Empfindung

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Keyword: Empfindung

Links: Auge, Grün, Hand, Haut, Muskel, Nase, Ohr, Orientierungsfunktion, Zunge

Definition: Unter Empfindung werden zwei Aspekte psychischen Erlebens verstanden: a) die Wahrnehmung durch die Sinnesorgane, sinnliche Wahrnehmung und auch ein körperliches Gefühl: z. B. die Empfindung von Kälte, Feuchtigkeit und b) eine Gemütsbewegung, eine seelische Regung, ein Gefühl (Fühlen). So kann beispielsweise davon gesprochen werden, dass wir eine tiefe oder echte Empfindung erleben oder etwas als tief oder echt empfinden (Schmerz, Bitterkeit, Trauer, Liebe). Auch intuitive Vorgänge werden manchmal als Empfindung bezeichnet.

Information: Der Begriff soll hier aber ganz auf die sinnliche Wahrnehmung, also auf die Tätigkeit und das Bewusstsein der Sinnesorgane beschränkt bleiben. Empfinden im hier gebrauchten Sinne ist eine der vier von C. G. Jung beschriebenen psychischen Grundfunktionen, zusammen mit dem Denken, dem Fühlen und dem Intuieren (Intuition). In der deutschen Umgangssprache scheint der Begriff der (sinnlichen) Wahrnehmung besser geeignet, diese Orientierungsfunktion zu bezeichnen. Während die Intuition die geistige und immaterielle Wahrnehmungsform ist, ist das Empfinden das materielle, körpergebundene Pendant. Dieses sensorische Empfinden ist ein wesentlicher Teil der Realitätsfunktion, die das faktisch Gegebene der Welt erkennt.

Interpretation: Zur Symbolik des Empfindens ist bedeutsam, dass sich diese psychische Funktion in verschiedene Sinnesbereiche, die durch Auge, Ohr, Nase, Zunge, Haut, usw. vermittelt werden, aufteilt. Das Auftreten dieser Sinnesorgane oder Körperpartien in symbolischem Material ist somit ein direkter Hinweis auf die entsprechenden Aspekte des Empfindens.

Das Auge signalisiert die optische Wahrnehmung (und in einem erweiterten Sinne das Bewusstsein und die Erkenntnis überhaupt), das Ohr die akustische (und im übertragenen Sinne das Hören auf die innere Stimme), usw.

Ferner steht die Funktion des Empfindens symbolisch im Zusammenhang mit der Farbe Grün. Das lässt sich empirisch aus unbewusstem Material ableiten, wo man immer wieder auf diese – schon von C. G. Jung aufgefundene – Verbindung stößt. Auch über Assoziationen wie "materielle Welt", "Erde" und "Vegetationsschicht" gelangt man vom Empfinden zum Grün, das die Farbe von Mutter Natur und der Lebenskraft ("Grünkraft" nach Hildegard von Bingen) ist.

Ich möchte ein Traumbeispiel für die mit der Realitätswahrnehmung in Verbindung stehende Empfindungsfunktion geben, die sich in der Farbe Grün symbolisiert. Eine Frau Ende 50, die sich stark mit ihrer extravertierten Intuition in der Welt orientierte und dessen introvertierte Empfindungsfunktion zurückgenommen und in mancher Hinsicht unbewusst war, träumte (gekürzt): Sie hilft der Kantorin Chorstühle aufzustellen, hat aber ihre Brille vergessen. Die Kantorin gibt ihr eine, die grün getönt ist. Erst kann sie nichts sehen bzw. nimmt die Umgebung nur grün verschwommen wahr, doch dann geht das Sehen immer besser.

Das Umschalten auf das Empfinden bei einem Menschen, der die sinnliche Wahrnehmung bisher nicht besonders bewusst eingesetzt hat, bedeutet eine fundamentale Änderung der Weltsicht; man hat sozusagen eine andere Brille auf und muss sich erst daran gewöhnen. Der Traum spielt in der Kirche, also im spirituellen Raum, und unterstreicht damit die Bedeutung für die eigene Individuation in der zweiten Lebenshälfte, zu der die Bewusstmachung der bisher vernachlässigten Orientierungs-Funktion (hier das Empfinden) gehört. Dazu fordert der Traum auf. Die der Frau gut bekannte Kantorin hat in der Außenrealität eine gute Realitätsfunktion, wodurch unsere Traumauffassung, dass es sich bei der grünen Brille um das Empfinden handelt, bestätigt wird.

Literatur: Standard, Adam (2000, 2006)

Autor: Adam, Klaus-Uwe

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