Fantasie

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Keyword: Fantasie

Links: Imagination, Intuition, Kind, Kreativität, Spiel, Traum, Vision

Definition: Fantasie (lat. phantasia: Gedanke, Einfall; griech.: Vorstellung, Einbildung, Erscheinung) ist der freie Fluss von Gefühlen, Gedanken, Vorstellungen und insbesondere unbewussten Bildern, die Ausdruck der Selbstregulation der Psyche, psychische Energie (Libido), sind und sich von archetypischen Strukturen ableiten.

Information: Die Fantasie ist für C. G. Jung "kühnstes Produkt der Zusammenfassung alles Könnens", indem sie Gefühle und Gedanken sowie die Sinnesempfindungen und das Ahnungsvermögen kombiniert. Diese schöpferische Einbildungskraft hebt den Menschen über seine Alltäglichkeit und Normalität hinaus."Es ist nicht nur der Künstler, der alles Größte in seinem Leben der Fantasie verdankt, sondern überhaupt jeder schöpferische Mensch. Das dynamische Prinzip der Fantasie ist das Spielerische (Spiel), das auch dem Kinde eignet [...]. Es ist nicht zu vergessen, dass gerade in der Imagination eines Menschen sein Wertvollstes liegen kann." (C. G. Jung, GW. Bd. 6 § 93).

Formen der Fantasie sind z. B. die Assoziation, der Traum, die Visualisierung, die Vision, die Imagination. Aber auch durch Spiel und Kreativität, grundlegende Fähigkeiten des Menschen schöpferisch zu sein, können Fantasien in die Darstellung gebracht werden. Wie Träume und andere unbewusste Manifestationen können Fantasien als Symbole verstanden werden. Sie verbinden Bewusstes und Unbewusstes miteinander, ermöglichen dem Ich dadurch eine Auseinandersetzung mit den unbewussten Inhalten und schaffen so neue Einsichten und Einstellungen (Transzendente Funktion), was letztendlich die Heilung neurotischer Konflikte und Störungen bewirken kann. Jung bezeichnet die Fantasietätigkeit als "höheres Drittes", welches durch die Vereinigung der Gegensätze von Denken und Fühlen entstehen kann. Sie ist die eigentliche Basis jeder schöpferischen Idee, Gestaltung und Tat. Die alltägliche Fantasietätigkeit dient dazu, sich selbst und die Welt zu ordnen, zu planen und zu strukturieren und mit sich ins Reine zu kommen. Das Fantasieren im Sinne von bewusstem Tagträumen bereitet Lust und Wohlbehagen, hilft das narzisstische Gleichgewicht zu stabilisieren, kann bei der Anpassung an die Realität behilflich sein und verschafft zugleich dem Fantasierenden eine gewisse Unabhängigkeit von dieser. Fantasien lassen sich zur Abwehr bedrohlicher und beschämender Erfahrungen verwenden und sind letztendlich eine wichtige Quelle für kreative Handlungen.

Während Jungs Vorstellungen über die "schöpferische Fantasie" sich von seinem Begriff des Archetypus ableiten (Jung GW 9/1 §153), führte S. Freud in seinem triebpsychologischen Ansatz die Bildung von Fantasien immer auf die stimulierende Funktion von Triebimpulsen zurück. Das Es, das im Kontakt mit dem Körper in enger Berührung mit den Triebbedürfnissen ist, verleihe diesen geistigen Ausdruck.

"Die Psyche erschafft täglich die Wirklichkeit. Ich kann diese Tätigkeit mit keinem andern Ausdruck als mit Fantasie bezeichnen. Die Fantasie ist ebenso sehr Gefühl wie Gedanke, sie ist ebenso intuitiv wie empfindend. Es gibt keine psychische Funktion, die in ihr nicht ununterscheidbar mit den andern psychischen Funktionen zusammenhinge. Sie erscheint bald als uranfänglich, bald als letztes und kühnstes Produkt der Zusammenfassung alles Könnens. Die Fantasie erscheint mir daher als der deutlichste Ausdruck der spezifischen psychischen Aktivität. Sie ist vor allem die schöpferische Tätigkeit, aus der die Antworten auf alle beantwortbaren Fragen hervorgehen, sie ist die Mutter aller Möglichkeiten, in der auch, wie alle psychologischen Gegensätze, Innenwelt und Außenwelt lebendig verbunden sind. (Jung, GW 6, § 78)

Interpretation: Keine

Literatur: Standard

Autor: Kuptz-Klimpel, Annette

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