Idee

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Keyword: Idee

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Definition: Griesch von eidos (= Aussehen, Gestalt, Bild) und idéa (Anblick, Aussehen, Erscheinung).

Information: Die philosophischen Anschauungen der Idee haben eine vielgestaltige Geschichte. Selbst innerhalb der Philosophie Platons zeigt sie mehrere Gesichter. Im Ganzen sieht Platon in der Idee das unveränderliche Wesen der Dinge. Dabei ist die Idee nicht identisch mit der sinnlich wahrnehmbaren Erscheinung, die immer nur unvollkommen das essenzielle Wesen vermittelt, sondern ihr vollkommener Grund, Ursache und Erfüllung zugleich. Zwischen anordnender Formstruktur (vgl. Jungs Archetypen) und äußerer Erscheinungsform der Idee besteht zwar eine innige Beziehung, aber die Idee ist immer etwas über die sinnlich erfassbare Form hinaus. Eine bei verschiedenen Philosophen verschiedene Auffassung besteht darüber, ob die Idee aller sinnlich erfahrbaren Manifestation vorausgeht oder ob sie ein Resultat gedanklicher Abstraktion sinnlicher Erfahrung sei. Bei Hegel geht aus der Idee "ewiges Erzeugen" hervor. C. G. Jung vertritt in seinen Definitionen zur Typenlehre die Ansicht, dass möglicherweise der Idee vorausgehend ein instinkt ähnlicher, archetypischer Bildimpuls gegeben sei. In dieser Bilderfahrung bündelt sich die konzentrierte Erfahrung einer psychischen Gesamtsituation. Das was dieser komplexen Bildempfindung dann Sinn gibt, ist die Idee, wobei das Symbol die nicht formulierbaren Elemente zwischen Bildempfindung und sinngebender Idee überbrückt. Bildimpuls und Idee sind gleichursprünglich gegebene psychische Größen im Sinn der Möglichkeit von Gedankenverbindung. Die unterschiedliche Einordnung als entweder apriorischen Impuls oder sekundäre Ableitung führt er auf die typ mäßig unterschiedliche psychische Grundeinstellung zurück: "Die Idee ist für die introvertierte Einstellung das primum movens, für die extravertierte Einstellung ein Produkt." (GW 6, § 736)

Der Unterschied zwischen Idee und Vorstellung wird besonders bei Heidegger (Vorl. über Parmenides) deutlich: Vorstellung speist sich aus bereits vorhandenen Kenntnissen und ist auf Erfassung und Bemeisterung des Seienden aus, indem sie bekannte Bilder "vor sich hin stellt" und zum Gegen-Stand, zum Objekt macht. Nach Heidegger ist die Idee eine "Grundweise des Blickens" die nicht eine Tätigkeit des blickenden Subjekts meint, sondern ein sich in sich selbst versammeln und empfänglich sein für einen Anblick des Aufgehens und Sichzeigens. Was sich in diesem Blicken, der Idee also, die zugleich ein Angeblicktwerden ist, zeigt, ist ein Aufschluss über das Ganze des Wesens, aus dem bisher Verborgenes aufscheint. Es sind die "Götter" oder daimones oder archetypische Kräfte (in der Sprache der Tiefenpsychologie das Selbst) die in der Idee ins Sein des Menschen hereinblicken.

Interpretation: Die Bedeutung die einer "Idee" im therapeutischen und alltäglichen Prozess zukommt, ist nach diesen Definitionen offenkundig. "Eine gute (zündende, rettende) Idee haben" ist ein "Hereinblicken" des Schöpferischen ins Dasein. Die Idee gibt uns Einblick in die schöpferischen Möglichkeiten einer Situation. Als vielleicht unscheinbarer "Einfall" oder "Gedankenblitz" (Blick und Blitz sind wurzelverwandt), kennzeichnet die Idee etwas, das aus einer das Gewohnte übersteigenden, übergreifenden Sphäre (des Unbewussten, das zugleich ein "Überbewusstes" ist) unvermutet ein-fällt und in uns aufgeht, eine neue Offenheit schafft und eine "Offenbarung" möglich macht. Es geht uns plötzlich "ein Licht auf". Keine Idee, die uns kommt, ist darum "nichts als [...] ", sondern verdient wertgeschätzt, geprüft, amplifiziert und betrachtet zu werden. Ihren besonderen Platz hat sie in Methoden der Assoziation und der Imagination. Indem man Ideen "betrachtet", das heißt mit Bedeutung auflädt, können diese zu tragenden Vorstellungen und wegleitenden Symbolen werden. Die "bloße Idee", als einfallender Gedanke, braucht außer Verstehen auch emotionale Anbindung bzw. Einarbeitung und Verankerung in der Erfahrungswelt, um zur Entwicklung beizutragen oder praktisch fruchtbar zu werden. Bleibt sie isoliertes Gedankengebilde, so besteht die Gefahr einer Idealbildung oder Ideologisierung, welche Dissoziierungsprozesse begünstigen. Unhinterfragte Ideen können individuelle und kollektive Fixierungen mit Besessenheitscharakter hervorrufen (Dämonie des "Zeitgeist"), da sie ihre Überzeugungskraft aus unbewussten Archetypen beziehen, die mit allgemeingültigem bzw. totalitärem Impetus auftreten.

Literatur: Standard

Autor: Romankiewicz, Brigitte

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