Elf

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Keyword: Elf

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Definition: Das Zahlwort elf stammt vom althochdeutschen Wort einlif ab, gebildet aus den Wurzeln ein (eins) und lif (übrig) (vgl. englisch "left"). Es bedeutet also ungefähr „Rest eins“.

Information: Die Elf besitzt nur die Teiler 1 und 11. Aus arithmetischer Sicht ist sie damit zugleich die fünfte Primzahl und die sechste ungerade Zahl.

Interpretation:

Vor- und Frühgeschichte: Vergleichende kulturgeschichtliche Forschungen legen nahe, dass die Elf immer dann symbolische Bedeutung bekam, wenn Kulturen mit Sonnen- und Mondgottheiten in Kontakt zueinander traten.

Alter Orient: Im Khuddakapatha ist die wichtige buddhistische Lehrrede vom Heil enthalten, die aus zwölf Versen besteht und alle Tugenden aufführt, die zum höchsten Heil führen. Ihr Aufbau zeigt altindisches zahlensymbolisches Denken: Im ersten Vers fragt die Gottheit Buddha nach dem Heilsweg. Er antwortet ihr in den folgenden elf. Von denen enthalten aber nur zehn die eigentliche ethisch-moralische Lehre. Der letzte Vers dagegen stellt die suggestive Versicherung Buddhas dar, dass die Einhaltung aller vorher genannten Tugenden zum höchsten Heile führe. Man könnte aus dieser Gliederung das gewünschte geistige Fortschreiten zu zahlenmäßig immer größeren Einheiten herauslesen, nämlich von der Gottheit über die Gebote bis zur Aufnahme und Umsetzung der Lehre durch die Vielzahl des Volkes.

Antike: Da sich die Elf weder als Dreiecks- noch als Viereckszahl figurieren lässt, galt sie im Pythagoreismus wegen ihrer Nichtteilbarkeit durch 2 als männlich. Als 11 = 10+1 war sie die erste natürliche Zahl, die die in der Tetraktys (Zehn) entstandene Einheit wieder aufhob. Sie spielte deshalb nach pythagoreischem Verständnis für die Zahlen 10 bis 100 die Rolle, die die Zwei für den Bereich von 1 bis 10 innehatte (Zwei). Allerdings wurde die Elf nicht so abwertend gesehen, denn mit ihr ließen sich immerhin pythagoreische Tripel (z. B.: 11, 60 und 61) bilden. - Im ursprünglichen Platonismus könnte man die Elf auf die fünf regelmäßigen oder kosmischen Körper bezogen haben. Denn beim Sechsflächner (Hexaeder) grenzen an jede der 8 Ecken immer 3 gleiche Seitenflächen. Der spekulative Neoplatonismus hingegen griff verstärkt auf die pythagoreische Zahlensymbolik zurück, ließ aber deren mathematischen Gehalt und Hintergrund weitgehend außer acht.

Monotheistische Religionen: Im Alten Testament wurden Unvollständigkeit, Unvollkommenheit und Unordnung mit der Elf in Verbindung gebracht. Da sie im alphabetischen hebräischen Ziffernsystem durch die Kombination von Alef=1 und Jod=10 ausgedrückt werden musste, war ihr kein einzelner Buchstabe zugeordnet, sodass sich die Elf in der rabbinischen Zahlenspekulation nur als Summe ergeben konnte. - Im christlichen Verständnis wurde die Elf als natürliche Zahl zwischen der Zehn und der Zwölf durch die Nachbarschaftsverhältnisse symbolisch gedeutet. Als 11 = 10+1 hob sie einerseits das vollkommene Ganze wieder auf und brachte Unordnung; als 11 = 12-1 war sie anderseits noch jenseits der von Gott erlösten Welt und drückte Unvollkommenheit aus. - Im Islam wurde die Elf der Buchstabenkombination aus Alif=1 und Ja=10 zugeordnet, so dass ihr kein eigenes Gottesattribut entspricht. Für seine mystischen Richtungen war sie ebenfalls ohne symbolische Bedeutung.

Hermetische Überlieferung: In der späthellenistischen Astrologie griff man die Vorstellung der orientalischen Schöpfungsmythen auf, wonach das Weltall (Himmel) im Körper des Menschen abgebildet sei, und formte sie zu den Spekulationen des Zusammenhangs von Makro- und Mikrokosmos aus. Diese Auffassungen galten insbesondere dem Kirchenvater Augustinus sowie den frühen Synoden und Konzilen als verdammungswürdig, überdauerten aber im vorderen Orient und wurden von den mystischen Richtungen im Islam kultiviert (z.B.: Lautere Brüder von Basra). Durch die Araber gelangten sie im 11. Jahrhundert über Süditalien und Toledo nach ganz Westeuropa, wo sie zusammen mit anderen astrologischen Vorstellungen schnell einen bestimmenden Einfluss auf das europäische mittelalterliche Denken gewannen (z.B.: Hildegard von Bingen). Es scheint, dass in diesen christlich-astrologischen Spekulationen die Elf als Summe aus Fünf und Sechs zum Symbol für die Verbindung von Makrokosmos (6 für das Sechstagewerk und damit Gottes Schöpfung) und Mikrokosmos (5 = 2+3 für die Vereinigung des Weiblichen und Männlichen zum menschlichen Androgyn) wurde - vielleicht auch zur Allegorie des vollständig im obigen Sinne umgedeuteten Hieros Gamos des griechischen Götterpaares Zeus und Hera. Ferner postuliert man seit dem Hochmittelalter einen Zusammenhang des elften Himmelshauses des Horoskops mit Freunden, Hoffnungen und Wünschen.

Mathematik, Naturwissenschaften und Technik: Im sogenannten praktischen elektromagnetischen Masssystem wählte man den Wert von 10⁻¹¹g als Grundeinheit der Masse, woraus im Englischen die Einheit Eleventh-Gramme, also Elftel-Gramm, wurde, was mathematisch unrichtig ist. Auch wäre wegen der Bezeichnungen der Potenzen (10⁻¹¹: ten to the power of minus eleven; 1011: ten to the eleventh oder ten to the eleventh power) bei der Benennung Eleventh-Gramme eher an 10¹¹g als an 10⁻¹¹ g zu denken. Somit ist der englische Name dieser Masseinheit nicht logisch, sondern rein symbolisch zu verstehen: Das Eleventh-Gramme ist das vereinbarte eingängigere Zeichen für den abstrakteren Sachverhalt 10⁻¹¹g.

Gegenwartssprache und Redewendungen: In der deutschen Gegenwartssprache tritt die Elf in folgenden Redewendungen auf: Das ist elfmeterreif! (Ausruf bei einem Verstoß gegen die Spielregeln, der einen Elfmeter rechtfertigt); Haydn's Elfte ansetzen (also Haydn's 11. Sinfonie in den Orchesterspielplan aufnehmen). Auch erscheint die Elf in den Wortbildungen Elfmeter, Elfmetermarke, Elfmeterschuss, Elfmeterschütze und Elfmetertor, die alle ihren Ursprung dem Fussball und seinen Spielregeln verdanken.

Tiefenpsychologie: Im Traum kann die Elf als Summe aus Zehn und Eins auf einen bisher nicht bemerkten Ausweg aus einer existenziell schwierigen Situation und auf Neuanfang und Neubeginn verweisen. Als Primzahl symbolisiert sie aber auch kaum veränderbare Gegebenheiten oder individuell unauflösbare Konflikte. Somit kann die übertragene Bedeutung der Traumelf nur im Kontext erschlossen werden.

Literatur: Standard

Autor: Fritzsche, Bernd, Heinke, Ellen

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