Leier

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Keyword: Leier

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Definition: Die Leier (von griech. lyra, Laute, Harfe) ist ein altgriechisches, der Kithara ähnliches Saiteninstrument mit fünf bis sieben Saiten.

Information: Die Leier gilt in der griechischen Mythologie als erstes Musikinstrument. Hermes soll sie geschaffen haben. Als neugeborenes (göttliches) Kind bohrte er Löcher in einen Schildkrötenpanzer, durch den er Darmsaiten von Rindern zog, die er soeben dem Apollon gestohlen hatte. Um den Bestohlenen zu beschwichtigen, schenkte er ihm das Instrument. Durch Zeus kam die Leier an Orpheus, der darauf so zaubermächtig zu spielen verstand, dass sogar die wilden Tiere von den Klängen besänftigt wurden. Nach dem Tod von Orpheus setzte Zeus auf Fürsprache von Apollon und der Musen die Leier als Sternbild an den nächtlichen HimmeLeier Außer von Apollon und Orpheus ist die Leier Attribut von Aiolos (Wind), Harmonia und der Muse Erato (Liebesdichtung). Sie verkörpert die Zahlenharmonie des Universums. Die sieben Saiten des Heptachords symbolisieren die Klangharmonie (Ton, Klang) der Planetensphären, die vier Saiten des Tetrachords die der vier Elemente. In der jüdischen Überlieferung ist es David, der durch die Kraft der Musik (Gesang und Harfenspiel) böse Mächte besiegt: " [...] so nahm David die Harfe und spielte [...] und Saul fand Erleichterung [...] und der böse Geist wich von ihm."

Das Spiel des Saiteninstruments diente auch dem Lobe Gottes z. B. im 33. Psalm: "Preiset den Herrn mit der Laute, spielt ihm auf zehnsaitiger Harfe."

In der Antike wurde die Dichtung zur Lyra gesungen vorgetragen. Lied und Gedicht haben also in dieser ihre gemeinsame Wurzel.

Seit dem 18. Jahrh. werden poetische Texte als Lyrik bezeichnet, als eine der drei Gattungen der Dichtkunst (Epik, Dramatik, Lyrik). Viele Dichter haben die Leier besungen, u. a. Th. Körner ("Der Sänger hob der Leier goldne Saiten [...] " und Schiller ("Die Kraniche des Ibykus"). Geradezu kongenial mit dem göttlichen Sänger Orpheus mit der Leier aber ist R. M. Rilke in seinen Sonetten an Orpheus: "Ein Gott vermags. Wie aber, sag mir, soll / ein Mann ihm folgen durch die schmale Leier? / [...] In Wahrheit singen, ist [...] / Ein Hauch um Nichts, Ein Wehn im Gott. Ein Wind."

Sprachliche Formulierungen wie "herunterleiern", "ausgeleiert" usw. gehen auf die Mechanisierung der Leier durch Rad und Kurbel zurück (Leierkasten).

Interpretation: Das Symbol der Leier in Träumen und unbewussten Gestaltungen wird in der analyt. Psychologie als psychische Harmonisierung und als lebendig Werden ("Anklingen", Schwingung) von Emotionen verstanden. Es führt in den geistigen und religiösen Erlebnisbereich, der am ehesten in künstlerischer Gestaltung, eben in "Lyrik" oder in der Musik seinen adäquaten Ausdruck findet. So zeigt z. B. das aus dem Unbewussten gestaltete Bild einer Frau, in deren Freundeskreis eine junge Frau im Sterben lag, über einem dunklen, erdfarbenen Gräberfeld ein Himmel und Erde umfassendes und von zwei großen Augen flankiertes Heptachord. Für die Malerin ging von dem Bild, das sie aus ihrer aktuellen inneren Situation heraus gestaltet hatte, eine große Beruhigung aus, die ihre Auflehnung gegen das Sterben milderte. Sie konnte Sterben und Tod als Teil einer umfassenden (göttlichen) Harmonie erfahren.

Literatur: Standard

Autor: Daniel, Rosmarie

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