Kruzifix

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Keyword: Kruzifix

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Definition: der Begriff Kruzifix stammt aus dem Lateinischen (cruci fixus) und bedeutet: „ans Kreuz geheftet“. Es handelt sich um die meist dreidimensionale künstlerische Darstellung des gekreuzigten Christus. Im Gegensatz zum schlichten Kreuz ist auch der Leib Christi am Kreuz dargestellt.

Information: Die ersten meist plastischen Darstellungen Jesu am Kreuz zeigen ihn als Sieger und Überwinder des Todes (Christus triumphans). Der triumphierende Christus, wie er auf Kruzifixen und den großen Triumphkreuzen der Romanik zu finden ist, ist aufrecht stehend ans Kreuz „geheftet“. Er lebt und hat meist die Augen geöffnet, trägt oft eine Krone oder Gloriole und in einigen Fällen sogar Schuhe. Die Füße stehen nebeneinander - mitunter auf einem kleinen Sockel - und sind einzeln ans Kreuz genagelt. Man spricht vom sogenannten Viernageltyp.

TympanonSG.png

Foto: Tympanon des Westportals der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd, ca. 1220


In der Gotik wird aus dem Christus triumphans der leidende Christus. Dieser Christus steht nicht aufrecht, sondern hängt mit schmerzverzerrtem, erschlafftem Körper am Kreuz. Es ist ein sterbender oder bereits verstorbener Christus. Aus der Krone wird die Dornenkrone und die Füße sind übereinander gelegt und mit nur einem Nagel ans Kreuz genagelt (Dreinageltyp).


Interpretation: Die Darstellung des triumphierenden Christus hat eine große Symbolkraft durch die paradoxe Botschaft: am Kreuz gestorben, aber gleichzeitig doch der Überwinder des Todes.

Joseph Campbell schreibt in seinem Buch "Die Mitte ist überall": "Es gibt eine Form der Kreuzigung, die der "siegreiche" Christus genannt wird. Die Gestalt des Erlösers wird nicht gebrochen, blutend, nackt, mit dem zur Seite gesunkenen Kopf dargestellt, sondern mit erhobenem Haupt, offenen Augen, bekleidetem Körper und ausgebreiteten Armen, als sei er freiwillig "so gekommen" (tathagata), genau als Bild eines Bodhisattva, in dem sich die Qual der Zeit und die Verzückung der Ewigkeit als ein und das selbe erweisen."

Bei C. G. Jung findet man folgenden Satz: „ Die Vier dagegen entspricht der ewigen Ganzheit. .....Dieses Symbol scheint darauf hinzuweisen – was ich hier nur als Anmerkung beifügen möchte - , dass die Ausgespanntheit im Raume, eben die Kreuzstellung, einesteils ein Leiden der Gottheit (am Kreuze), anderenteils eine Beherrschung des Weltraumes bedeutet.“ (Grundwerk C.G. Jung, Band 4, Menschenbild und Gottesbild)

Die späteren Kruzifixe sollen wohl symbolisch vor allem auf eine jenseitige Erlösung aller Menschen hinweisen, für die Christus gelitten hat und gestorben ist.

Wenn man Christus tiefenpsychologisch als Symbol für das Selbst betrachtet, dann erscheint das Kruzifix mit dem leidenden Jesus, das ja nicht nur in den Kirchen anzutreffen ist, sondern seinen Weg in Schulen, Krankenhäuser und private Wohnzimmer gefunden hat, als Zeichen einer dogmatischen Kirche, die ihren Mitgliedern die Gestaltung ihrer ureigenen Beziehung vom Ich zum Selbst vorschreiben möchte; einer Kirche, die "festgenagelt" hat, wie und was das Selbst ist und wie der Mensch damit umzugehen hat.

Man kann aber das Selbst nicht "festnageln"! Erich Neumann schreibt: "Denn das Selbst als in der Mitte jeder Psyche wirkendes Göttliches verwendet die Urbilder im schöpferischen Prozess, ohne an sie gebunden zu sein. Denn wäre das Selbst gebunden, so wäre die Psyche übersehbar, wären ihre Gesetze erkennbar, und weder die Psyche noch das Selbst wären schöpferisch. Gerade weil aber in jedem Einzelnen das Göttliche lebt, ist auch das Unvoraussehbare des schöpferischen Wunders überall möglich." (Erich Neumann, Der schöpferische Mensch)

Literatur: Standard, wikipedia

Autor: Ernst, Christine

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