Flüssigkeit, magische

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Keyword: Flüssigkeit, magische

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Definition: Vielen Flüssigkeiten wird - in Analogie zu der stärkenden, aufbauenden oder bewusstseinsverändernden Wirkung, die viele normaler Flüssigkeiten auf den Menschen haben - eine besondere magische Wirkung zugeschrieben.

Information: Keine

Interpretation: Die Fantasie und der Wunsch, mithilfe bestimmter Nahrungsmittel, insbesondere magischen Getränken eine heilende, verändernde, verzaubernde Wirkung auszulösen, ist uralt und heute noch wie eh und je wirksam (Bachblüten, Homöopathie, Gesundheits-, Heilräutersäfte- und Tinkturen, anregende "Power"-Getränke, abwehraktivierende Joghurts). Die Hoffnung auf solche Wirkstoffe stand im Hintergrund alchemistischer, pharmazeutischer, medizinischer Forschungen ebenso wie alter magischer und spiritueller Traditionen. In den magischen Traditionen werden häufig auch Blut, Speichel, Urin, Sperma verwendet. Diese Körperflüssigkeiten werden als besondere Träger von Energien ihres Besitzers angesehen und oft auch gegen sie verwendet nach dem Muster des "pars pro toto", nach dem ein Teil für das Ganze stehen kann.

"Soma (Sanskrit) ist ein im Rig Veda erwähnter Rauschtrank der Götter, bei dem es sich um einen mit Milch und Mehl gemischten und einige Zeit der Gärung überlassenen Saft einer Pflanze gehandelt hat. Der Name bezeichnet sowohl eine Gottheit als auch eine Pflanze und den daraus bereiteten Trank.

Man kann Soma als irdische Entsprechung von Amrita (sanskr. „Unsterblichkeit“) oder dem Ambrosia in der griechischen Mythologie ansehen. Während die letzteren beiden den Göttern vorbehalten sind und ihnen Unsterblichkeit verleihen, kann Soma auch von Menschen getrunken werden. Die damit verbundenen Halluzinationen wurden als Zugang zur Sphäre der Götter interpretiert.

Die im Rig Veda beschriebenen Wirkungen von Soma deuten auf ein Halluzinogen hin. So in Rig Veda VIII, 48: "Wir haben das Soma getrunken; wir sind unsterblich geworden, wir haben das Licht gesehen; wir haben die Götter gefunden." Oder in Rig Veda IX: "Deine Säfte, o gereinigtes Soma, alles durchdringend, schnell wie Gedanken, bewegen sich von alleine wie die Nachkommen rasch dahineilender Stuten. Die himmlischen, geflügelten süßen Säfte, Erreger großer Heiterkeit, erstrahlen im Gefäß [...] " Ein weiterer Hinweis steckt in Rig Veda VIII, 6: "Denn nun in deinem Rausche, o Soma, komme ich mir wie ein Reicher vor. Schreite vorwärts zum Gedeihen!" (Zit. nach Wikipedia, Stichwort Soma). Die Zusammensetzung des Somas ist aber nicht bekannt. Möglicherweise handelte es sich um unterschiedliche Zubereitungen und Mischungen aus verschiedenen psycholytisch wirksamen Pflanzen.

Im Hinblick auf die künstlerische Verarbeitung solcher Wirkungen von Flüssigkeiten sei insbesondere auf den Mythos des Heiligen Grals, auf den Liebes-Zaubertrank bei "Tristan und Isolde" und den Verjüngungs- und Liebestrank des Magiers Faust hingewiesen, der ihm durch die Vermittlung des Mephisto in der Hexenküche hergestellt wird.

MEPHISTOPHELES. Genug, genug, o treffliche Sibylle!

Gib deinen Trank herbei, und fülle

Die Schale rasch bis an den Rand hinan;

Denn meinem Freund wird dieser Trunk nicht schaden:

Er ist ein Mann von vielen Graden,

Der manchen guten Schluck getan. Die Hexe, mit vielen Zeremonien, schenkt den Trank in eine Schale; wie sie Faust an den Mund bringt, entsteht eine leichte Flamme.)

Nur frisch hinunter! Immer zu!

Es wird dir gleich das Herz erfreuen [...].

[...]

MEPHISTOPHELES (zu Faust).

Komm nur geschwind und laß dich führen;

Du mußt notwendig transpirieren,

Damit die Kraft durch Inn- und Äußres dringt.

Den edlen Müßiggang lehr ich hernach dich schätzen,

Und bald empfindest du mit innigem Ergetzen,

Wie sich Cupido regt und hin und wider springt.

FAUST. Laß mich nur schnell noch in den Spiegel schauen!

Das Frauenbild war gar zu schön!

MEPHISTOPHELES.

Nein! Nein! Du sollst das Muster aller Frauen

Nun bald leibhaftig vor dir sehn. Leise.) Du siehst, mit diesem Trank im Leibe,

Bald Helenen in jedem Weibe.

Hanscarl Leuner hat im Zusammenhang mit der "Katathym imaginativen Psychotherapie" auf die erstaunliche Wirkung von "magischen Flüssigkeiten" hingewiesen, die im imaginativen Prozess in der Landschaft oder im Umgang mit Symbolgestalten auftreten können: das Baden im Wasser, das Trinken aus einer Quelle, der Kontakt mit Regen und Tau können heilsame, erfrischende und belebende Wirkung haben. Spezielle Wirkungen auf der imaginativen Ebene haben auch Kuh- und Muttermilch, Heil- und Rauschgetränke, die von hilfreichen, weisen Gestalten eingeflößt werden.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Lutz

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