Malen

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Keyword: Malen

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Definition: Malen bedeutet mhd. mit einem Mal, einem Zeichen versehen, im Geist entwerfen, färben. Malen ist also eine Zeichensprache meist farbiger Natur, die einen geistigen Akt voraussetzt.

Information: Keine

Interpretation: Im tiefenpsychologisch–therapeutischen Raum wird das Ergebnis des Malprozesses, das Bild, als Symbol aufgefasst, da nicht die äußere Erscheinungwelt dargestellt wird, sondern innerpsychische, meist unbewusste Vorgänge. Diese Weise des Malens ist eine Form der von C. G. Jung beschriebenen Aktiven Imagination, in der sich unbewusste dynamische Vorgänge in symbolischer Gestalt visualisieren. Dabei versucht der Malende, bewusste Kriterien, z. B. Ansprüche an Ästhetik und malerisches Können zurückzustellen und ein Bild entstehen zu lassen, in dem sich über unbewusst gesteuerte Körperimpulse und Farbgebung emotionale und affektive Regungen symbolisieren.

H. Hesse gibt in seinem Roman "Demian" eine sehr treffende Schilderung dieser Form zu gestalten. Der Ich-Erzähler setzt sein Bedürfnis ein Bild zu malen in die Tat um und beginnt mit der bewussten Vorgabe, das Gesicht eines Mädchens abzubilden, das ihn fasziniert. Dies gelingt ihm aber nicht, denn "ein Gesicht zu malen war schwer". Je mehr er sich das Gesicht des Mädchens vorzustellen versucht, desto mehr entzieht es sich ihm. Schließlich "machte ich [...] fast bewusstlos ein Gesicht fertig [...] Es war etwas anderes, etwas Unwirkliches [...] " Endlich gestaltet er ein Bild, das äußerlich weder dem Mädchen, noch ihm selbst gleicht, aber "es war das, was mein Leben ausmachte, [...] mein Inneres, mein Schicksal [...] ". Es ist wie ein Spiegel seiner selbst.

C. G. Jung hat die Bedeutung des Malens als eine Form der aktiven Imagination in seinem Werk mehrfach betont. Er spricht davon, dass die Betätigung mit Farbe und Pinsel das Unbewusste anregt, die psychische Energie in Fluss bringt und so den psychischen Prozess intensiviert. Dies zeigt auch das Beispiel einer ca. 30-jährigen emotional gehemmten Patientin, die noch nie gemalt hat. Sie träumt, sie male ein Bild ganz in roter Farbe. Sie greift die Anregung des Traumes auf und beginnt zu malen. Es entsteht als erstes Bild eine Frau, die in Flammen steht. Es zeigt anschaulich das intensive emotionale Affiziertsein der Pat. Anhand einer ganzen Serie von darauf folgenden Bildern kann ihre unbewusste sexuelle Problematik teilweise aufgearbeitet werden; sie wird freier und lebendiger.

Literatur: Standard

Autor: Daniel, Rosmarie

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