Leiche

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Keyword: Leiche

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Definition: Ein verstorbenen Mensch wird bis zur Bestattung als Leiche bezeichnet.

Information: In der des Übergangs zwischen Tod und Beerdigung wird dem Leichnam oft noch eine gewisse Lebendigkeit zugesprochen, es gibt den Begriff der "Lebende Leichnam". Nach dem Volksglauben ist der Tote nicht sofort tot. Er kann noch hören, sieht noch, und bewegt sich noch. Entsprechend einfühlsam hat der Umgang mit einer Leiche zu sein.

Dass auch ein Toter, eine Leiche, der Fürsorge wert ist und sie braucht, zeigt sich in der Rechtssprechung. Die „Störung der Totenruhe“ ist der Rechtsbegriff für die Leichenschändung. Die Nekrophilie (von griechisch nekros=Toter, Leiche, und philia=Zuneigung) bezeichnet einen Sexualtrieb, der auf Leichen gerichtet ist, und ist in Deutschland strafbar. Das Bedürfnis, den Toten zu schützen, eine „scheene Leich“ sein zu wollen oder haben zu wollen, wird z. B. im „Münchener Begräbnisverein“ bereits seit 1871 gepflegt. Über einen Mitgliedsbeitrag sicherten sich auch arme Menschen ein schönes Begräbnis. Dazu gehörte damals ein schwarzes Bahrtuch mit silbernen Borten, Kerzenträger, eine Fahne samt Träger und ein Vorbeter, sowie Seelenmesse, Todesanzeige und die „Seelnonne“ (Leichenfrau). Der Münchener Begräbnisverein trägt bis heute das ideellle Anliegen und das Totengedenken weiter.

Eine Leiche vom Ort des Sterbens zum Ort der Bestattung zu bringen, nennt man, sie "wurde übergeführt".

Hier wird noch einmal die Übergangsphase deutlich, die dem Begriff des Leichnams zu eigen ist.

Der Gedanke des Übergangs des Toten von des Leiche zur Verwesung im Grab oder wie in jüngerer Zeit immer üblicher zur Verbrennung, ist kulturell vom christlichen Denken geprägt. In der ägyptischen Kultur wurde die Leiche und der Tote solange wie möglich durch die Mumifizierung erhalten. „Normal“ ist im Konzept der alten Ägypter der Erhalt des Körpers, „unnormal“ wurde dessen Zerfall und Zerstörung empfunden.

Interpretation: Im psychotherapeutischen Kontext werden Redensarten mit dem Begriff der Leiche relativ häufig benutzt. Es wird von der "Leiche im Keller" gesprochen, und gemeint sind Geheimnisse, Handlungen und Belastungen aus der Vergangenheit, sei es als Täter oder als Opfer. Das geheime Geschehen, das als Leiche bezeichnet wird, bleibt in einem Übergangsstadium stecken, sodass es nicht wirklich zu einer Beerdigung, sprich Lösung und Verabschiedung des Konfliktes kommen kann. Eine andere Redensart ist, dass sich jemand fühlt, wie eine wandelnde Leiche. Ein Zustand von extremer Blässe und elendem Aussehen wird so bezeichnet, verbunden oft mit einem Zustand seelischer Leere und Depression.

Literatur: Standard

Autor: Leibig, Margarete

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