Knoten

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Keyword: Knoten

Links: Knäuel

Definition: Knoten geht zurück auf mhd. knote, ahd. knoto „knotenförmige Verdickung, Knospe, Knorren, Knorpel“. Im Gegesatz zum Knäuel läßt sich eine Struktur erkennen.

Information: Knoten gehören zu den universellsten Symbolen überhaupt, sei es in Form von geknüpften Textilien oder in abstrakter Form in sich verschlungener Ornamente. Im Alten Kreta war der "heilige Knoten" ein geknoteter Schal, der oben eine schleifenartige Lasche bildet und von Priesterinnen im Nacken getragen wurde. Er findet sich auch, in Elfenbein geschnitzt, als selbstständiges Kultobjekt.

Seine vermutliche Bedeutung als eine Art Schicksalsknoten bzw. als Insignie für die Macht, zu binden und zu lösen, wird erst in der griechischen Mythologie deutlich. Hier tritt Moira als oberstes Schicksal in den Gestalten der drei Moiren auf, die den Lebensfaden des Menschen knüpfen und bei seinem Tod durchtrennen. Im Germanischen bilden die drei Nornen dazu die Parallele. Im Blick auf die Tragödie wird von der "Schürzung des Knotens" und seiner Lösung gesprochen. Auch das Bild der in sich verschlungenen Schlangen und das Schlangenhaar der kretisch-griechischen Göttinnen evozieren die Assoziation des Schicksalsknotens.

Im Alten Mesopotamien symbolisiert das "Schilfrohrbündel" die Silhouette der Göttin Inanna, im Alten Ägypten der Isisknoten diejenige der Isis. Der Shen-Ring als kostbares Hoheitszeichen der Pharaonen war ursprünglich ein geflochtenes Seil mit verknüpften Enden mit der Bedeutung von in sich zurücklaufender Zeit, d. h. Ewigkeit. Die Lebensschleife in Form des sogenannten Henkelkreuzes wird von Gottheiten, insbesondere von Muttergöttinnen, von PharaonInnen und PriesterInnen getragen. Der doppelköpfige Tod-Leben Gott Anubis hat den Schicksalsknoten als geschlungenen Schal um den Hals. Wahrscheinlich gehören die Schleifen, die heute noch im Mittelmeerraum zur Osterzeit an Büsche gebunden werden, zu einem alten Auferstehungskult.

Interpretation: In den Umkreis des heiligen Knotens gehört auch der Gürtel von Liebesgöttinnen und ihren Stellvertreterinnen, den Hohepriesterinnen. Ihren Gürtel zu lösen, war die Aufgabe des neuen Königs im Ritual der "Heiligen Hochzeit", was wahrscheinlich den Hintergrund für die Erzählung vom gordischen Knoten bildet. Von dem an einen Kultwagen gebundenen Knoten im Tempel zu Gordion hieß es, wer ihn löse, würde Herrscher; womit vermutlich ein regionaler König gemeint war. Alexander der Große hat dies gründlich missverstanden, indem er den Knoten mit dem Schwert zerhieb und sich zum Herrscher über ganz Asien ausrufen ließ.

Im patriarchalen Kontext wandeln sich Haarknoten, "Schnecken" und Zöpfe sowie Schleifen zu modischen Attributen der Frau, und nur die kunstvoll gebundenen Geisha-Schleifen lassen noch einen sakralen Zusammenhang erahnen. Die Männer übernehmen geknotete Bänder und Quasten als Zeichen weltlicher Macht in Form von Orden und als moderne Gentlemen in Form von Krawatte und Fliege, durch die sie sich vom gemeinen Volk unterscheiden.

In schriftlosen Kulturen finden wir die Verwendung von Knotenschnüren als Erinnerung an Verträge, wozu noch in banaler Abwandlung der Knopf im Taschentuch gehört. Zudem sind Gebetsschnüre in allen Religionen als Gedächtnisstütze im Gebrauch, woraus der christliche Rosenkranz hervorging.

Sakrale Knoten dienen der magischen Abwehr von Gefahren, können aber in der schwarzen Magie auch dem Schadenzauber dienen. So wurden die Hexen beschuldigt, Unwetter herbeigeführt und durch das Verknoten von Viehschwänzen Tierseuchen heraufbeschworen zu haben. Als abstrakte ornamentale Motive erscheinen Schlingmuster und Flechtbänder in unerschöpflichen Varianten sowohl in der indischen, arabischen und chinesichen Kunst als auch als typisches keltisch-langobardisches Stilelement.

In frühchristlichen Kirchen finden sich solche Flechtwerke, unter anderem der "Salomonknoten", als Steinreliefs an Altarblöcken, Taufbecken und Kapitellen. Wie das verwandte Netzmotiv spiegeln sie die Weltordnung und die verschlungenen Wege Gottes. Ungeklärt ist die Bedeutung der sogenannten "Knotensäulen", die vielleicht auf die sündhafte Verstrickung des Menschen anspielen, die durch den Glauben gebannt wird.

Literatur: Standard

Autor: Meier-Seethaler, Carola

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