I Ging

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Keyword: I Ging

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Definition: Dieses auch als I Ging (auch: I Ching) weit bekannte "Buch der Wandlungen" gilt als eines der umfassendsten und ältesten symbolischen Weisheitsbücher der Menschheit.

Information: Es ist u. a. das Verdienst von C. G. Jung, dieses Buch in der Zusammenarbeit mit Richard Wilhelm, dem Autor einer bis heute gültigen, praktikablen und sehr zuverlässigen Übersetzung, für moderne Leser erschlossen zu haben. Aktueller Forschungsgegenstand ist das Mawangdui-Yijing, ein auf Seide geschriebener vollständiger Text, der 1973 in einer großen Lacktruhe der umfangreichsten und wertvollsten Grabbibliothek gefunden wurde. Die Schließung dieses Grabes fand schon im Jahre 160 v. Chr. statt und der dort erhaltene Text enthält sämtliche Orakelaussagen zu den 64 Hexagrammen sowie zu den jeweiligen sechs Einzellinien, nicht aber den stark konfuzianisch beeinflussten Bildkommentar. Diese vollständige Fassung wurde erstmalig von Dominique Hertzer übersetzt und herausgegeben. (1996). Der von Wilhelm herausgegebene Text ist als `textus receptus´ heute in der Literatur vertreten. Diese Fassung stammt wahrscheinlich aus der Zeit 550-630 n. Chr., ist also wesentlich jünger und wird auch entsprechend kritisch bearbeitet.

Interpretation: Der von Wilhelm gewählte Titel „Das Buch der Wandlungen“ als Deutung des I Ging drückt schon sehr präzise den Symbolgehalt des gesamten Buches aus. Es geht um grundsätzliche Aspekte des Wandlungsgeschehens im menschlichen Leben, wie auch in Staat und Gesellschaft in ihren verschiedenen Ursachen und Folgen. Die 64 Bilder oder Hexagramme – Hexagramm, weil sie sich jeweils aus sechs verschiedenen Linienkombinationen zusammensetzen – drücken die Vielfalt des Lebens in umfassender Form aus. Es seien hier nur einige genannt: "Das Schöpferische", "Das Empfangende", "Die Anfangsschwierigkeit", "Die Jugendtorheit", "Das Warten", "Der Streit", "Der Friede", "Der Rückzug", "Die Dauer", "Das Abgründige", "Das Wasser", "Die Arbeit am Verdorbenen" und "Das Durchbeißen", um nur einige zu nennen, deuten schon die Fülle der Situationen und Erlebnisse an, die in diesem Buch beschrieben sind. Besondere Bedeutung hat es dadurch gewonnen, dass es neben seinem Charakter als Weisheitsbuch bis heute auch ein Orakelbuch geblieben ist. Mit Hilfe der alten chinesischen Schafgabenstängel bzw. der entsprechenden Münzen ist es möglich, das die jeweilige Situation kennzeichnende Bild mit seinen verschiedenen Aspekten zu finden und auch die darin enthaltenen Entwicklungslinien zu erkennen. Die Botschaften des I Ging haben einen ganz direkten Bezug zu dem Zeitmoment, in dem sich der Fragende gerade befindet. Insofern stellt das I Ging eine der zentralen Wahrsagetechniken dar, die sich über die Jahrtausende bis heute erhalten haben.

Nachdem Jung den I Ging mehrere Jahre erforscht hatte, stellte er einen neuen Begriff auf, die unserem westlichen Kausalitätsbegriff komplementäre Synchronizität. Es ist eine Form von sinnvoller Gleichzeitigkeit von innen und außen. Dass Ereignisse gleichzeitig stattfinden, ist im Grunde eine Banalität. Dass diesen aber ein Sinnmoment zugeordnet werden kann, ist, wenn wir von der rationalen Struktur des Kausalitätsmodells ausgehen, ein revolutionärer Gedanke. Dieser Gedanke ist allerdings nicht neu, es hat schon immer das Bedürfnis gegeben, den Sinn bestimmter Zeitkonstellationen zu erkennen und entsprechende Techniken als Grundlage hierfür zu entwickeln. Der I Ging bezieht die subjektiven und seelischen Bedingungen in die Ganzheit der gegenwärtigen Situation ein. Kausalität beschreibt die Zeitfolge von Ereignissen, Synchronizität betrifft die zeitliche Koinzidenz.

Im westlichen wissenschaftlichen Denken hat sich das Kausalitätsprinzip einseitig durchgesetzt und die beeindruckenden Ergebnisse der Naturwissenschaften und der Technik ermöglicht. Vor diesem Hintergrund sind die so genannten divinatorischen Techniken in den Hintergrund gedrängt und in den Bereich des Aberglaubens abgeschoben worden. Angesichts der Schwierigkeiten, das Leben und die Welt mit Hilfe des Kausalitätsmodells allein zu verstehen, ist das Interesse an den alten Wahrsagetechniken und insbesondere auch am I Ging wieder lebendig geworden. In Folge der Schnelllebigkeit unserer Zeit wird vermehrt nach dem `Sinn´ dieser Entwicklung gefragt. Wie kann ich diesen Sinn, auch meiner persönlichen jeweiligen Situation herausfinden? In der analytischen Psychologie ist es zumindest weit gehend die Regel gewesen, dass jedem Ausbildungskandidat und jeder Kandidatin die Inhalte und persönlichen Ergebnisse dieses Buches vertraut sind. Es sollte im Ausbildungsbetrieb in die persönliche Lehranalyse fest eingebunden sein. Auch hier gilt wieder das Prinzip, dass in jeder analytischen Ausbildung nur die Selbsterfahrung wirklich überzeugen kann.

Inwieweit es möglich ist, Patientinnen und Patienten mit dieser Technik vertraut zu machen, muss dem individuellen Verlauf der Behandlung überlassen bleiben. In weiter fortgeschrittenen Behandlungen hat es sich auch bewährt, allein die Weisheit dieses Buches zu vermitteln, es muss nicht als Orakelbuch verwendet werden. Alleine die Lektüre dieser Weisheitsliteratur ist im Hinblick auf die vielen darin angebotenen existenziellen Situationen sehr hilfreich. Wenn es dann noch gelingt, einen inneren Zugang zur divinatorischen Seite, zur mit dem Buch vermittelten Synchronizität des Lebens zu gewinnen, so verfügt man über eine sehr hilfreiche Basis für die Lebensorientierung.

In der Arbeit mit dem I Ging begegnen sich in der Form der Frage und des Fragenden als Person ganz Persönliches und damit individuell Begrenztes und ein ganz Weites, der unendliche Raum der Möglichkeiten, das Grenzenlose, Allgemeine, vom Einzelnen Losgelöste. Beides ist in der Begegnung mit den 64 Hexagrammen möglich. In ihnen sind Grundgesetze des Weltgeschehens gleichsam `eingefangen´, der unendliche Raum wird Form, das Allgemeine konkretisiert sich in Urteil und Bildern."Das Buch der Wandlungen enthält das Maß von Himmel und Erde; darum kann man damit den SINN (das TAO) von Himmel und Erde umfassen und gliedern". (Wilhelm, R., 1972, S. 222) Da es sich beim Befragen des Orakels immer um Zahlenkombinationen handelt, kommt auch die archetypische Bedeutung der Zahl im Sinne einer Gliederung und Ordnung hier wieder zum Tragen.

Literatur: Standard

Autor: Seifert, Theodor

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