Esel

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Keyword: Esel

Links: Körper, Libido, Pferd, Tier

Definition: Der Esel (mhd. esel, ahd. esil lat. asinus od. asellus) ist ein dem Pferd verwandtes, aber kleineres Säugetier mit grauem bis braunem Fell, kurzer Mähne, langen Ohren und Quastenschwanz.

Information: Sprichwörtlich gilt es als dumm und als gutmütiges, genügsames Arbeitstier, aber auch als störrisch. Die Hufe des Esels einem steinigen, unebenen Untergrund angepasst. Sie geben sicheren Halt, sind aber weniger zum schnellen Rennen geeignet.

Interpretation: Der Esel gehört zu jenen Tieren, die symbolkundlich sehr diskrepant gedeutet werden. Die diskrepante Deutung geht von Dummheit, Faulheit, Trägheit und Starrsinn einerseits bis hin zu Eigensinn (positiv gedeutet im Sinne von dem eigenen Sinn folgen), sexueller Kraft und Vitalität andererseits.

So wurde der Esel in der sumerischen Kultur hoch verehrt, wohingegen z. B. in der ägyptischen der böse Gott Seth, der Gott der Wüste und des Unwetters, Eselsgestalt angenommen hat.

Das Eselsbein oder die Eselinnengestalt gehörte zum weiblichen Symbolkreis der Lamia, Hekate und Empusa. Sie hatten ein Eselsbein oder ein Bein aus Mist, welches wiederum beides die befruchtende Erdkraft symbolisieren sollte. Im Sinne der männlichen Schöpferkraft steht der Esel symbolisch für die sexuelle Libido, für Potenz, aber auch für Ausschweifung und Geilheit, wie z. B. in der antiken Welt, wo er als Reittier des Dionysos anzutreffen ist.

So kann sich die sexuelle Libido ebenso befruchtend wie auch zerstörend auswirken. Befruchtend z. B. ist der riesige dreibeinige Esel, der nach dem Bundahis, im himmlischen Regensee Vourukasha steht, und dessen Urin das Wasser des Sees reinigt. Von seinem Gebrüll werden alle nützlichen Tiere schwanger und alle schädlichen Tiere erleiden Fehlgeburten. (Jung, C. G., Symbole der Wandlung, GW 5, Walter, Solothurn, Düsseldorf, 1995, §428).

C. G. Jung stößt in seinen Betrachtungen über alchemistische Symbolik in der Religionsgeschichte auf die Symbolik des Esels auch als eine "chthonische Trinität": "Der Esel ist ein ´daemon triunus´ [...] , welche die lateinische Alchemie als dreiköpfiges Ungeheuer darstellt und mit Mercurius, sal und sulphur identifiziert". (Jung, C. G., GW 12, a. a. O., §539)

Im Christentum finden wir in Genesis 49, 11 den Jakobsegen über Juda: "Er bindet seinen Esel an den Weinstock und an die Rebe das Füllen seiner Eselin [...] ", was wiederum auf die Verwandtschaft des Esels mit Dionysos hinweist.

Ebenso aus dem christlichen Kulturkreis kommend, begegnet uns der Esel in vier Szenen: als widerspenstiges Reittier des Zauberers Biliam (4. Mose 22), dann war er zugegen bei Christus Geburt neben dem Ochsen und als Reittier der Maria auf der Flucht nach Ägypten als auch beim Einzug Jesu in die Stadt Jerusalem, was in diesem Zusammenhang meistens als Symbol für Sanftheit und Demut gedeutet wird. Die Krieger ritten im Gegensatz dazu auf Pferden. Andererseits konnten aber auch Eselsfüllen und vor allem weiße Esel zu jener Zeit auch als Zeichen für Vornehmheit gelten. In der unmittelbaren Nähe des Christuskindes könnten wir im Esel auch die archetypische Gestalt des verborgenen göttlichen Kindes sehen, dies jedoch verschattet, eben eselhaft, dessen Entwicklungsaufgabe es ist, sich zur wirklichen königlichen Gestalt zu wandeln, also ein wirklich souveräner Mensch zu werden.

Im Volksmund wird der Esel auch durch seine Genügsamkeit gerühmt, jedoch gibt es auch eine unangemessene Genügsamkeit, die nicht das Mögliche sieht, das zur Verwirklichung Nahestehende, was wiederum dann an Dummheit grenzt. Jung zitiert einen Autor namens Speculator, der sagte, man solle den Eseln keinen Lattich zu fressen geben, wo ihnen doch Disteln genügen und bezog sich damit auf eine Beschränktheit des Geistes bei Wissenschaftlern. (Jung, C. G., GW 14/3, a. a. O., S. 43).

Dass es sprichwörtlich zum "dummen Esel" gekommen ist, hat offenbar mit seiner Geschichte zu tun. Erst die Menschen in nordischen Ländern, mit einem dem Esel unpassenden Klima und eine sehr schlechte Behandlung, haben ihn dazu gemacht. Ursprünglich gehört der Esel in südliche Gefilde und gilt dort als ein " [...] schönes, lebendiges, außerordentlich fleißiges und ausdauerndes Geschöpf." (Der kleine Brehm. Karl Voegels Verlag, Berlin, 1924, S. 776f)

Träumen wir von einem Esel, so kommt es natürlich auf den Kontext an. Verstehen wir z. B. den Esel in engem Zusammenhang mit Dionysos, so könnte sein Auftauchen uns also hinweisen auf "das Dionysische" in uns, das hieße dann, dass Inspiration, die Lust an der Sexualität und der Sinnenhaftigheit, in einem sehr weiten Sinn das Ekstatische und die Möglichkeit des Aus-sich-Herausgehens damit angesprochen wäre.

Der Esel gehört zu den Lieblingstieren des Märchens: neben dem Märchen "Das Eselein" (KHM 144), wo uns der Esel als Tierbräutigam begegnet, nimmt er eine zentrale Stelle in dem Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten" (KHM 27) oder in dem Märchen "Der Krautesel" (KHM 122) ein, wo allerdings eine schuldhafte Verwandlung in einen Esel vorliegt. Erscheint der Held oder die Heldin in Tierhaut, so zeigt sich darin, dass hier ein Konflikt auf der Instinktebene vorliegt, von der jedoch allein die Rettung kommen kann.

Literatur: Standard

Autor: Henzler, Christa

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