Kot

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Keyword: Kot

Links: Anal, After, Schlamm, Sumpf, Stall

Definition: Ausgeschiedenes Verdauungsprodukt, bestehend aus Wasser, Darmbakterien, abgelösten Zellen der Darmschleimhaut, Sekreten der Verdauungsdrüsen, nicht resorbierten Nahrungsschlacken sowie Gärungs- und Fäulnisprodukten, die den typischen Kotgeruch ausmachen. Die Farbe ist durch die Abbauprodukte der Gallenfarbstoffe bedingt.

Information: Etymologisch: von Frühneuhochdt.: Kat, Quat, Altind.: gutha- Kot, Exkrement, Ruß. Govno - Mist, Dreck. Anales Ausscheidungsprodukt.

Im Umgangssprachlichen werden viele Begriffe wie u. a."Stuhl", "Haufen", "Shit", "Scheiße", "scheißen", letzteres mit aggressiver Betonung benützt. Wie vom Ausscheidungsprodukt und -Vorgang selbst wird auch vom damit verbundenen Ort (Toilette) häufig geträumt. In Mythen gehört Kot oft zum schlammigen oder sumpfigen Bereich (Schlamm, Sumpf, Stall) der Unterwelt, z. B. der ägyptischen Unterwelt, in der die Toten mit dem Kopf nach unten an der Decke entlanglaufen, so dass ihr Darminhalt ihnen zum Kopf heraus quillt. Aber auch das Labyrinth des Darms und der Eingeweide wurde im Altertum oft mit dem schmutzigen Bereich der Unterwelt verglichen (Hillmann, J. 1979 S. 169)

"Auf etwas scheißen" - etwas gründlich verachten, als erledigt ansehen."Das ist alles Scheiße! ":, bedeutet, dass alles nichts taugt, eine schwierige, höchst unangenehme Lage."Etwas ist beschissen" - es ist äußerst schlecht, unangenehm, kaum erträglich; französisch "C'est de la merde". Im Volksglauben gibt es die Mär: Wenn man das ganze Jahr hindurch Geld haben wolle, müsse man an Karfreitag Linsen essen, die, da schwer verdaulich als "Münzen" ausgeschieden würden, - so werde man zum Geldscheißer."Dukaten scheißen können": immer Geld und Überfluss haben. Im Märchen, "Tischlein, deck dich" (KHM Grimm 36), scheißt der Goldesel Dukaten, in Bechsteins Märchen "Das Dukatenangele" bereichert eine magische Puppe ihre Heldin mit Goldstücken, während sie die missgünstige Nachbarin mit Kot "beglückt". Im Bilderbuch "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" (Wuppertal 1997) wird die anale Dynamik Macht und Ohnmacht auf humorvolle Weise dargestellt.

Interpretation: Der Kot gehört aus der Sicht E. Neumanns aus matriarchaler Sichtweise zum wesentlichen Symbol des Nahrungs-Uroboros (Uroboros) als Austausch zwischen Körper und Welt: aus dem wohlriechenden Essen wird Fäces, das der Erde und dem Kreislauf des Lebendigen zurückgegeben wird. Der in die Erde vergrabene Kot fördert als Dünger (Mist des Viehs) das Wachstum. Aus dem verfallenen und stinkenden entsteht das Wiedergeborene, das neue Leben. Die Kotausscheidung als schöpferischer Vorgang, als archetypisches Bild spiegelt sich in vielen Mythen, in denen aus dem mit dem Erdhaften verbundenem Kot neues Leben entsteht: So können nicht nur Pflanzen, insbesondere Knollengewächse daraus wachsen, sondern in Japan auch die Götter. Die ersten Menschen wurden in Schöpfungsmythen (Schöpfung) oft aus Kot ähnlichem, Ton oder Lehm gemacht. (Anale Thematik). Die Kotabgabe kann einerseits als Geburt, als Schaffung eines Produktes, bei Kindern als erste Stufe der bildnerischen Gestaltung erlebt werden, andererseits als Verlust, als Kastration erfahren werden, wenn im Rahmen der Sauberkeitserziehung Kinder zur Abgabe ihres Kotes vor Erreichen ihrer "natürlichen Eigenzeit" gezwungen werden. Wie für Naturvölker gehören für das Kind die Ausscheidungen zur Ganzheit des Körpers, die mit "magischer" Zauber- und Seelenkraft geladen sind. In Mythen, Märchen und der Alchemie besteht zwischen Kot und Gold eine innige Beziehung: das äußerst Wertlose gesellt sich zum äußerst Wertvollen. Die Alchemisten suchten unter anderem im Kot ihre prima materia, aus welcher der Stein der Weisen hervorgehen sollte. Im Mittelalter wurden Narren (Narr), wegen ihres unbekümmerten Umgangs mit fäkalen Vorgängen (After) und ihrer übermächtigen sexuellen Begierden als Blendwerk des Teufels erlebt, was auch als Protest gegen die Obrigkeit gemeint war. Neben lustvoll/ sinnlichem ist beim Umgang mit der Ausscheidung (Kot, Furz) auch von deutlich aggressiven Impulsen (u. a. Selbstbestimmung, Trotz, Verweigerung) auszugehen: der Körper stößt aus, lässt ab, was er nicht mehr braucht, er reinigt sich selbst, darüber geschieht eine Erleichterung. Das Symboltier, das in unserem Kulturkreis am meisten mit dem Bereich der unteren Ausscheidungen in Verbindung gebracht wird, ist das Schwein. Hillmann weist noch auf Labyrinth des Darm.

Kot gehört zum positiven Pol des Symbolkreis des Bios mit seiner erdhaften Symbolik des Wachstums und Lebens und als wesentlicher Bestandteil des Nahrungsuroboros. Der Kot als "Urmaterial", dem Lehm oder Ton ähnlich, führt in den Bereich des Schöpferischen (Schöpfungsmythen) und gilt ontogenetisch als 1. Stufe des Schaffens und Kreativwerdens, deshalb auch als "Geschenk", was der Mutter durch die Kotabgabe gemacht wird. Träume von Kot sind nach Hillmann als Initiation in die Unterwelt des Unbewussten zu verstehen, können aber auch auf eine problematisch verlaufene anale Phase hinweisen, die bei übertriebener elterlicher Strenge als Liebesverlust und Überforderung wurde. Träume von Kot können in der Übersetzung von Geld und Besitz, als Polarität im Konflikt zwischen Festhalten/Besitzenwollen und Hergeben/ Freigiebigkeit verstanden werden, beinhalten aber auch als prima materia Aspekte des eigenen Potentials (Selbst) des Träumers, das erst noch entdeckt oder differenziert werden muss. Die Tätigkeiten von Scheißen und Furzen auch in Träumen (After) müssen als Ausdruck von Aggressivität und Selbstbestimmung verstanden werden (Nein- Sagen, Trotz, Verweigerung, Protest, "Luft ablassen"), oft noch nicht als offene Aggression nach vorne, sondern "hintenherum" (die Begriffe "hinterfotzig", "stänkern" verdeutlichen dies). Der Kothaufen, der häufig in Träumen entschieden und ganz selbstverständlich "gesetzt" wird, beinhaltet als wesentlicher Aspekt die Selbstbehauptung, als "Markierung", Denkmal oder Erinnerungszeichen der Anwesenheit und eigenen Existenz, seit grauer Urzeit wurde er vermutlich durch die unvergänglichere Variante des Steinmännchens ersetzt. (vergl. Jung GW., Bd. 5, § 279)

Ein Jugendlicher schildert einen sehr eindrucksvollen Traum: "Vor Beginn einer festlichen Veranstaltung, die ich mit meinem Bruder besuche, verspüre ich ein dringendes Bedürfnis für ein großes Geschäft. Da die Eingänge im Saal schon geschlossen sind, kommen wir zum Schluss, dass ich es direkt vor den Stühlen sofort machen soll, man kann das Ergebnis ja in der Pause wegräumen. Ganz wohl ist mir nicht dabei: "Das macht man doch nicht. Der halbe Saal sieht Dir zu!". Aber was bleibt mir übrig. Ich lasse die Hose herunter, drehe dem Publikum hinter unserer Sitzreihe den Hintern zu, ja recke ihn geradezu heraus und beginne zu scheißen. Mir ist immer noch nicht ganz wohl. Einerseits schäme ich mich, andererseits: "Was sein muss, muss sein!" Aber es bleibt nicht beim einfachen "Haufen-machen", mir spritzen die Kotbrocken nur so um die Ohren. Ich sammle sie ohne Ekelgefühle mit den Händen auf und lege sie auf einen Haufen. Eine Art trotzige Übermütigkeit überkommt mich: "Sollen sie doch denken, was sie wollen!" Ich matsche so richtig mit den Kotbrocken herum und es stinkt. Mein Bruder rümpft die Nase, sagt aber nichts. Ich setze mich wieder hin, als ob nichts gewesen wäre. Das Ergebnis meiner Erleichterung thront unübersehbar vor uns. Die Veranstaltung beginnt."

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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