Faden

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Keyword: Faden

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Definition: Der Faden (mhd. vaden, vadem, ahd. fadum, urspr. = so viel Garn, wie man mit ausgespanntem Arm messen kann) bezeichnet lange, dünne, gesponnene Baumwollfasern oder fein ausgezogenes Metall.

Information: Keine

Interpretation: Der Gedankenfluss im Gespräch wird oft mit der Fadensymbolik verglichen: Der "Faden reißt ab", "der Faden wird nicht weitergesponnen". Der "rote Faden" ist dabei der leitende, verbindende Grundgedanke, der auch verloren werden kann, wenn man beim Sprechen plötzlich den gedanklichen Zusammenhang verliert (eigentlich = den Faden beim Spinnen aus der Hand gleiten lassen).

Dieses Motiv geht auf Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften" zurück, wo die alles verbindende Hauptidee im Tagebuch Ottiliens mit dem durchlaufenden roten Faden im Tauwerk der englischen Marine verglichen wird: Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte [...] sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen [...] Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet [...] Manches Eigene von innigerem Bezug wird an dem roten Faden wohl zu erkennen sein."

Ursprünglich mit Bezug auf Webarbeit, dann auf den Marionettenspieler, hat sich schließlich die Redewendung "alle Fäden laufen in einer Hand zusammen", "jemand hält alle Fäden in der Hand", "zieht die Fäden", auf jeden übertragen, der alles überschaut, lenkt und den entscheidenden Einfluss ausübt.

Nach altindischer Überlieferung wird der Atem ein Faden genannt, an dem die Wesen angewebt sind, und der Wind ist der Faden, der die Welt zusammenhält. Der Lebensfaden wird von den Schicksalsgöttinnen selbst gesponnen; bei den Griechen sind es die Moiren: Klotho ist die Spinnerin, Lachesis erhält den Faden durch alle Zufälligkeiten, und Atropos (»die Unabwendbare«) durchschneidet ihn und führt damit den Tod herbei. Bei den Römern sind es die Parzen, die das Schicksal (fatum) des Menschen bestimmen, in der Hand haben.

Spinnrad und Webstuhl galten wegen ihrer gleichmäßig drehenden Bewegung als Symbol unabänderlicher Gesetzmäßigkeit im ewigen Kreislauf des Lebens; aus ihnen geht der Faden des Lebens, des Schicksals hervor. Alles, was sich dreht, ist in Bewegung, ist ein Bild für den Weg - gleich ob Spinnrad, Wagenrad oder Glücksrad.

So sagt der Erdgeist in Goethes Faust:


"In Lebensfluten, im Tatensturm

Wall ich auf und ab,

Webe hin und her!

Geburt und Grab,

Ein ewiges Meer, Ein wechselnd Weben,

Ein glühend Leben,

So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit,

Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid."


Mit Hilfe eines von Ariadne gegebenen Fadens (Garnknäuel) findet Theseus den Weg durch das Labyrinth (= Unterwelt). Das bei zahlreichen Völkern bekannte Fadenspiel, in Europa noch bei Kindern anzutreffen, dürfte ursprünglich eine tiefere, z. T. magisch-religiöse Bedeutung besessen haben.

Mit Lebensfaden wird das menschliche Schicksal bezeichnet, das von einer göttlichen Macht gesponnen wird. Aus Spinnrad und Webstuhl, den Bildern der Schicksalsverwirklichung, geht der Faden des Lebens hervor. Bereits in vorchristlichen Kulturen stand der Faden für das Schicksal des Menschen, den die Götter spannen und aus dem sie das Leben des Menschen webten. Der einende Faden findet sich in Form der Perlenschnur, des Rosenkranzes und der Girlande.

Als Traumsymbol ist der Faden ein Hinweis auf flüchtige Ideen, spontane Einfalle, die leicht wieder verloren gehen können.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Lutz

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