Hufeisen

Aus Symbolonline
Wechseln zu: Navigation, Suche

Keyword: Hufeisen

Links: Abwehr, Eisen, Pferd, Teufel

Definition: Ein Hufeisen ist ein flaches, in der Form dem äußeren Rand des Pferdehufs angepasstes geschmiedetes Eisenstück, das als Schutz auf die Unterseite des Hufes durch einen Hufschmied aufgenagelt, "beschlagen" wird.

Information: Um den aus Horn bestehenden Pferdehuf vor zu starkem Abrieb zu schützen, werden Pferden vom Hufschmied mit 6-8 Hufnägeln breite Eisenstreifen auf die Unterseite des Hufes genagelt. Sie entsprechen genau der Form des jeweiligen Hufes, müssen also als im Feuer glühend gemachtes Eisen so lange mit dem Hammer auf dem Amboss bearbeitet werden, bis sie lückenlos passen. Da sie meist nach hinten offen sind, erinnert ihre Form an eine langgezogene Mondsichel. Schon die Römer und Kelten benutzten zum Schutz ihrer Pferde sogenannte Hipposandalen, die jedoch noch nicht aufgenagelt, sondern mit Riemen festgebunden wurden. Vermutlich wurde das genagelte Hufeisen nicht vor dem Mittelalter erfunden, und zwar in erster Linie für Wagenpferde, deren Hufe auf den gepflasterten Straßen großem Verschleiß ausgesetzt waren. Die Erfindung des Hufeisens wird als sensationeller Fortschritt für das Transportwesen, für die Landwirtschaft und für die frühere Kriegführung interpretiert. Allerdings hat auch diese Errungenschaft ihre Schattenseite: da das starre Eisen die Erweiterung des flexiblen Hufes bei jedem Auftreten stark einengt, kann der beschlagene Huf nicht mehr wie der natürliche Huf als Stoßdämpfer für das Pferdebein dienen. So leiden heute viele der stark beanspruchten Sportpferde an Gelenk- und Hufleiden, zumal gute Hufschmiede immer rarer werden. Solange in der Landwirtschaft die Hauptarbeit von Zugpferden verrichtet wurde, gab es in fast jedem Dorf einen Hufschmied, der in ca. 8-wöchigem Rhythmus die alten Eisen abnahm, den nachgewachsenen Huf beschnitt und neue Eisen aufnagelte.

Interpretation: Weit über seinen praktischen Nutzen hinaus symbolisiert das Hufeisen die Konzentration magischer Kräfte, - pars pro toto - die dem Menschen verfügbar gemachte Kraft des Pferdes. Als Glücksbringer wird es über Türen genagelt, wobei streng darauf zu achten ist, dass es nicht nach unten, sondern nach oben offen ist, damit das Glück von oben hinein - aber nicht nach unten herausfallen kann. Diese Anordnung könnte jedoch auch bedeuten, dass das Pferd, welches im Hufeisen seinen Abdruck hinterließ, auf die Tür zu- und nicht von ihr weglief. Wo ein Hufeisen über der Türe hängt, tritt der Böse nicht ein - denn ein Heiliger der Kirche hatte einst dem Teufel das Versprechen abgenommen, alle Plätze zu meiden, an denen ein Hufeisen aufgehängt ist: Zu dem späteren Erzbischof von Canterbury, der ursprünglich Schmied war, kam der Teufel und bat ihn, auf seinen Pferdehuf ein Hufeisen zu schlagen. Dieser willigte ein und band in der Schmiede den Teufel fest an den Amboss und schlug mit dem Schmiedehammer aus Leibeskräften auf den Bösen ein. Der Teufel wimmerte und bat um Gnade bis der Schmied versprach, ihn loszubinden, wenn der Teufel gelobe, niemals mehr an einen Platz zu gehen, wo ein Hufeisen aufgehängt ist. Eine andere, praktischere Erklärung lautet, dass die - meist mittellosen Wanderburschen Glück hatten, wenn sie auf ihren Fußmärschen ein verlorenes Hufeisen fanden und beim nächsten Dorfschmied abgaben: dann waren ein kostenloses Abendmahl und Nachtlager gesichert.

Gleich, ob Hufeisen in Luxusausführung Motorhauben von Autos zieren und für glückliche Fahrt sorgen sollen, ob sie in goldverpackter Schokoladenausführung als Neujahrsglücksbringer verschenkt werden, in Echtgold als Anstecknadel getragen werden - immer erinnern sie an die alte Arbeits- und Lebensgemeinschaft von Mensch und Pferd.

Literatur: Standard

Autor: Rafalski, Monika

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge