Gürtel

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Keyword: Gürtel

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Definition: Ein Gürtel (mhd. gürtel, ahd. gurtil, zu dem gürten zugrunde liegenden Verb) ist ein festes Band (Stoff, Leder, Seil, auch Metall, Gold) das meist mit einer Schnalle geschlossen wird und um Taille oder Hüfte getragen wird. Im weiteren Sinn bezeichnet er z. B. eine geografische Zone, die sich wie ein Gürtel kreisförmig um etwas zieht und schließt.

Information: Der Gürtel ist mehr als nur Zubehör zur Kleidung, denn an ihm wurden seit frühester Zeit Waffen befestigt und Geld aufbewahrt. Er diente zum Zusammenhalten der Kleidung, aber auch als reines Schmuckstück. Im Hethitischen heißt "gurtas" die Festung, die das in ihr verborgene Leben schützt. Er wurde sowohl von Männern, als auch von Frauen getragen.

Interpretation: Geschlechtsspezifisch wurden ihm jedoch zum Teil unterschiedliche, polare Bedeutungen zu gemessen. Bei Männern galt er als Symbol der Kraft, der Macht und Herrschaft. In Mythen schützte der Gürtel seinen Träger und stattete ihn mit magischen Fähigkeiten aus. So besaß der germanische Donnergott Thor einen Kraft-Gürtel, der seine Macht verdoppelte. Der Zwergenkönig Laurin gewann durch einen Gürtel die Stärke von 12 Männern. Bei Frauen war der Gürtel einerseits Zeichen geschützter Weiblichkeit, andererseits durften Prostituierte im Mittelalter keinen Gürtel tragen. Bei Frauen oder im religiösen Kult wurde er mit Reinheit und Keuschheit in Verbindung gebracht, da er die Kleidung über dem nackten Körper zusammenhält. Die Engel galten als gegürtet zum Zeichen ihrer Kraft und der Beherrschung der Geschlechtskraft, denselben Sinn hatten die Gürtel der Eremiten, Mönche und Priester bei der Messe. Der erste Gürtel, von dem die Bibel sprach, waren die Feigenblätter, mit denen Adam und Eva ihre Scham bedeckten.

Im Gürtel begegnen wir dem Symbol der Trennung und Unterscheidung, das gleichzeitig eine Betonung der oberen und unteren Körperlichkeit des Menschen beinhaltet. Von daher steht der Gürtel auch in Zusammenhang mit Sinnlichkeit und Körperlichkeit. Im Volkstum bedeutete der Brauch, den Gürtel abzulegen, die Bereitschaft zur sexuellen Vereinigung. So galt der Gürtel in der Antike insbesondere auf Frauen bezogen als Symbol der Liebe, Sinnlichkeit und Liebesbereitschaft, aber auch als Aspekt für Macht, Stärke, Einfluss der Frauen und ihrer Fähigkeit autark zu sein. Im Mythos des Herakles überlässt Hippolyte, die Amazonenkönigin zunächst Herakles ihren Gürtel freundlich, wird aber später infolge Misstrauen und kämpferischer Auseinandersetzung von Herakles ihres Gürtels beraubt und von ihm getötet. Nach Homer waren in den Gürtel der Aphrodite alle Wonnen und Lockungen der Liebe eingewoben (Illias 16, 215). Astrarte wird vielfach nur mit einem Gürtel und einem Schleier bekleidet dargestellt. Der Gürtel ist Attribut der Aphrodite- Urania, der hetärischen Urmutter, aber auch Symbol des Nacht und des Sternenhimmels, welcher die Liebe begünstigt. Die Frauen, die sich im Mylitta-Kult prostituierten, trugen ebenfalls Gürtel. Bei Indern, Griechen und Römern bestand der Hochzeitsbrauch des Gürtel lösen durch den Bräutigam. Im Rechtswesen des Mittelalters musste der Gürtel als Zeichen der Unterwerfung abgelegt werden. Jemanden seines Gürtels zu berauben kann bedeuten, ihm seine Bindungen und seine Kraft, auch seine Würde und Rechte zu nehmen. In Indien ist das Anlegen des Gürtels durch den Guru ein wesentlicher Teil der spirituellen Einweihung. In der Bibel ist der Gürtel auch Symbol der Gefolgschaft. Zum Aufbruch werden die Lenden gegürtet.

Heute werden Gürtel bei Kampfsportarten (zum Beispiel Judo, Boxen) als Auszeichnung verwendet "Den Gürtel anlegen" bedeutet eine neue Würde zu übernehmen."Den Gürtel ablegen" sich unterwerfen, zum Sklaven, Gefangenen werden."Den Gürtel verlieren" um Hab und Gut kommen."Den Gürtel lösen" meint zum sexuellen Akt bereit zu sein. Im Nibelungenlied rang Siegfried stellvertretend für den schwachen König Gunther in der Hochzeitsnacht Brünhild Ring und Gürtel ab und schenkte diese seiner Frau Kriemhild."Den Gürtel enger schnallen müssen" meint sich einzuschränken, fasten, hungern müssen."Etwas geht unter die Gürtellinie" ist eine unerlaubte Attacke, ein unanständiger Schlag. Auch im übertragenen Sinne gilt alles, was den Bereich unterhalb der Gürtellinie betrifft, insbesondere der Sexualbereich, als Tabuzone und ihre Verletzung (auch verbal) als unanständiger Angriff auf die Person und ihre Integrität. In Märchen wird Schneewittchen von ihrer Stiefmutter mithilfe eines Gürtels eingeschnürt um ihr die Lebenskraft zu nehmen. Im Märchen "Das tapfere Schneiderlein" ist der vom Schneiderlein mit dem Satz bestickte Gürtel "Sieben auf einen Streich", den er auf seinem Heldenweg fortan stolz trägt, eine Art Größenfantasie, aber auch ein Kraftsymbol und prospektiv- final verstanden ein Entwurf zukünftiger Möglichkeiten.

Infolge seiner Kreisgestalt und seiner befestigenden Funktion ist der Gürtel grundsätzlich ein Symbol der Kraft, des Herrschaftsanspruchs, der Weihe, der Würde, der Treue (Bindung an eine Person, Gruppe oder Aufgabe) und des Schutzes. Gürtel in Träumen von Männern stehen häufig mit Kraft und Potenz in Verbindung. Bei Frauen galt der Gürtel einerseits als Symbol der Reinheit und Keuschheit, der geschützten Weiblichkeit, andererseits als Symbol der Liebe, Sinnlichkeit und Liebesbereitschaft, aber auch der Macht, des Einflusses der Frauen und ihrer Fähigkeit autark zu sein. Im Gürtel begegnen wir dem Symbol der Trennung und Unterscheidung, das eine Unterscheidung der oberen und unteren Körperlichkeit des Menschen beinhaltet, deshalb auch oft die Thematik der unteren Körperlichkeit beinhaltet. Beim Traumsymbol Gürtel stellt sich deshalb auch die Frage nach dem Umgang mit Sinnlichkeit, Erotik und Sexualität oder dem Wunsch danach. Einerseits kann im Traum das Symbol auftreten, wenn man sich durch etwas eingeschnürt und bedrängt fühlt, andererseits kann man sich durch das Tragen des Traumgürtels auserwählt und in gehobener sinnlicher Stimmung fühlen.

Eine junge Frau träumte, nachdem sie eine feste Bindung eingegangen war, dass sie als Geschenk einen goldenen Gürtel erhielt, durch den sie sich beglückt und deutlich aufgewertet fühlte.

Literatur: Standard; Müller, Lutz: (1985): Das tapfere Schneiderlein. List als Lebenskunst. Zürich: Kreuz

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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