Himmelsrichtung

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Keyword: Himmelsrichtung

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Definition: Die Himmelsrichtungen (auch Kardinalpunkte) sind die vier Grundrichtungen Norden, Osten, Süden, Westen. Sie definieren die Richtung der geografischen Koordinaten, der Längenkreise (Meridiane). In manchen Kulturen, z. B. indianischen oder buddhistischen, werden sechs Himmelsrichtungen unterschieden (zusätzlich: Zenit (oben/himmelwärts) und Nadir (unten/erdwärts).

Information: In der Mitte der Welt, in ihrem Nabel, ihrem Zentrum erhebt sich in vielen Schöpfungsmythen der Berg oder der Weltenbaum, der Himmel und Erde auseinanderhält und somit den Kosmos schafft. Bei Mircea Eliade finden wir die Auffassung, dass das Aufrichten des Steins und der Stele in der menschlichen Kulturentwicklung den Kosmos schafft und die Transzendenz. Nun gibt es ein Oben und ein Unten. Ergänzt wird diese Dimension durch die vom Nabel ausgehenden Richtungen, die als Nord, Süd, Ost und West definiert wurden und sich aus der Bewegung der Sonne und Gestirne ableiten. Es gibt nun die Beschreibung einer Welt, die Fläche und Raum enthält, und damit die Beschreibung des Kosmos, der Strukturierung des Chaos und symbolisch der Bestimmung des Menschen.

Interpretation: Die symbolische Bedeutung dieser Richtungen ist vielfältig. Zunächst bilden sie im Zentrum ein Kreuz, die Grundform des Mandalas oder einer Ganzheit und Quaternität. Augustinus weist darauf hin, dass im Griechischen das Wort Adam die Erde bedeutet und aus vier Buchstaben besteht, mit denen auch die vier Weltrichtungen beginnen: Osten = Anatole, Westen = Dysis, Norden = Arktos, Süden = Mesembria. So verbreitet sich Adam über die Welt. Viele Kulturen kennen sogenannte Weltgegenden, die auch in den Häusern oder Tempeln symbolisch eingerichtet sind. Der Osten ist durch den Aufgang der Sonne bestimmt, im Osten beginnt der Tag, das Leben. Er ist im christlichen Mythos Symbol der Auferstehung. Bauten werden danach ausgerichtet, Zeremonien betonen diese Richtung. Im Westen geht die Sonne unter, der Tag und das Leben enden. Dort ist Tod, Dunkelheit, Kälte und in vielen Kulturen ist das Totenreich im Westen angesiedelt, so z. B. bei den Kelten, im Buddhismus oder im alten Ägypten. Vom Westen kommen auch die Dämonen, er braucht deshalb eine besondere Form der Abwehr (dämonenabwehrender Michael). Osten und Westen haben auf der ganzen Erde die Bestimmung durch den Sonnenlauf gemeinsam. Anders ist es mit dem Norden und dem Süden, die je nach Halbkugel und Lage darauf unterschiedliche Qualität bekommen. Bei uns verbindet sich der Süden mit der Mittagssonne und der Äquatorrichtung und ist mit Wärme, Exotik, Offenheit, Freiheit verknüpft, während der Norden eher kalte Qualität hat und zur Mitternacht gehört. In Nordischen Mythen befindet sich im Norden die Totenwelt und er ist durch die Farbe Schwarz symbolisiert.

Im Christentum ist der Norden heidnisch, denn die Heiden beteten dort hin, während Christen gen Osten beten. Oft werden den Himmelsrichtungen Planeten, Elemente und Farben zugeordnet. Im alten China gehörte zum Süden der Mars, das Feuer und damit das Rot; zum Osten der Jupiter, das Element Holz und die Farbe Blau; zum Norden Merkur, das Wasser und die Farbe Schwarz; zum Westen die Venus, das Metall und die Farbe weiß; zur Mitte - der fünften Himmelsrichtung der Chinesen - der Saturn, die Erde und das Gelb. Zum Norden gehört in diesem Kulturraum auch das weibliche kalte Yin, während das männliche warme Yang dem Süden zugeordnet ist.

Die Azteken hatten eine ausgeprägte Symbolik der Himmelsrichtungen. Die beiden Achsen symbolisierten den Weg vom Leben zum Tod (süd-nord) und vom Tod zum Leben (west-ost). Dort galt der Norden als das Reich aus dem wir kommen und wohin wir wieder gehen, die Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits. Er ist das Reich der Kälte, der Dunkelheit, des Hungers, der Dürre und des Krieges. Zu ihm gehört auch das Opfermesser aus Obsidian oder Feuerstein und der Adler als Kriegssymbol. Der dazugehörige Gott ist Tezcatlipoca, er ist der Gott des Nachtwindes und -himmels. Der Norden gilt auch als Land des Mondes und der Milchstraße. Der Süden ist dazu der polare Gegensatz, das Land des Feuers und des Gottes der Mittagssonne Uitzilopochtli. Der Osten ist die Region der Geburt und Wiedergeburt (der Sonne, der Venus, des Lebens überhaupt). Er gehört zur Liebe, zur Jugend, zu den Festen und Gesängen. Dort lebt der Regengott Tlaloc in einem Paradies, sowie der heilige Vogel Quetzal, eine indianische Variante des Phönixes. Die Farbe des Ostens ist rot, für das neue Blut und die Vitalität. Der Osten ist das Reich des Abends, des Untergangs der Sonne ins Reich der Nacht. Dort opfert sich der Gott Quetzalcoatl, um im Osten wieder aufzuerstehen. Es ist das Nebelland, das unbekannte Mysterium. Dort residieren Muttergöttinen ebenfalls in Gärten (entspr. Osten). Es handelt sich bei den Polen um abhängige Gegensätze, deren einer immer den anderen hervorruft oder erzeugt. Das Achsenkreuz wird zum Symbol des Weltganzen.

Die altorientalische Kosmologie kennt die Viergestalt als Beschreibung des Kosmos. Die Himmelsrichtungen laufen in die vier Weltecken, durch die dann der Umfang der Welt definiert ist. Von dort kommen die vier Weltwinde und sie waren bewacht von den göttlichen Cheruben, die das Firmament tragen. Diese Vorstellung findet sich in Abwandlungen in vielen Kulturen; So z. B. auch in der Offenbarung des Johannes (Joh. 7. 1): "Und danach sah ich vier Engel stehen auf den vier Ecken der Erde, die hielten die vier Winde der Erde, auf dass kein Wind über die Erde bliese, noch über das Meer, noch über irgend einen Baum." In Ägypten wölbt sich die Himmelsgöttin Nut über den Erdgott Geb. Dabei berührt sie die Erde mit den Spitzen von Fingern und Zehen und bezeichnet damit die Himmelsrichtungen. In der nordischen Mythologie tragen die vier Zwerge Nordri, Austri, Sudri und Vestri den Himmel. Biblisch gehört zu den Himmelsrichtungen jeweils ein Erzengel. Sie sind Wächter des himmlischen Throns. Michael steht im Osten, Uriel im Süden, Raphael im Westen und Gabriel im Norden.

In heutiger Zeit verbinden sich mit Himmelsrichtungen noch andere symbolische Assoziationen. So steht z. B. in den USA der Osten für Zivilisation und Ursprung, der Westen für das wilde, noch unzivilisierte Abenteuerland. Dort ist heute noch der Mythos des Weges nach Westen lebendig. In Europa ist der Osten eher mit dem rauen, dem kalten, dem kommunistischen und für uns verschlossenen Raum verbunden, während der Westen für Freiheit, Wohlstand und Zivilisation steht. Daran lehnen sich Begriffe an wie Ost-West-Konflikt.

Im Ausdruck Nord-Süd-Gefälle symbolisiert sich wiederum anders die Thematik von erster und dritter Welt, dem Gegensatz von armen und reichen Ländern.

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

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