw. metaphysische Positionen anderer, die Weltreligionen, zu verstehen sucht. So ist zu beachten, dass der Begriff Religion (von lat. religio, deos edlere, die Götter verehren,) aus dem römischen Kulturkreis stammt und im europäisch-abendländischen Kontext entwickelt wurde. Ableitbar ist demnach Religion von relegere (das genaue Beachten der Götter), aber auch von religare (sich an sie binden).

Information: Diese in der westlichen Welt geläufige Benennung ist nicht ohne Weiteres auf andere Religions-Systeme zu übertragen, wiewohl Religion "unstreitig eine der frühesten und allgemeinsten Äußerungen der menschlichen Seele ist" (C. G. Jung, GW 11, S. 1).

Bereits das Hebräische für das Judentum, das Arabische für den Islam, schließlich die aus asiatischen Sprachen und aus wesentlich anderen Vorstellungszusammenhängen kommenden Bezeichnungen legen eine sorgfältige Unterscheidung dessen nahe, was von Fall zu Fall gemeint ist, - etwa im Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus usw. Dazu kommen noch die bei Weitem ferneren religiösen Ideen der Vor- und Frühgeschichte, der alten Hochkulturen oder der sogenannten Naturvölker. Mit der (vermeintlich) geläufigen "religio" sind sie schwerlich voll in Deckung zu bringen. Es wird jedenfalls oft übersehen, dass die in der eigenen Bewusstseins- und Erfahrungswelt entstandenen Glaubensanschauungen - meist unbewusst - auf die fremde Religiosität übertragen werden, als habe man nur eine andere Spielart der einem selbst vertrauten Religion vor sich. Und dies, obwohl jene in der Regel ganz anderen Ursprungs sind als was man im Westen als etwaiges Wesen der Religion verstehen möchte. Insofern kann eine ins Globale übergreifende Beschäftigung mit Religion immer nur unter Vorbehalt geschehen. Die Religions-Wissenschaft muss deshalb mit feststellen, dass wir kein präziseres Wort als Religion haben, um das Erlebnis des Heiligen zu bezeichnen.

Auf die Weltreligionen bezogen ist eine über viele Jahrhunderte bzw. Jahrtausende sich erstreckende Geschichte der Menschheit vorauszusetzen, in der bestimmte, gleichzeitig überaus differenzierte Erfahrungen mit einer oder mit vielen überirdischen Mächten gemacht worden sind, - und zwar jeweils "mit Furcht und Zittern". Es handelt sich um die Begegnung mit dem Heiligen, das wieder und wieder als ein übermenschlichtes Mysterium erlebt wird, als Mysterium der Transzendenz, die - streng genommen - jenseits des üblicherweise Erlebbaren liegt.

Rudolf Otto (1869-1937) hat es aus einem eigenen Initialerlebnis heraus als "mysterium tremendum et fascinans", als ein bald erschreckendes, bald faszinierendes Geheimnis beschrieben. Je nach der kulturellen und bewusstseinsmäßigen Befindlichkeit derer, die von diesem Mysterium berührt und ergriffen sind, gestaltet sich auch die Religiosität in den je unterschiedlichen Formen des Umgangs mit dem, was von den Menschen als das Unbedingte, als die "Tiefe des Seins" (P. Tillich) erlebt wird. Oder um es mit Worten zu sagen, die Otto in seinem grundlegenden Werk "Das Heilige" (1917) verwendet: "Das, wovon wir reden und was wir versuchen wollen, einigermaßen anzugeben, nämlich zu Gefühl zu bringen, lebt in allen Religionen als ihr eigentlich Innerstes, und ohne es wären sie gar nicht Religion Aber mit ausgezeichneter Kräftigkeit lebt es in den semitischen Religionen, und ganz vorzüglich hier wieder in der biblischen. Es hat hier auch einen eigenen Namen: nämlich 'qadosch', dem 'hagios' und 'sanetus' und noch genauer 'sacer' entsprechend. Daß diese Namen in allen drei Sprachen das 'Gute' und das schlechthin Gute mitbefassen, nämlich auf der höchsten Stufe der Entwicklung und Reife der Idee, ist gewiß, und dann übersetzen wir sie mit 'heilig'. Aber dieses 'heilig' ist dann erst die allmähliche ethische Schematisierung und Auffüllung eines eigentümlichen ursprünglichen Momentes, das an sich selber gegen das Ethische auch gleichgültig sein und für sich erwogen werden kann. Da diese Kategorie vollkommen sui generis ist, so ist sie wie jedes ursprüngliche und Grund-Datum nicht definibel im strengen Sinne, sondern nur erörterbar." (Otto, 1917, S. 6).

William James legt in seinem Werk "Vielfalt religiöser Erfahrung" ine wichtige Unterscheidung nahe. In Erscheinung tritt das religiöse Handeln in Ritus, Fest und Feier, das Leben der in religiösen Gemeinschaften mit dem ihrem eigenen Dogma sowie ihrer ethischen Normen (Geboten). Es handelt sich hier um einen vorwiegend sozialen und nach außen gerichteten exoterischen Aspekt. Theologie bzw. Religionsphilosophie, Verkündigung und missionarische Aktivitäten gehören hierzu ebenso wie die je unterschiedlich motivierte mitmenschliche Fürsorge. Eng damit verbunden ist er der vorwiegend den Einzelnen betreffende, der nach innen gerichtete Aspekt (Esoterik), bei dem es um die erlebbare Mitte und Sinntiefe geht. Dazu gehört z. B. die Weise, in der der transzendente Gott verehrt und das Mysterium (Sakrament) des Glaubens erfahren wird. Sie kann als Gnosis, Mystik und Theosophie ihre spirituelle Vitalität zur Geltung bringen.

Diese esoterische und exoterische Dimensionen sind aufeinander bezogen. Oft genug stehen sie in Spannung zueinander, dann nämlich, wenn die institutionell verfasste Religion mit einer tradierten Lehre (Dogma) an spiritueller Lebendigkeit verliert, wenn etwa eine hierarchisch gegliederte Priesterschaft auf ihre Weihegewalt pocht, darüber aber das freie, unverfügbare Walten des Geistes erschwert oder unterbindet, z. B. indem sie konkurriernde Glaubens- und Denkformen als häretisch erklärt und gegebenenfalls gewaltsam verfolgt. Wie im übrigen die Beobachtung der religionsgeschichtlichen Phänomene zeigt, ist das göttliche Offenbarungsgeschehen keineswegs abgeschlossen, selbst wenn dies durch dogmatische Festlegungen (z. B. im Christentum) behauptet wird. Deutlich wird dies nicht zuletzt in Gestalt der Bildung von neuen religiösen Bewegungen sowie durch die reformatorische Belebung bereits bestehender Institutionen.

Aus nüchterner Analyse der gegenwärtigen Menschheitssituation resultiert die immer dringlicher geäußerte Forderung, dass die Vertreter der einzelnen Religionen ein allgemein verbindliches "Weltethos" (H. Küng) praktizieren lernen, indem sie Verständnis- und dialogbereit, insbesondere kooperativ auf allen Ebenen der Begegnung für den Frieden, für das Heil und Wohl der Mitmenschen eintreten. Die Voraussetzungen hierfür sind gegeben, denn: "Religion ist mehr als eine rein theoretische Angelegenheit, gar nur eine Sache der Vergangenheit, Aufgabe für Urkundenforscher und Quellenspezialisten. Nein, Religion [...] ist immer auch gelebtes Leben, eingeschrieben in die Herzen und von daher für alle religiöse Menschen eine höchst gegenwärtige und durchaus den Alltag bestimmende Angelegenheit [...] Religion vermittelt einen umfassenden Lebenssinn, garantiert höchste Werte und unbedingte Normen, schafft geistige Gemeinschaft und Heimat." (Küng, 1984, S. 19)

Interpretation: Keine

Literatur: Standard

Autor: Wehr, Gerhard

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