Hotel

Aus Symbolonline
Wechseln zu: Navigation, Suche

Keyword: Hotel

Links: Bauwerk, Gebäude, Gast, Haus

Definition: Der Begriff Hotel ist entlehnt aus dem französischen hôtel " Wirtshaus mit Gastzimmern" zurückgehend auf das lateinische "hospitale" (Gastzimmer).

Information: Das erste als Hotel war vermutlich das „ Grand Hotel“, das von dem Frisör David Low im Londoner Covent Garden am 17. Januar 1774 eröffnet worden ist. Seine heutige Bedeutung bekam das Hotel zwischen 1884 und 1914, wo im gründerzeitlichen Bauboom in ganz Europa sowohl in den Städten Repräsentativbauten im bürgerlich-unternehmerischen Umfeld entstanden als auch im Kurwesen, wo die großen, in oft entlegenen Gegenden errichteten monumentalen Kurhotels von schlossartigem Charakter enorme gesellschaftliche Bedeutung gewannen.

Interpretation: Ein Hotel ist ein Haus, in dem man sich nur vorübergehend aufhält und gegen Bezahlung beherbergt und verpflegt wird. Das Hotel erlaubt seinen Gästen, anonym zu bleiben, Seiten zu leben, die sonst nicht gelebt werden und auch keine Verbindung zum sonstigen Leben haben sollen. Unter dem Dach eines Hotels ist es möglich, jemand zu sein, der man sonst nicht ist, Menschen zu begegnen, denen man sonst nie begegnen würde So sind beispielsweise erotische Abenteuer oder Seitensprünge ohne die Anonymität des Hotels nur schwer denkbar.

In der Erzählung "Felix Krull, Bekenntnisse eines Hochstaplers" erzählt Thomas Mann die Geschichte seines Protagonisten Felix Krull, der schon als Kind mit wechselnden Identitäten spielt, schließlich als Kellner in einem Pariser Luxushotel einem Adligen begegnet, mit diesem seine Identität tauscht und in dessen Namen eine Weltreise unternimmt.

Im Drama von Jean Paul Sartre "Bei geschlossenen Türen " ist der Empire-Salon eines heruntergekommenen Hotels die Hölle, die darin besteht, dass drei Menschen, sich gegenseitig spiegelnd, für immer aneinander gekettet sind.

In dem Roman "Das weisse Hotel" von D. M. Thomas steht das weiße Hotel für die erotischen Erlebnisse und Phantasien der "hysterischen" Erzählerin mit dem aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Sohn Freuds.

Für C. G. Jung gehört das Hotel, wie auch "das Fliegen, das Treppen - oder Bergsteigen, das Herumgehen mit ungenügender Bekleidung, das Zahnausfallen, die Volksmenge, der Bahnhof, die Eisenbahn, das Flugzeug, das Automobil sowie die beängstigenden Tiere (Schlangen usw.) " zu den typischen Traummotiven (GW 8, 535). Sind wir im Traum in einem unbekannten Hotel zu Gast, dann wohnen wir auf unserer Lebensreise zur Zeit in einem sehr allgemeinen, unpersönlichen Raume. Wir erhalten dabei die Mahlzeiten, die alle Reisenden verlangen. Häufig ist das Hotel, entsprechend der Beschaffenheit des Seelenraumes in dem wir uns derzeit befinden, recht zweifelhaft. Es steht oft in einer dunklen Gegend. Die anderen Gäste können aufgefasst werden als Schattenaspekte unseres eigenen Wesens.

C. G. Jung berichtet einen Traum einer Patientin, den sie zu Beginn der Therapie träumte (GW 4, 537f. ): "Sie ist in einer fremden Stadt, im Hotel. Plötzlich bricht Feuer aus. Ihr Mann und ihr Vater sind zugegen und helfen ihr beim Retten." Er kommt über die Assoziationen der Patientin auf eine Liebesaffäre der Patientin in diesem Hotel.

Literatur: Standard

Autor: Junghan, Marianne

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge