Lilie

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Keyword: Lilie

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Definition: Botanisch gehört die Lilie als ein Zwiebelgewächs (Schuppenzwiebel) zu den Monokotyledonen. Die Zwiebel kann sich aus sich selbst heraus erneuern und auch vermehren.

Information: Lilien bilden Wurzeln, aber sie wurzeln nicht so fest in der Erde, können leicht herausgenommen, gelagert (möglich durch ihr gespeichertes Wasser) und neu eingepflanzt werden. Sie ist ein "wässeriges Organ" und weist noch keine mineralisierenden, verhärtenden Tendenzen auf, alles Eigenschaften, die die "Jungfräulichkeit" der Lilie unterstreichen. Der Blüte liegt die Gesetzmäßigkeit des Sechsstern zugrunde wie bei allen Zwiebelgewächsen (s. Narzisse), doch hat die Lilie ein regelmäßiges Hexagramm, während die Schwertlilie, die oft mit ihr gleichgesetzt wird, drei Blütenblätter herabgeklappt hat (und sie somit der heraldischen Lilie eher als Vorbild diente). Der pers. Name "Shushan" (die Hauptstadt Susa erhielt von ihr den Namen) kam über das Ägyptische zu den Juden und ist im Namen der "keuschen Susanne" enthalten.

Interpretation: Wohl jeder sieht, wenn er den Begriff Lilie hört, die weiße Lilie vor sich, die vermutlich dem Wappenzeichen der Bourbonen zugrunde liegt und die der Erzengel Gabriel in vielen Verkündigungsszenen in seiner Hand hält. Die Lilie, die angeblich wegen dieser Darstellung zum Sinnbild für die Reinheit Marias wurde, wird erst in der mittelalterlichen Ikonographie so verwendet. In den ersten Jahrhunderten der christlichen Aera wird die Lilie mit Christus identifiziert. Auch bei den germanischen Völkern (Goten, Langobarden, Angelsachsen) ist sie ebenfalls Attribut Christi und Symbol der Erlösung und Reinheit.

Was das Wappen der Bourbonen betrifft, so tritt es schon in der Ornamentik der Ägypter auf, wo die Lilie Zeichen für die königliche Würde u. das Wappen für Oberägypten wurde.

Die Reinheit, Unschuld im Weiß der Lilie (im Gegensatz zum erotischen Rot der Rose) ließ diese Blume der Geburt auch eine Todesblume werden. So ist verständlich, dass die Lilie sowohl zur Geburt und Hochzeit, als auch zur Beisetzung verwendet wurde. Auch in China wird die Lilie einer jungen Frau zur Heirat geschenkt und zwar, weil sie als "Sohnbringer" gilt. Aufgrund einer Legende (dass aus jedem Schritt einer besonders schönen Frau Lilien aufblühten) soll die alte Sitte der Fußverkrüppelung eingeführt worden sein. Der künstlich verkleinerte Frauenfuß hieß "goldene Lilie".

In Ägypten wurde sie früher wohl wegen ihrer frühen Blüte und weiten Verbreitung ein Symbol der Wiedergeburt, womit auch die Schwertlilie gemeint sein könnte. Vom ägyptischen Lilienprinzen wird erzählt, dass er als Tribut vom besiegten Syrien Lilienzwiebeln (gelbe Schwertlilie) forderte. Die Schwertlilie ist ein Irisgewächs (mit Iris wird allerdings im deutschen Sprachgebrauch die zartere, dunkelblaue Variante bezeichnet). Sie ist kein echtes Zwiebelgewächs, sondern hat ein zu einem Rhizom verdicktes Wurzelteil. In ihrem ägyptischen Namen ist der Stamm nar-enthalten, der ebenfalls im Namen der Narzisse vorkommt. Auch im Griechischen wurde mit Narzisse ursprünglich die Iris bezeichnet. Außerdem tragen die Götterbotin und der Regenbogen diesen Namen. Wegen ihrer Vielfarbigkeit erhielt die Iris im menschlichen Auge auch ihren Namen.

Im Griechischen war die Vorstellung lebendig, dass die Milch der Hera, als sie Herakles nähren wollte, übermäßig quoll und ein Teil davon sich über den Himmel ergoss und die Milchstraße entstehen ließ. Ein anderer Teil tropfte auf die Erde, woraus Lilien wuchsen.

In der Vorstellung der Römer hatte Venus aus Eifersucht ein besonders schönes Mädchen in eine Lilie verwandelt. Im 13. Jh. wurde in ganz Europa die Legende von Flor und Blancheflor erzählt, den Großeltern Karls d. Gr. Die Handlung, wie sie ihre Blumen (rote Rose und weiße Lilie) einander schenkten, erinnert an alchemistische Überlieferungen (Alchemie), in denen eine weiße und rote Lilie das göttliche Paar darstellen, das sich im Hieros gamos verbindet. Ansonsten bedeutet "Lilium" den Mercurius, die Quintessenz, das höchste, das in der menschlichen Meditation überhaupt erreicht werden kann. Wir sehen, dass die Lilie somit Anfang und Ende, aber auch den Prozess der Bewusstwerdung als solchen symbolisieren kann. Aus dem unbewussten Unschuldszustand wird im Individuationsprozess wieder der Unschuldszustand erreicht, nun aber bewusst. In diesem Sinne habe ich meistens - wenn nicht generelle Assoziationen geäußert wurden - die Lilie in Träumen gedeutet oder - wo sie mir noch häufiger begegnete - in Zeichnungen und Bildern (stilisierte Ornamente). Wichtig scheint auch die Dreizahl (Drei) der stilisierten Blüte, die von manchen Autoren als Hinweis auf die drei Mondphasen gedeutet wird, und damit auf die drei Schicksalsgöttinnen hinweist. Von anderen wird sie als Bild der christlichen Dreifaltigkeit gesehen. In Märchen werden häufig Menschen in Lilieverwandelt, z. B. in "Die zwölf Brüder", was einerseits die Erlösung aus dem Tod bedeuten kann oder die Erlösung aus einem Unschuldszustand zum Leben.

Literatur: Standard

Autor: Thomas, Helga

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