Dreieck

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Keyword: Dreieck

Links: Drei, Dreifaltigkeit, Dynamik, Erde, Feuer, Wasser

Definition: Ein Dreieck ist eine von drei Punkten und ihren Verbindungslinien gebildete geometrische Figur.

Information: In der Natur kommt das Dreieck in streng geometrischen Form nur in der Kristallbildung vor, als Struktur bei den Verzweigungen im Pflanzenreich und bei vielen Gelenkformen der Tiere und Menschen. Auch Berge zeigen oft eine annähernd dreieckige Silhouette, doch bleibt das Dreieck vor allem eine vom Menschen konstruierte Form: Wir sehen es an Zelten und Dächern, bereits seit der griechischen Antike an den Segmentgiebeln öffentlicher Gebäude und Tempel, später an den Türmen der christlichen Kirchen. Auch als Verkehrszeichen und in dem Winkel an den Uniformen des Militärs, genutzt als Gerät für geometrische Zeichnungen.

Die Grundform aller Vielecke bildet das Dreieck. Indem es über seiner Basis mit ungleichen Schenkeln in ungleichen Winkeln gebildet werden kann, stellt es eine überaus dynamische und variable Figur dar über der Konstanten der Summe seiner Winkel von 180°.

Interpretation: Allen Dreiecksformen eignet eine Balance, in der sich Dynamik und Statik auf subtile Weise die Waage halten. Die Statik verdankt sich der Basislinie, die Dynamik den beiden einander zustrebenden Schrägen. Eine einerseits beruhigte Gestalt bildet das gleichseitige und somit gleichwinklige Dreieck, doch entlädt es seine Dynamik, die dem Archetyp der Dreizahl eignet, in die Höhe oder die Tiefe, je nach dem wohin seine Spitze weist.

Das gleichschenklige Dreieck, dessen Spitze nach oben weist, setzt seine Dynamik nach oben, nach außen frei. Es ist eine spannungsgeladene Form und wird als "männliches" Dreieck bezeichnet. Bei vielen Völkern ist es Symbol des Feuers und der männlichen Zeugungskraft, auch Licht- und Erleuchtungssymbol. Als Verkehrszeichen wird es verwendet, wenn es Gefahren anzuzeigen gilt. Das "weibliche" Dreieck, mit der Spitze nach unten weisend, also zur Erde, zur Tiefe, entlässt seine Dynamik in den Bereich der Körpersphäre und symbolisiert seit alters das Wasser und die weibliche Geschlechtskraft. Es transzendiert die Horizontale, die plane Bewusstseinseinsebene nach der Tiefe hin, erschließt die Transzendenz, die der dem Leben immanenten Tiefe innewohnt und dort erfahren und ausgelotet wird.

Im Hinduismus und Tantrismus ist das mit Spitze nach unten weisende Dreieck Symbol für die Yoni, das weibliche Genitale, des Mutterschoßes und seiner Gebärkraft. Das "männliche" und "weibliche" Dreieck übereinandergelegt, ergibt den sechsstrahligen Stern, ein uraltes Vereinigungssymbol; werden mehrere ineinander verflochten, entsteht das Shri-Yantra, ein Meditationsbild der Göttin Shri in ihrer Erscheinungsweise als Shakti ihrem göttlichen Partner zugeordnet. Es zeigt, dass die Gottheit sich erst in der Vereinigung der Gegensätze als solche ausweist und alles irdische Leben in seiner Vielheit aus dieser hervorgeht.

Bei vielen frühen Völkern galt die Drei als Synthese der Eins und der Zwei und damit als Sinnbild der Vermittlung. Sie galt als Zahl der Himmels im Gegensatz zur Zahl der Erde, der Vier. Eine der strengsten hieratischen Formen religiöser Kunst, die ägyptischen Pyramiden, führen auf dem Grundriss eines Quadrates vier Dreiecke an der Spitze zusammen und drücken so die Sonnenbezogenheit alles Irdischen und die mit der Sonnengottheit verbundene Unsterblichkeitshoffnung aus.

Schon Pythagoras hielt das Dreieck, vor allem das gleichseitige, für ein Bild der Gottheit, die christliche Trinitätsvorstellung machte es später zu ihrem Symbol, u. a. als dem "Auge Gottes", oder dem Dreipass, drei Kreise einem gleichseitigen sphärischem Dreieck eingeschrieben, ein häufiges Ornament der Hochgotik ist. In Indien werden Brahma, Vishnu und Shiva in der Dreiheit "Trimurti" verehrt. Irreführend ist die Festschreibung auf nur männliche Trinitäten: Eleusis im antiken Griechenland war Kultort der dreifachen Göttin Persephone-Demeter-Hekate, die Kelten verehrten die Drei Matronen.

Auf archetypischer Grundlage der Drei entstanden seit alters in China, Tibet, Ägypten, Persien, Babylon trinitarische Bilder von Göttern und Göttinnen.

Die vielleicht ursprünglichste Dreiheit, in der Menschen sich vorfinden, die von Vater, Mutter, Kind, wurde bereits in der ägyptischen Göttertriade von Osiris, Isis, Horus dargestellt. In diesem Dreieck zu stehen, bedeutet in Spannung zueinander zu existieren: Jeder hat zwei Solidaritätsebenen zu den beiden anderen. Es heißt aber auch in Beziehung zu stehen: Jeweils durch das mit der Spitze nach oben weisende Dreieck mit den männlich-schöpferischen Kräften verbunden zu sein, oder dem mit der Spitze nach unten weisenden mit dem weiblichen Kräftefeld. Immer heißt es, sich auf etwas hin zu entwerfen, das über den Menschen hinausweist.

Literatur: Standard, Riedel (1985)

Autor: Riedel, Ingrid

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