Feder

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Keyword: Feder

Links: Bote, Botschaft, Fliegen, Himmel, Jenseits, Licht, Luft, Vogel

Definition: Die Feder wächst auf dem Körper eines Vogels und besteht aus einer Art hornigem Stiel, von dem feine rippenartige Verzweigungen ausgehen. Zusammen mit den anderen Federn bilden sie das Gefieder des Vogels; sie dienen dem Fliegen sowie dem Wärmeschutz.

Information: Die Feder hat eine dem Vogel vergleichbare Bedeutung. Dies spiegelt sich auch in den etymologischen Zusammenhängen: Feder, Flug, Flügel und Vogel gehen auf eine gemeinsame indogerman. Sprachwurzel zurück: auf etwas los-, niederstürzen, fliegen, fallen.

Interpretation: Die Feder ist Bote aus dem Jenseits. Sie hat Beziehung zum himmlischen Bereich des Lichts und der Sonne. Daraus lässt sich die Bedeutung der Feder als Symbol der Macht und der Stärke verstehen.

Als Attribut des Vogels, welcher nach Heinrich Zimmer die "tierische Maske des schöpferischen Prinzips" ist, schmücken sich die irdischen Vertreter des Göttlichen mit Federn (z. B. Häuptlingsschmuck der Indianer, Schamanenmasken, Federbusch als Helmzier u. s. w. ).

Die Feder verkörpert Leichtigkeit, Flüchtigkeit, Höhe, Raum und ist oft auch ein Bild für die Seele. Sie ermöglicht die Verbindung zu anderen Welten und verknüpft Leben und Tod. Bild dafür sind die Engelsflügel und das Federkleid, das in Mythen und Märchen die Schwanenjungfrauen, in schamanistischen Gesellschaften die Schamanen tragen. In dieser Verbindung der Feder zum Fremden und Unbekannten wurzelt ihr Bezug zur Mantik und zur Magie.

Sind wir glücklich und beschwingt, fühlen wir uns "leicht wie eine Feder". Der Aspekt von Kraft und Macht drückt sich in Redewendungen aus wie "Federn lassen" oder "sich mit fremden Federn schmücken".

Federn spielen in einer Reihe von Märchen und Mythen eine Rolle: In "Frau Holle" (KHM 24) bedeuten die Federn, die als Schneeflocken aus den Betten von Frau Holle auf die Erde fallen, dass sich deren Reich in der Jenseitswelt befindet. In der altnord. Völundr heiratet Wieland eine Schwanenjungfrau, die ihn nach sieben Jahren verläßt und in ihre Welt zurückkehrt. Die schicksalhafte Bedeutung der Feder betont das Märchen "Die drei Federn" (KHM 63): Ein Vater lässt die Initiation seiner drei Söhne durch eine Art "Gottesurteil" in die Wege leiten, indem er drei Fn in die Luft wirft. Die Feder des Jüngsten fällt unmittelbar vor ihm auf den Boden, wo er eine Falltür entdeckt, die ihn in die Tiefe führt.

In der Tiefenpsychologie lässt sich die Feder auch als Ausdruck der Beweglichkeit und Flüchtigkeit der psychischen Bilder verstehen. Entsprechend vielfältig ist ihre Bedeutung. Sie ist Bild einer volatilen Botschaft aus einem umfassenderen psychischen Inhalt, ein Zeichen, das dem Ich aus dem Unbewussten zu-fällt, z. B. dem Selbst. Pars pro toto steht sie für die Symbolik des Vogels.

Wie eine tröstliche Botschaft erlebte eine Frau die Berührung durch eine weiße Flaumfeder, die auf das Grab ihres verstorbenen Sohnes niederschwebte. Sie fühlte sich getröstet und gestärkt und nahm die Feder mit nach Hause. Nach mehreren Tagen jedoch ging sie wieder zu dem Grab und ließ die Feder fliegen. Mit diesem rituellen Vorgang gab sie gleichsam die Seele ihres Sohnes frei. Tiefenpsychologisch lässt sich hier die Begegnung mit der Feder als synchronistisches Phänomen verstehen: die Patientin empfängt ein Signal aus dem Selbst, das ihr physisch in Gestalt der Feder am Grab ihres Sohnes begegnet. Innerpsychisch wird sie dadurch in die Lage versetzt, den verstorbenen Sohn loszulassen und selbst stärker und freier zu werden.

Literatur: Standard

Autor: Daniel, Rosmarie

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