Numinoses

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Keyword: Numinoses

Links: Archetyp, Libido, Mana, Mysterium, Mystos-Prinzip, Religion, Unbewusstes

Definition: Numinoses (lat. numen: eine leichte, angedeutete Neigung des Kopfes, um einen Willen auszudrücken, ein Kopfnicken etwa, ein Wink mit dem Kopf; im übertragenen Sinn: göttlicher Wille, das Walten des Göttlichen, die wirkende Kraft des göttlichen Wesens) ist eine vom Religionswissenschaftler Rudolf Otto geprägte Bezeichnung für das Heilige, für eine bewegende Erfahrung des Göttlichen.

Information: Rudolf Otto beschreibt 1917 die Erfahrung des Heiligen als eine Erfahrung der Kraft und Ergriffenheit, eine Erfahrung der göttlichen Gewalt und des Ausgeliefertseins, eine Erfahrung des Schreckens, der Nichtigkeit und Ohnmacht. Für diese spezifisch bewegende Erfahrung Gottes bzw. des Heiligen verwendet er den Begriff numinos. Numinoses hat für Otto nichts Menschliches, nichts womit der Mensch sich verwandt erleben könnte, nichts, was dem Menschen in irgendeiner Form bekannt ist, nichts, was er selber erzeugen oder hervorbringen könnte. Wesen des Heiligen oder Numinosen ist ein Gefühl von einer ebenso geheimnisvollen, anziehenden wie fesselnden und überwältigenden Kraft oder Macht, die den Menschen erzittern, erbeben, erschauern lässt, in ihm Ehrfurcht erzeugt (mysterium tremendum) und ihn zugleich verzaubert wie behext, besessen macht, beglückt, verzückt, entrückt, in Ekstase versetzt (mysterium fascinosum).

Interpretation: C. G. Jung verwendet die Begriffe des Numens, des Numinosen, des Numinosums oder der Numinosität wie auch die des Mysterium fascinosum und tremendum in diesem Sinne in seiner Auseinandersetzung mit der Wirkung des Archetypischen und mit der Psychologie der Religionen sowie mit Phänomenen der Suggestibilität, etwa in Massenbewegungen oder in Synchronizitätserfahrungen. Die Begriffe scheinen ihm angemessen ausdrucksstark, um die Dynamik, die Kraft, die´Energie, den archaisch-mythologischen und ergreifenden Charakter mancher Wirkungen des Unbewussten, der Archetypen, des Symbols oder auch der Komplexe zu beschreiben und zu veranschaulichen. Numinosität sei der bewussten Willkür gänzlich entzogen, "denn sie versetzt das Subjekt in den Zustand der Ergriffenheit, das heißt der willenlosen Ergebenheit". (Jung, GW 8, § 383).

Literatur: Standard; Otto (1917).

Autor: Müller, Anette

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