Computer

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Keyword: Computer

Links: Internet, Kommunikation, Logos-Prinzip, Maschine, Rechnen, Zahl

Definition: Ein Computer (engl. computer, zu: to compute = (be)rechnen, lat. computare)

ist ein Gerät zu elektronischen Verarbeitung und Speicherung von Daten, sowie zur Steuerung von Geräten und Prozessen.

Information: Arbeitsweise und Anwendungsmöglichkeiten eines Computers werden von der Hardware (z. B. Motherboard, Grafikkarte, Speichereinheiten, Ein- und Ausgabegeräte), sowie von der Software (Betriebssystem, Anwendungsprogramme) bestimmt.

Interpretation: Alles kann zum Symbol werden, insbesondere auch so ubiquitär und raumgreifend sich ausbreitende Dinge wie der Computer, der das Leben des Menschen in den letzten 30 Jahren grundlegend verändert hat. Etymologisch leitet sich der Begriff vom Zählen ab. Das Rechnen war auch seine ursprüngliche Aufgabe. Auf der Basis elementarer Rechenvorgänge hat sich aber explosiv eine Welt entwickelt, in der die Digitasisierung zum Leitprinzip wird. Ähnlich dem Telefon und Handy hat er sich zum Mittel für Kommunikation ohne direkten Kontakt entwickelt. Zugleich wird er aber zu einer neuen Art Partner, mit dem eine quasi-Beziehung möglich zu sein scheint. Vor einigen Jahren wurde ein verwahrloster Mann in einem verfallenen Gebäude umgeben von 15 Computern aufgefunden, die ihm offensichtlich eine Illusion von Gemeinschaft ermöglicht haben.

Er ist - insbesondere durch die explosive Entwicklung des Internet - das Tor zur Welt geworden. Im Unterschied zum Fernseher, der dieses Tor ab den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts für uns geöffnet hat, ist es dem Computer möglich zu kommunizieren. Wir können ihm etwas mitteilen und er reagiert. Mehr noch, wir können durch ihn der Welt etwas mitteilen und sie reagiert. Mithilfe des Internets sind verschiedenste Varianten der Kommunikation möglich und werden zunehmend genutzt, so z. B. Begegnungs- und Diskussionsforen, Chatrooms etc. Man hat über das Medium detaillierten Zugriff auf die Welt und ihren Erfahrungs- und Wissensschatz. Insofern dringt über ihn eine immense Wirklichkeitswelt in unsere Wohnungen, die gleichzeitig paradoxerweise aber auch einen Entwirklichungsprozess der Virtualisierung vorantreibt.

In vielen Bereichen hat der Computer bereits menschliche Kommunikation erweitert, teilweise sogar ersetzt. Dieser Prozess beginnt auch in der Psychotherapie. Vor allem die moderne Verhaltenstherapie experimentiert viel mit der Erfahrung in der virtuellen Welt. Beim Computer ist die Frage der Beziehung Mensch-Maschine am prägnantesten gestellt. Ist er zunächst Sklave, dienstbares Gerät, so ist es doch schnell so weit, dass wir seine Sklaven werden, er uns unterwirft unter seine Gesetze oder uns in bestimmten Leistungsbereichen völlig übertrifft. Der Welt der ungeahnten Möglichkeiten steht eine Welt der entindividualisierten Unterordnung unter logische Prinzipien gegenüber.

Man könnte mutmaßen: wie der Menschenaffe der Übergang vom Tier zum Menschen ist, so steht der Computer am Übergang vom Menschen zur Maschine und ersetzt ihn bereits in vielen Bereichen. Im Kern steckt in dieser Erfindung des Menschen wohl archetypisch der Wunsch, eine willfährige menschliche Kopie zu schaffen, einen dienstbaren Geist, einen Homunculus, ein menschenähnliches Wesen, roboterartig. Dabei gebärdet sich der Mensch als Schöpfergott oder nähert sich ihm zumindest an.

Im Traum eines Computeranfängers, der sich mit den ersten Schritten in diese Welt hineingewagt hat, zeigen sich zwei entgegengesetzte Dimensionen:

"Ich habe einen Computervirus, habe einen lyrischen Text verfasst. Während ich vor dem Bildschirm sitze, zerfällt er zu meinem Entsetzen vor meinen Augen. Alle Buchstaben fallen nach unten und häufen sich unten am Bildschirmrand auf. Dann fliegen sie wieder hoch und sortieren sich alphabetisch neu: alle a, b, c etc. je in eine Reihe. Ich bin entsetzt und als ich erwache überlege ich, ob ich das Gerät wieder verkaufe."

Hier stehen zwei Formen der Erfassung der Wirklichkeit nebeneinander, die kreativ-gestaltende und die analytisch-zerlegend-logische. Sie charakterisieren auch den Unterschied zwischen menschlich integrierendem Wesen und dem Wesen der Maschine. Die Frage schließt sich an, wie die beiden Seinsweisen im Träumer repräsentiert sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Darüber hinaus stellt dieser Traum auif kollektiver Ebene auch die Frage ob wir hier gesellschaftlich am Scheideweg stehen, d. h. ob sich unser Leben im Sinne unsrer kreativen Kräfte zu einem human-ästhetischen Ganzen entwickeln oder ob diese Kräfte abhängige Opfer der Funktionalisierung und Fragmentierung werden. Anders formuliert, geht es darum ob wir Opfer dieser technischen Entwicklung werden oder ob wir sie in den Dienst unsrer Kreativität stellen können und sie zu deren Entfaltung beitragen. Auf der Subjektebene geht es darum vielleicht auch für den Träumer, der möglicherweise ebenfalls im Konflikt zwischen Entfaltungs- und Ordnungskräften steht.

Literatur: Standard

Autor: Knoll, Dieter

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