Kosmos

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Keyword: Kosmos

Links: Astrologie, Chaos, Himmel, Logos-Prinzip, Tempel, Weltachse

Definition: Der Begriff Kosmos (griech. kósmos: Ordnung, Schmuck, dann Weltall, Weltordnung) bezeichnet physikalisch-astronomisch das Weltall oder den -raum, das Universum mit allen existierenden Objekten und Systemen, die Gesamtheit der Himmelskörper und den sie umgebenden Raum.

Information: Naturphilosophisch, mythologisch, religiös, mystisch verwendet steht Kosmos für die geheimnisvolle Dimension und Struktur des Weltganzen, des Weltgebäudes mit seinen Ur-Sachen und Zielen. Der menschliche Organismus und die Menschenwelt spiegeln den großen Organismus des Universums. Gebäude, vor allem Tempel können als Versuch der mikrokosmischen Nachbildung des Makrokosmos interpretiert werden. Stoa, Mystik, Naturphilosophien, Alchemie wissen: "Wie im Himmel, also auch auf Erden", heißt es im Vater unser und "Wie oben so unten" auf der tabula smaragdina, einem alchemistischen Grundtext.

Interpretation: Der Begriff Kosmos ist Gegenbegriff zum Chaos oder tohu wa bohu des Anfangs, der Nacht, der Elemente, aus dem durch die Schöpfung eine geordnete Welt entstand. Der vollkommene Mensch, der Urmensch, Anthropos oder Christus können das Weltall oder den Kosmos abbilden. Vermutlich sprach Pythagoras zuerst vom Kosmos, um die Harmonie des Weltganzen zu beschreiben. Die antike naturphilosophische Vorstellung vom tönenden Kosmos und der Harmonie in der Sphärenmusik kehrt in der christlichen Welt z. B. in der Vorstellung von musizierenden himmlischen Heerscharen und Engels-Chören wieder. Im Prolog von Goethes Faust heißt es: "Die Sonne tönt in alter Weise in Brudersphären Wettgesang."

Das geheime Ritual der Freimaurer und ihre Symbole können dafür stehen, wie Menschen versuchen, Anschluss an die kosmische Ordnung zu finden und sie mit ihrer Arbeit zu fördern. Der Kosmos ist mit der Symbolik von Licht, Sonne, Mond und Sternen sowohl mit Logos wie mit dem gestaltenden schöpferischen, solaren Bewusstsein des Heros verbunden, ebenso mit der Großen Ur-Mutter und dem schöpferischen und verbindenden Eros.

Kosmos-Darstellungen können Ganzheitssymbol sein und auf das Selbst weisen. Die Anima Mundi (Weltseele) als alles durchströmende Kraft, die das Universum am Leben erhält, ist ebenfalls Symbolgestalt für den Kosmos. Sie ist künstlerisch dargestellt worden z. B. als nackte Göttin auf der Weltkugel, ein Fuß im Meer, einer auf der Erde, geschmückt mit Sonne, Mond und Sternen.

1983 zeigt der Film Koyaanisqatsi, das bedeutet: "Leben im Ungleichgewicht" von F. Coppola), wie in der modernen Zivilisation das Verankertsein in Natur und Kosmos verloren gegangen ist. Kompensatorisch entstehen in der 2. Hälfte des 20. Jh.s Bewegungen, die nach der kosmischen Ordnung und nach Verbundenheit mit dem Kosmos suchen: Moderne Physik, Astronomie, Raumfahrt, moderne Kosmologien, Mystik, esoterische und spirituellen Strömungen wie auch transpersonale Psychologie tragen dazu bei, Schönheit und Wunder des Kosmos neu zu entdecken. Sie sprechen vom kosmischen Christus und vom kosmischen Menschen.

Eine neue Beheimatung des modernen Menschen im Kosmos und ein neues kosmisches Bewusstsein scheinen in Entwicklung. Fantasy, Science-fiction- und Mystery-Literatur und -film fördern es: Im Bestseller Sofies Welt, lässt J. Gaarder den Lehrer der Heldin sagen: " ... auch wir sind Sternenstaub." Seit 1977 prägen u.a. die Star-Wars-Filme (G. Lucas) das Bild der jüngeren Generationen vom Kosmos: Science-fiction und modernes Weltraum-Märchen zugleich, verarbeiten die Filme archetypische Motive und Verhaltensweisen, historische Fakten, kosmologische, mythologische und religiöse Vorstellungen aus aller Welt. Der globalisierte Mikrokosmos wird in intergalaktische, kosmische Welten und Wesen projiziert, der fremde, bedrohliche Weltraum erscheint als geordneter Makrokosmos.

Die Eroberung des Weltraums, der Flug ins Unbekannte und Neue, das Eindringen ins Universum, die neue Sicht des Menschen, der Welt, des Kosmos und des Göttlichen hat nicht nur erweiternde, bereichernde und faszinierenden Seiten: In Fantasien und Träumen steht das Weltall auch für das bedrohliche und vernichtende Fremde, es kann für kalte Rationalität einer aus der vertrauten Welt herauskatapultierenden Technik stehen. In den Weltraum zu fliegen, kann Verlust des Kontaktes zur Erde, Verlorenheit und Einsamkeit im weiten, unbekannten, kalten, Raum, Entgrenzung und Ausgeliefertsein bedeuten. In S. Kubriks Film "2001 Odyssee im Weltall" (1968) wird die Kälte, Sterilität und Gleichgültigkeit des Weltalls spürbar. Ein schwarzer Monolith verkörpert eine mysteriöse Macht, von der gelenkt, die Helden mit dem Raumschiff am Ende des Films in die Unendlichkeit fliegen.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette

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