Dornen

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Keyword: Dornen

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Definition: Dornen, Dornbüsche sind in den wüstenähnlichen Steppen des Vorderen Orients ein verbreitetes Phänomen. Sie sind zu harten, stechenden Gebilden umgewandelte Sprossen, Blätter oder Wurzeln von Pflanzen, die auf diese Weise ganze Monate der Hitze und Trockenheit überleben. Auch in anderen Klimazonen gibt es Sträucher mit Stacheln oder Dornen, die zu einem undurchdringlichen Dickicht zusammenwachsen.

Information: Keine

Interpretation: Im Alten Testament sind Dornen ein Symbol für unfruchtbares Land."Dornen und Disteln soll er (der Boden) dir tragen" heißt es bei der Vertreibung Adams aus dem Paradies (1. Mose 3, 18).

Ein dorniger Weg ist real und symbolisch ein Weg mit schwer zu überwindenden Hindernissen, die den Wanderer verletzen.

Die sprichwörtliche Wendung "ein Dorn im Auge" für etwas Unerträgliches stammt aus 4. Mose 33, 55. In der Wüste des Sinai begegnet Mose dem brennenden Dornbusch, aus dem ihn Gottes Engel anspricht und ihn beauftragt, die hebräischen Sklaven aus Ägypten zu führen (2. Mose 3, 1ff). Der brennende Dornbusch ist seither ein verbreitetes Symbol für eine Gotteserscheinung und Berufung, für eine Initiation.

Weniger bekannt ist die so genannte Jothamfabel mit ihrer Kritik am Königtum (Richter 9, 7ff). Die Bäume beraten darüber, wer ihr König sein soll. Alle grünen und fruchtbaren Bäume lehnen das Amt ab, sie wollen ihrer ursprünglichen Bestimmung treu bleiben, aber der Dornbusch nimmt die Salbung zum König an und sagt: "Kommt und bergt euch in meinem Schatten!" Im Neuen Testament werden Dornen weiterhin als Synonym für Unfruchtbarkeit genannt, z. B. in dem Gleichnis Jesu von der Saat, die auf verschiedene Arten von Boden fällt. Dornen ersticken sie. In der Passionsgeschichte schließlich wird erzählt, wie die Legionäre Jesus mit einer Dornenkrone foltern und verspotten. Die Dornenkrone erscheint auf den Darstellungen des Gekreuzigten als Symbol für sein Leiden und sein geheimes Königtum.

Als "Rose ohne Dornen" wird Maria, die jungfräuliche Mutter Jesu, verehrt, z. B. in dem Lied "Maria durch ein Dornwald ging", in dem es heißt: " [...] da haben die Dornen Rosen getragen". Botanisch gesehen haben Rosen keine Dornen, sondern Stacheln, aber die Symbolsprache will es anders. In Liebesgedichten und Liedern werden Rose und Dornen immer wieder als Symbol für Schönheit auf der einen und schmerzhafte Verletzungen auf der anderen genannt; in Goethes "Sah ein Knab ein Röslein stehen" hat das Röslein, obwohl es sich wehrte und stach, keine Chance gegenüber dem Vergewaltiger. In dem Märchen "Dornröschen" blühen an den Dornen, die während des hundertjährigen Schlafes gewachsen sind, Rosen auf, als der richtige Prinz kommt und durch die Dornenhecke dringen kann. In anderen Märchen, in denen der Held eine Nacht durchwachen muss, setzt er sich vor einen Dornstrauch, der ihn sticht, wenn er einzuschlafen droht. Der unfähige Held verstrickt sich in Dornenhecken und kommt darin um.

"Wo der Dornbusch brennt" von Carlo Carretto war in jüngster Zeit ein eindrucksvolles Buch über seinen freiwilligen Weg in die Wüste, um durch Gebet und Fasten in der Einsamkeit sich selbst und den christlichen Glauben zu finden. Der Titel "Dornen können Rosen tragen" von Jörg Zink nimmt das Motiv auf, um die Fähigkeit des Menschen zu mystischer Gotteserfahrung zu zeigen.

Leidenserfahrungen aller Art und die Unfähigkeit, diese Wunden zu überwinden sind von Anfang an ein wesentlicher Ansatzpunkt der Psychoanalyse. Zu den bewusst erinnerten treten unbewusst gewordene traumatische Erlebnisse wie Quälereien der Eltern in früher Kindheit, sexueller Missbrauch, Folter, Krieg und Vertreibung. Auch aus dem Inneren kommende Schuldgefühle und Selbstbestrafungsimpulse können wie Dornen verletzen. Schwere traumatische Erlebnisse führen nicht selten dazu, dass die Betreffenden sich mit Messern und Rasierklingen äußere Wunden zufügen, weil dieser Schmerz besser zu ertragen ist als der innere. Sie werfen sich geradezu in die Dornen. Ein solcher dorniger Weg kann zeitlich ein Ende finden, dann bedarf es aber noch langer Zeit, um die Wunden zu heilen. Auch beim Drang zur Selbstverletzung kann nur helfen, sozusagen zurückzuweichen und die heilenden, den Selbstwert wieder aufbauenden Ressourcen zu entdecken. Die christliche Deutung des stellvertretenden Leidens bzw. der Überhöhung des Leidens durch Überwindung des Todes ist therapeutisch wohl nur bei entsprechend veranlagten Menschen sinnvoll.

Wo im Leben des Einzelnen so etwas wie eine Erfahrung vom brennenden Dornbusch, also ein Berufungserlebnis, stattgefunden hat, ist es in den meisten Fällen geraten, die Versuchung zur Inflation aufzuspüren und ihr entgegenzuwirken.

Das Symbolpaar Dornen und Rosen ist dazu geeignet, die Ambivalenz der Gefühle wahrzunehmen und diese als conditio humana zu akzeptieren.

Traum eine Frau um die 45: "Ich sehe in ein Tal hinab, das von einem Dickicht von Rosenbüschen erfüllt ist. Unzählige rosa Rosen blühen. Aber die üppige Fülle ist von einer Eisdecke überzogen. Alles ist brüchig wie Glas." Der Traum deutet darauf hin, dass im Gefühlsleben und im Bereich der Liebe und des Erotischen etwas Traumatisches passiert ist, etwas eingefroren und brüchig geworden ist.

Literatur: Standard

Autor: Wöller, Hildegunde

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