Platz

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Keyword: Platz

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Definition: Der Lebensraum auf der Erde ist begrenzt. Die Menschen müssen sich ihn teilen. Das griech. plateia bedeutet: verfügbarer Raum, freie, unbebaute Fläche in einem bebauten Bereich.

Information: "Platz haben" ist immer bezogen auf ein Wofür: Menschen und Tiere haben ihren jeweiligen Platz in ihrer speziellen Biosphäre auf der Erde. Menschen haben „ihren“ Platz am Tisch, auf dem Sofa oder haben ihren Sessel. Sie sind verletzt, wenn das nicht respektiert wird. Dinge und Tätigkeiten haben ihren Platz in der Wohnung (Kochen, Essen, Schlafen) und im öffentlichen Raum (Spielplatz, Park-, Rast-, Markt-, Fest-, Golf- oder Domplatz). Im Geschäftsverkehr gibt es den Handelsplatz, den Börsenplatz. Es gibt Menschen, die brauchen viel Platz um sich, sie fallen auf und greifen Raum. Es gibt andere Menschen, die verschwinden beinahe vor Unscheinbarkeit. Es gibt Tätigkeiten, die brauchen sehr viel Platz: Militärparaden, Atomtests oder das Beten in den weltweit unzähligen Tempeln, Kirchen und anderen religiösen Stätten.

In zentraler Lage war meist der Platz gelegen, der für die wichtigsten Tätigkeiten in der Gemeinschaft vorgesehen war: der Marktplatz, wo der Austausch von Dingen und Informationen stattfand, wo das Rathaus lag und die Kirche. Bis heute sind Plätze und Straßen die wichtigsten raumstrukturierenden Formen jeder menschlichen Siedlung. Manche sind dauerhaft durch Jahrhunderte und überleben in Stadtgrundrissen verschiedene Kulturen, wie die zahlreichen römischen Plätze in heutigen Städten. Auch Kultstätten in der Natur, an Quellen, Bergen und anderen markanten Stellen überleben als heilige Plätze zum Teil Jahrtausende.

Interpretation: Bei der Begrenztheit des Platzangebots auf der Erde leuchtet ein, dass etwas oder jemand, der viel Platz beansprucht, zugleich Eindruck machen oder Macht ausüben kann. Der Platz ist etwas Wertvolles, was nicht zuletzt an der Größe von Managerbüros oder an Bauplatzpreisen abzulesen ist. Er ist erdbezogen, materiell und gehört ins Assoziationsfeld des Mütterlichen, denn an meinem Platz bin ich zu Hause und fühle mich geborgen.

Für die Menschen früherer Zeiten war die Anlage des öffentlichen Raums und ihr persönlicher Platz darin zugleich eine Aussage darüber, welchen Platz in der Weltordnung sie innehatten, „in der Vorstadt“, der „Gerberau“, „am Rathaus“. Bei Menschen, die heute unter Platzangst leiden, könnte genau darüber spezielle Unsicherheit herrschen. Mit der Benennung verschiedener Funktionen in der räumlichen Zuordnung war jedenfalls eine Ordnung gegeben, die dem Einzelnen Orientierung bieten konnte. Auch zeitliche Orientierung, denn an manchen Plätzen mit Namen von Herrschern, von Daten und Ereignissen fühlt man sich noch heute von der Geschichte umweht (Platz de la Bastille).

Traum: Eine junge Frau von 22 träumt oft davon, in einer Stadt herum zu irren. Sie endet immer im Stadtzentrum an einem historischen Platz mit einer Kathedrale. Bevor sie diese betritt, wacht sie auf.

Die Träumerin steht am Anfang ihres individuellen Lebens und ist dabei, sich von den Eltern und ihrer Erziehung frei zu machen. In der ersten Lebenshälfte besteht die Aufgabe, sich seinen individuellen Platz im öffentlichen Raum zu suchen durch Beruf, Karriere, Status. Der Schauplatz ihres Lebens als kollektiver, öffentlicher Platz ist historisch geprägt, vertritt daher alte, vielleicht rückwärts gewandte Werte. Die Träumerin hat also die Werte ihrer Eltern oder der Gesellschaft zu sehr verinnerlicht. Sie wacht auf, bevor sie die Kathedrale betreten kann, wo sie vielleicht in Bezug zur Transzendenz ihren individuellen Weg finden könnte.

Literatur: Standard

Autor: Friedemann, Monika

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