Reiten

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Definition: Beim Reiten (altgerm. reidh = in Bewegung sein, reisen, fahren) sind zwei Arten zu unterscheiden: das Reiten als Traglast, ohne Einwirkung auf das Pferd, und das Reiten im engeren Sinne, bei dem der Reiter auf Geschwindigkeit, Gangart, Richtung, Körperhaltung, Ausdruck des Pferdes aktiv einwirkt (erstmalig nachweisbar ca. 2800 v. Chr.).

Information: "Der Reiter erscheint auf dem Schauplatz der Geschichte sozusagen als eine neue Menschenrasse von gewaltiger Überlegenheit: mit einer Scheitelhöhe von über 2 Metern und einer Bewegungsgeschwindigkeit, welche die des Fußgängers um ein Mehrfaches übertrifft." (Otte, 1994, S. 18)

Zu Pferd wurde die Arbeit der Menschen als Jäger oder Hirten erleichtert und verbessert, als Krieger wirkungsvoller, sodass Pferdezucht und Reiten zum zentralen Faktor im der sogen."Reitervölker" des asiatischen, europäischen und nordafrikanischen Raumes wurden (Kelten, Germanen, Berber, Etrusker, Iraniaer, Skythen, Sauromaten, Amazonen [...] ) Weltgeschichtliche Bedeutung bekam das Reiterkriegertum, das zu Anfang des 1. Jt v. Chr. die Streitwagen-Krieger ablöste. Die Völkerwanderungen waren Reiterwanderungen. Zu kultischen Festen wurden bei vielen Völkern der Antike Reiterwettkämpfe abgehalten, berühmt die "ludi circenses" in Rom. Auch die Darstellung von Reitern und Wagenlenkern auf etruskischen Grabfresken hatte vermutlich kultische und nicht militärische Bedeutung. In der griechischen Antike gehörten Reiten und Fahren zu den ältesten sportlichen Betätigungen (Darstellungen auf Münzen, Keramik, Steinbildnissen); Bestandteil der olympischen Wettkämpfe ist das Reiten seit dem 7. Jh. v. Chr. Die ältesten Schriften der antiken Reitkunst stammen aus dem 6. Jh v. Chr.

Interpretation: Obgleich es sehr unterschiedliche reiterliche Disziplinen gibt - bis hin zum therapeutischen Reiten - stellt das Reiten in seinem Kern eine einzigartige Mensch-Tier-Kommunikation dar, die eine Fülle von außerordentlich differenten, nonverbalen körperlichen und psychischen Prozessen beinhaltet. Das Reiten symbolisiert - verknüpft mit der symbolischen Bedeutung des Pferdes - die Gestaltung, Nutzung, Kontrolle und Förderung der tragenden animalischen Lebensenergien des Unbewussten durch das Bewusstsein mit dem Ziel, ein harmonisches Zusammenspiel zwischen beiden Bereichen zu erreichen. Das mythologische Bild des weisen Kentauren Chiron kann diese Verbindung von animalischen, instinktiven Lebenskräften und schöpferischem Bewusstsein verdeutlichen. Auf der symbolischen Ebene ist die Geschichte des Reitens zu verstehen als der menschheitsgeschichtliche Prozess, den eigenen psychisch-vitalen Energien mit zunehmendem Verständnis für deren Gesetzmäßigkeiten zu begegnen im Bestreben, diese Kräfte zu gestalten und durch ihre Integration das eigene Leben zu erweitern. Wenn in der klassischen Psychoanalyse Freuds das Reiten vor allem als Sinnbild sexueller Aktivitäten verstanden, wird die große Vielfalt des Symbols erheblich eingeschränkt.

Literatur: Standard

Autor: Rafalski, Monika

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