Muschel

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Keyword: Muschel

Links: Bios-Prinzip, Eros-Prinzip, Gefäß, Kostbarkeit, Meer, Sexualität, Wasser

Definition: Etymol. mhd muschel aus lat. Musculus-Miesmuschel, eigentlich "Mäuschen, Muskel"

Information: Die Muschel als im Meer lebendes Tier ist das Attribut von Meeresgottheiten, die dem Mythos nach dem Meer entstiegen sein sollen, so wie Aphrodite, die griech. Göttin der Liebe und Schönheit, ihrer röm. Entsprechung, Venus, die von Botticelli und Tizian dargestellt wurde oder die indische Lakshmi.

Interpretation: Da die Muschel von ihrer Form her dem weiblichen Geschlecht (Vulva, Vagina) ähnelt, gilt sie als Symbol der weiblichen Sexualität, Erotik und Fruchtbarkeit. Frühere, matriarchale Kulturen sahen Muscheln in ihrer Ähnlichkeit zur Yoni als höchstes, heiliges Symbol für das universell Weibliche. Ihr spiritueller Wert wurde gelegentlich ins Materielle übertragen, so wurden sie in Asien und Afrika als Währung benutzt, bei manchen ethnischen Gruppen (z. B. in Brasilien) bis heute zu Orakel- und religiösen Zwecken verwandt. Kaurim. wurden zum Fruchtbarkeitszauber verwandt, man hielt sie für heilsam und regenerierend. Das mittelalterliche Bestiarium erwähnt, dass "die Natur nach göttlichem Gebot die Weichheit des Musche fleisches mit festen Mauern gesichert hat, so dass es im Innern der Schalen wie in einem Schoß geborgen ist".

Das von der Schale umschlossene Zarte, in dem wieder ein sehr Kostbares, die Perle liegen kann, erweitert das Symbol in die geheimnisvolle Dimension der schwer erreichbaren Kostbarkeit.

Die christliche Symbolik betrachtete die Muschelschale als Bild des Grabes, das den Menschen nach dem Tod umschließt, ehe er auferstehen darf. Die Vorstellung der Befruchtung der als zweigeschlechtlich angesehenen Muscheln durch den Tau vom Himmel machte sie auch zum Mariensymbol. Die Kauri-Muschel wurde in China dem Yin zugeordnet und hatte die besondere Bedeutung des im Dunkel Weilenden, Verborgenen. Die Omaha (Nord-Amerika) erblickten in der zweischaligen Muschel die männliche und die weibliche Hälfte des Kosmos, deren Vereinigung das Leben erzeugt. Die Jakobsm. wurde zum Pilgerzeichen speziell der Pilger auf der Wallfahrt nach Santiago de Compostella.

In den Riten der Malekulas ist das zentrale Ungeheuer als negativer Aspekt des Weiblichen u. a. durch eine Riesenmuschel dargestellt, die geöffnet dem weiblichen Geschlecht gleicht und mit ihrem Zuklappen verschlingende Aspekte des Weiblichen symbolisierte.

Wie das Meer ist auch die Muschel dem Symbolkreis des großen Mütterlich/Weiblichen zugehörig, was durch die morphologische Ähnlichkeit mit der Vulva noch unterstützt wird. Die Gleichsetzung mit der Yoni war/ist weit verbreitet. Bis heute ist Muschel ein zärtliches Synonym für den weiblichen Schoß ist, sie ist daher positives Symbol weiblicher Sexualität, Erotik und Fruchtbarkeit. Die Muschel steht in Zusammenhang mit der Gefäßcharakter des großen Mütterlich/Weiblichen in seiner polaren Symbolik: einerseits das Bergens/ Aufnehmens/Haltens, andererseits des Festhaltens/ Zurücknehmens. In matriarch. Kulturen wurde die Muschel in ihrer Ähnlichkeit zum weiblichen Geschlechtsorgen als heiliges archetypisches Symbol für die großen Muttergöttinen angesehen. Die geschlossene Muschel kann den Wunsch nach Rückzug, aber auch weibliche Unberührtheit und fehlende Reife symbolisieren.

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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