Mistel

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Keyword: Mistel

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Definition: Die weissbeerige Mistel (botan. Viscum album) ist ein auf verschiedenen Wirtsbäumen vorkommender Halbschmarotzer. Anders als die meisten Pflanzen ist sie auch im Winter grün.

Information: Die Mistel wird seit der Antike als Heilpflanze verwendet. Sie konzentriert Sonnenlicht und Wasser in sich – und berührt niemals die (unreine) Erde. Von den keltischen Druiden wurde sie daher als heilig verehrt.

Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) soll die Mistel zur Behandlung bei Milzerkrankungen und Regelbeschwerden eingesetzt haben. Plinius berichtete, dass Eichenmisteln hilfreich bei der Behandlung der Epilepsie, der Unfruchtbarkeit und von Geschwüren seien.

Gaius Plinius Secundus (23 - 79 n. Christus) berichtete, dass weissgekleidete Druiden die Mistel in einem eindrucksvollen Zeremoniell am 6. Tag nach Neumond mit einer goldenen Sichel von Eichen schnitten, sie mit einem weissen Tuch auffingen und anschliessend zwei Stiere opferten. Für sie repräsentierte die immergrüne Mistel Unsterblichkeit (oder nicht-vergehendes Leben). Dementsprechend schrieben sie ihr außergewöhnliche Wirkungen zu. Sie soll jegliche Krankheit heilen, fruchtbar machen und „ein Heilmittel gegen alles Gift“ sein.

Die „vom Himmel gefallene“ Mistel wird vor der „Entweihung durch die Erde“ geschützt, indem sie durch ein goldbeschichtetes Messer geschnitten wird und in ein weisses Tuch fällt. Nur so soll sie ihre besonderen Kräfte entfalten können.

Paracelsus (1493 - 1541) empfahl Epileptikern, einen Eichenmistelzweig in ihrer rechten Hand zu tragen. Während des 15. Jahrhunderts wurden Epileptikern Rosenkränze aus Misteln (mistlin paternoster) angeboten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erklärte Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, dass sich die Mistel zur Krebsbehandlung eignen würde.

In den folgenden Jahren wurde die Mistel näher charakterisiert und auf ihre Bedeutung hin intensiv untersucht. Den Wissenschaflern Frederic Vester und Jürgen Nienhaus gelang es 1965, aus der Mistel tumorhemmende Eiweiße zu isolieren. Die Behandlung von Tumorpatienten mit Mistelpräparaten (Iscador, Eurixor, Helixor und Cefalektin) ist in Europa eine der am weitesten verbreiteten Formen der unkonventionellen Tumortherapie.

Mit Mistelzubereitungen kann die körpereigene Abwehr gestärkt, die Lebensqualität verbessert sowie die Nebenwirkungen einer Strahlen- und Chemotherapie gemildert werden. Weitere Anwendung und klinische Bedeutung gibt es in Bezug auf ihre blutdrucksenkende Wirkung.

Interpretation: In Europa und Nordamerika wurde sie zum Ende des 20. Jahrhunderts wieder populär durch den Brauch des Küssens unter dem Mistelzweig zur Weihnachtszeit. Hier findet sich die Bedeutung der Mistel als Glücks- Heil- und Fruchtbarkeitssymbol.

Einräuchern von Häusern, Ställen, Tieren und Menschen mit Misteln sollte vor Blitzschlag, Verhexung und Albträumen schützen. Das Verbrennen der Mistel könne sinnbildlich die „gespeicherten Elementarkräfte des Lichtes “ freisetzen. Bis in die heutige Zeit ist die immergrüne Mistel Symbol der Fruchtbarkeit und des Glückes geblieben.

Literatur: Standard

Autor: Schäfer, Veronika

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