Maus

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Keyword: Maus

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Definition: Die Maus (lat. musculus, Verkleinerungsform von mus, Muskel) gehört zur artenreiche Familie der Nagetiere mit weltweiter Verbreitung. Sie hat eine spitze Schnauze, nackte Ohren und einen nackten langen Schwanz, lebt (als Schädling) in menschlichen Behausungen, auf Feldern und in Wäldern. Gibt raschelnde, piepsende, pfeifende, quiekende Geräusche von sich. Im Alltagsbewusstsein hat sich "mausen" als Ausdruck für stibitzen erhalten. Das Wort leitet sich vom indogermanischen "mush" d. h. stehlen ab. Maus bzw. Mausi gilt als ein gebräuchlicher Kosenamen für eine Frau, vielleicht um eine kleine, zierliche Gestalt oder ein scheues, ängstliches Wesen auszudrücken.

Information: Die instinktive, bis ins Ekelhafte gehende Furcht vor Mäusen hängt vermutlich mit einigen Eigenschaften zusammen, die der Mensch schon seit Urzeiten als bedrohlich empfunden hat und die sich auch bei anderen Phobien finden (Schlange, Spinne): Sie machen Geräusche, deren Ursache man nicht sehen kann (Geister, Dämonen), sie können plötzlich auftauchen und lösen dadurch Schreckreaktionen aus, die Bewegungen sind schnell, leise oder lautlos, unvorhersehbar und schwer kontrollierbar, ihr Anblick löst Ekel aus und erinnert an Schmutz und Verwesung.

Insbesondere Frauen habe oft eine ausgeprägte Angst vor Mäusen. Die instinktive Furcht ist dabei, die Maus könnte die Beine hochlaufen und in Körperöffnungen hineinkriechen.

Mäuse stehen als chtonische Tiere in einem deutlichen Bezug zum Tod. Sie werden als unheimliche totbringende Boten mythisch mit Apollo in Beziehung gebracht. So verehren die alten Griechen Apollo smyntheus, d. h. den Mäuseapollo. Sie hielten und pflegten unter dem Hauptaltar seines Tempels Mäuse, wohl im Sinne eines apotropäischen Zaubers. Man weiß, dass Apollo nicht nur ein Licht- sondern auch ein Todesgott ist. Seine Pfeile können die Pest bringen, eine Krankheit, die ja von Nagern wie Mäuse und Ratten verbreitet wird. So sind Mäuse nicht nur Bringer des Todes, sie können zugleich auch als Rachegeister auftreten. Es gab Mäuseepidemieen, in denen sich die Tiere so sehr vermehrten, dass siealle Getreidevorräte vertilgten und ganze Landstriche durch Hunger und Krankheit dezimierten. Insofern etwa Misswirtschaftund Habgier grausamer Potentaten den Tod ihrer Untertanen mitverschuldeten, verwandeln sich die Seelen der durch Hunger Hingerafften in Mäuse. Diese wenden sich nun sofort gegen ihre früheren Peiniger (Fürsten und Bischöfe), um sie erbarmungslos auch über Wasser zu verfolgen und zuletzt in dem Wasserturm aufzufressen. So soll es Popiel dem Polenfursten in Kruschwitzbei Gnesen, so dem Bischof von Mainz im Mäuseturm bei Bingen ergangen sein.

Die graue Farbe der Maus ist eine Geisterfarbe. Mäuse begleiten als Geisttiere Wotan in seinem wilden Zug. Gelegentlich soll Wotan die Gestalt einer Maus angenommen haben. So kann auch im scheinbar Kleinsten, sich Allergrößtes verbergen. Das gilt auch für den Göttervater Zeus, der sich ebenfalls in eine Maus zu verwandeln vermag. Mäuse, die aus den Gräbern Verstorbener hervorkrochen, galten in der Antike als Geister der Verstorbenen. Sie wurden geschützt und gefüttert.

Bei den Germanen ist die Maus vor allem ein Seelentier. Sie verläßt den Schlafenden durch den Mund, wandert in der Welt umher und huscht im Augenblick des Erwachens auf dem gleichen Wege wieder in den Körper des Menschen zurück. Kehrt die Seele nicht in den Körper des Schlafenden zurück, so stirbt der Mensch. Den Mäusen pfeifen heißt: die Seelen ins Jenseits locken.

Wie durchschnittlich klein ein Vorgang im Alltagsgeschehen immer sein mag, er kann mythisch unterbewusst zum Beispiel in der Welt der Träume eine fantastische Überhöhung erfahren. Eine niedersächsische Sage berichtet: Einst hüteten mehrere Hirten auf dem Pfingstanger ihre Pferde. Als einer von ihnen einschläft, bemerken die andern, wie ein schattenartiges Wesen in Gestalt einer Maus aus dem Mund des Schläfers hervorkriecht. Sie huscht in einen Schädel, der dort lag. Die Schattenmaus schaut bald durch die Nasenlöcher, bald durch die Augenhöhlen, bald sonstwo durch ein Loch im Schädel. Endlich kehrt die Maus in den Körper des Schläfers zurück. Als der Junge erwacht, erzählt er, dass er einen merkwürdigen Traum gehabt hätte. Er hätte geträumt, er sei in einem prächtigen Schloss gewesen und habe zu allen Fenstern herausgeschaut.

Interpretation: Allgemein steht die Maus mit dunklen, bedrohlichen, unheimlichen Aspekten des Menschen in Beziehung. Sie verkörpert oft beunruhigende psychische Inhalte, die vor allem nachts quälend in Erscheinung treten kann. Mäuse können u. a. nagende, plagende Fantasien, Gedanken, Gefühle und Gewissensbisse versinnbildlichen, die die Betreffenden wie böse Geister überfallen und heimsuchen.

Die Maus steht in enger Beziehung zum "Unteren", zur Fruchtbarkeit (eine Maus wirft bis zu 30 Junge im Jahr), zur Sexualität (Phallus), zum Tod und zum Teufel. Die Maus hat hier eine bedrohliche phallische Symbolik, sie kann aber auch für die weibliche Scham stehen.

Literatur: Standard

Autor: Zielen, Viktor

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