Hebamme

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Keyword: Hebamme

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Definition: Eine Hebamme ist eine Geburtshelferin.

Information: Es gibt bereits aus prähistorischer Zeit Funde, die darauf schließen lassen, dass schon damals Helferinnen bei der Geburt anwesend waren. Von den Maiai der Antike sind geburtshilfliche Traditionen überliefert. Die Lehrbücher belegen den hohen Stand der damaligen Hebammen Tätigkeit. Die schon zu dieser Zeit wissenschaftlich gebildeten Frauen waren eher als Ärztinnen anzusehen.

Später wurde die Hebammen Tätigkeit zum Fachgebiet der weisen Frauen. Auch diese scheinen sich große medizinische Kenntnisse erworben zu haben. Es war jedoch eher ein ungeheuer reiches Erfahrungswissen, das von alten Frauen weitergegeben wurde. Kräuterkunde, Heilerfahrung und magische Zeremonien waren in diese fundierten Kenntnisse miteinbezogen. Sie lenkten vielfach die Geschicke der Anvertrauten mit und standen in der Regel in hohem Ansehen. Aus der Bibel sind uns zwei hebräische Hebammen bekannt, die in Ägypten dafür sorgten, dass die hebräischen Kinder nicht getötet wurden, wie es Pharao angeordnet hatte. (Siphra und Pua). In unseren nahen europäischen Gebieten wohnte die weise Frau des Dorfes, damalige Hebamme, meist außerhalb des Dorfes am Fluss, wahrscheinlich auch in den Wäldern. Die zur Gegenwart führende berufsmäßige Ausübung der Hebammen Tätigkeit dürfte in den Städten des Mittelalters entstanden sein. Es ist bekannt, dass sich unter der städtischen Bevölkerung Frauen organisierten, die sowohl im Bereich der Geburtshilfe, als auch in der Heilkunde "Lehrmädchen" ausbildeten.

Es gibt allerdings kaum historische Belege für das Können und Erfahrungswissen dieser Frauen. Sie gaben es allem Anschein nach mündlich weiter. Doch hatten sie in den Städten selbst dann noch eine hohe Stellung, als ab dem 16. Jahrhundert Ärzte allmählich die Kontrollfunktion über die Tätigkeit dieser Frauen ausübten, von deren Erfahrungen sie ursprünglich ihre Kenntnisse übernommen hatten. Die zunehmende Festigung patriarchaler Wertmaßstäben erklärt dann die Verfolgung der Hebammen, denen sie im Rahmen der Hexenverfolgungen zum Opfer fielen.

Seit 1725 wurde angeordnet, dass bei komplizierten Geburten ein Arzt hinzuzuziehen sei, was die Tätigkeit der Hebammen auf die normale Geburt reduzierte.

Ihren deutschen Namen erhielt die "Hebamme" vermutlich von einem rechtlich-religiösen Ritual. Sie musste das Neugeborene auf Geheiß des Vaters vom Boden aufheben und ihm reichen.

Heute ist die Hebamme eine anerkannte, nichtärztliche Geburtshelferin. Die Ausbildung kann in einer staatlich anerkannten Hebammenschule wahrgenommen werden, die in der Regel an eine Frauenklinik angeschlossen ist. Sie betreut während der Abwesenheit des Arztes die Geburt, dieser wiederum ist verpflichtet, die Hebamme zur Entbindung hinzuzuziehen. Auch ist sie anschließend für die Begleitung der Wöchnerin und des Neugeborenen zuständig. Sie ist außerdem berechtigt, die Schwangerenvorsorge und die erste Kinderfrüherkennungsuntersuchung durchzuführen.

Interpretation: Ihre über die Jahrtausende hindurch wichtige Funktion als Geburtshelferin lässt diese Tätigkeit zu einem sehr wichtigen Symbol werden. Es verweist auf Möglichkeiten der Seele, nicht nur entstehendes Leben, sondern alles, was "neu" werden will im Sinne einer Geburt zu schützen und diesem Neuwerden zur Entwicklung zu verhelfen. Im negativen Sinne besteht die Gefahr, dass über Kunstfehler oder Desinteresse, entstehendes Leben geschädigt oder zerstört werden kann, bei Einzelnen, in der Gesellschaft oder in einer Gruppe. In der Regel taucht die Hebamme in Behandlungsprozessen positiv besetzt auf. So träumte eine Frau vor dem Beginn einer Behandlung ihres Kindes: "Ich lag auf dem Boden, ausgeliefert, es war kalt, ich hatte Schmerzen, es ging mir ganz schlecht. Ich merkte, ich würde jetzt mein Kind entbinden müssen, hatte ganz furchtbare Ängste, es nicht zu schaffen. Oder ein totes Kind zur Welt zu bringen. Ich fühlte mich völlig allein. Da kam die Therapeutin des Kindes herein, setzte sich zu mir und gab mir eine warme Wolldecke. Sie berührte meinen kleinen Finger ganz fest und sagte, alles andere musst du selbst machen".

Die Frau kommentierte diesen Traum mit dem Satz: "Sie war mir eine Hebamme, eine Hilfe, Neues zu beanspruchen, neue Wege zu gehen. Ich war unendlich dankbar." Im Vorfeld hatte sie die "Hebammen Tätigkeit" der Therapeutin eher als "Quacksalberei einer Hexe " eingestuft. Der negativ - destruktive Pol des Symbols wurde zum hilfreichen Aspekt, zur Geburtshilfe für neu entstehendes Leben. Das, was bei Mutter und Kind neu werden wollte, sollte unter dem Schutz und mit Hilfe des Erfahrungswissens und der Begleitung der "Hebamme" geschehen, die zugleich als eine innere, positiv- mütterliche Möglichkeit dieser Frau anzusehen war.

Literatur: Standard

Autor: Laitenberger, Diethild

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