Friseur

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Keyword: Friseur

Links: Eros-Prinzip, Haar, Kopf, Maske, Persona, Schönheit, Trickster

Definition: Ein/e Friseur/in ist eine Person, die anderen die Haare kämmt, wäscht, schneidet, frisiert.

Interpretation: Die Geschichte des Friseurhandwerks reicht bis weit in die vorchristliche Zeit zurück. Bereits 3000 v. Chr. gab es in Ägypten erste professionelle Friseurhandwerker. Man fand in Ägypten umfangreiche Rezeptsammlungen mit Rezepturen von Haarfärbe-, Haarwuchs- und Haarentfernungsmitteln. Die erste überlieferte berufsständische Organisation der Barbiere stammt aus Mesopotamien (1800 v. Chr.).

Im europäischen Mittelalter bildete sich im vom 12. – 13. Jahrhundert das Handwerk der Bader und Barbiere, das lang einen unehrenhaften Anstrich hatte, da sich auch Scharlatane betätigten. Die Bader, so genannt, weil sie meistens eine Badestube betrieben, betrieben die "kleine Chirurgie" (Zahnziehen, Schröpfen, Klystieren sowie Behandlung von Verletzungen, Brüchen und Hautleiden). Die Redensart "Jemanden über den Löffel balbieren" (jemanden betrügen oder übervorteilen) stammt aus jener Zeit: Hatte nämlich der Bader seinem Kunden die Zähne gezogen, so steckte er ihm bei seinem nächsten Besuch einen Löffel in den zahnlosen Mund, damit er ihn über die nach außen gewölbte Backe besser rasieren konnte."Alles über einen Kamm scheren" (über wichtige Unterschiede hinweggehen) bezieht sich vermutlich auf den Bader, der beim Barbieren für alle Kunden denselben Kamm benutzte.

Ende des 17. Jahrhunderts entstand das eigenständige Handwerk des Perückenmachers. Haarfülle (Haar) wurde als Symbol der männlichen Potenz betrachtet, und so trugen ab dem 18. Jahrhundert die Fürsten, Könige und die, die es sich leisten konnten, Perücken. 1925 wurde die "Internationale Gesellschaft der Damencoiffeure" gegründet. Der Beruf des Baders hielt sich ca. bis zum 2. Weltkrieg.

Interpretation: Die symbolische Figur des Friseurs ist schillernd. Einerseits ist er oftmals wie ein Vertrauter, dem seine Kunden und Kundinnen private Sorgen und Nöte erzählen. Andererseits haftet der Figur des Friseurs etwas vom Archetyp des Tricksters an (s. auch die historischen Wurzeln des Friseurs im Handwerk des Baders). In der Oper "Der Barbier von Sevilla" stellt G. Rossini den Barbier als umtriebigen Fädenzieher dar, der gegen Bezahlung dem Grafen Almaviva hilft, seine angebetete Rosina zu erobern.)

Wer zum Friseur geht, überlässt ihm die Gestaltung seiner Haare und damit seines ganz persönlichen Schmucks. Frisur und Haarfarbe sind auch ein Teil der Persona und vermitteln der Umwelt einen Eindruck davon, wie modern, angepasst oder unangepasst, brav oder erotisch attraktiv man sich zeigen will.

Oftmals drückt der Friseur der Frisur des Kunden seinen eigenen Stempel auf. Davon reden auch Träume über den Friseur: Die Haare als ursprüngliche Geistes- oder Triebkräfte werden von ihm beschnitten oder in Form gebracht, was eine ordnende, aber auch eine kastrierende Bedeutung haben kann. In die gleiche Richtung geht, wenn wir sagen, dass jemandem mal der "Kopf gewaschen" werden muss.

Literatur: Standard

Autor: Claus, Waltraud

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