Buch

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Keyword: Buch

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Definition: Ein Buch (Ahd. buoh, got. bokos) dient dazu, geistige Ideen und Prinzipien oder auch Ereignisse, Fakten und Schicksale aufzuzeichnen, zu erhalten, zugänglich zu machen, zu verbreiten. Stilisierte, abstrakte Zeichen (Buchstaben und Zahlen) werden mit Hilfe eines geeignetes Schreibstiftes auf ein haltbares Material aufgezeichnet.

Information: Das Wort "Buch" wurde als Pluralform verwendet für die zusammengehefteten Buchenholztafeln (ahd. buoha, Buche), auf denen – nach dem Vorbild römischer Wachstafeln – ursprünglich im germanischen Sprachraum geschrieben wurde. Im Geld- und Bankenwesen sind das Kassenbuch, das Buchen und die Buchführung unerlässlich, und die Bücher müssen in Ordnung sein. Buchführung als Gedächtnisstütze im Alltags- und Wirtschaftsleben gehört zu den frühesten Formen der Büchernutzung.

Bücher sind aus der Entwicklung von Religion, Kultur, Wissenschaft, Staat und Recht nicht wegzudenken. Man spricht auch vom Bücherschatz. Die älteren antiken Schriftrollen aus Papyrus, später auch Pergamentrollen wurden im 1. Jahrtausend n. Chr. zunehmend durch den sogenannten Kodex (lat. caudex, Schreibtafel), das sind zusammengebundene, mit Wachs überzogene Schreibtafeln, ersetzt. Viereckige, nicht zu große und nacheinander gut und leicht anzuordnende Einzeltafeln oder Seiten von Pergament sind übersichtlicher und leichter zu handhaben. Als ab dem 12. J. n. Chr. das leichter herzustellende Papier nach Europa kam und schließlich Gutenberg den Buchdruck erfunden hatte, begannen Bücher sich zum Massenprodukt zu entwickeln. Fotographische Kopierverfahren, später das Scannen, erleichtern im 20. Jahrhundert das Kopieren von Büchern weiter, und im Computerzeitalter wird das frühe Notizbuch durch das Notebook ersetzt und das Buch durch das elektronische Buch oder E-Book.

Interpretation: Buch- und Schriftrollen sowie Bücher sind Symbol für Erkenntnis, Wissen und Weisheit, Gelehrigkeit, Gelehrsamkeit, Bildung und Kompetenz, für die Welt des Geistes, der Kultur und Kulturtechniken, für geistige und innere Ordnung. Aus einer kleinen Anzahl von Zeichen entstehen in unserem Bewusstsein unendliche geistige Welten. Dies ist das Ergebnis eines Kultur- und eines individuellen Lernvorganges, den wir kollektiv und individuell sehr langsam und mühevoll vollzogen haben. Als Individuum haben wir von frühester Kindheit an unentwegt Denken, Sprechen, Lesen, Schreiben, Rechnen geübt, wir haben unzählige Begriffe in unzähligen Nuancen aufgenommen. Neben der so geschaffenen intellektuellen Grundlage können wir in dem Buch nur lesen, weil wir Augen haben, die die Worte sehen können und weil wir genügend Licht haben, das uns die Seiten des Buches erhellt. Damit sind im Lesen eines Buches zentrale Symbole bzw. Aspekte des Logos-Prinzips zusammengefasst: Das Licht, das Auge, das Wort, die Sprache, die Schrift, das erkennende, verstehende Bewusstsein und der Sinn.

Religionsstifter, Engel, Propheten, Alte Weise werden mit Büchern abgebildet. Politiker und Wissenschaftler lassen sich bei Interviews vor Bücherwänden fotografieren. Der Prophet Ezechiel bekommt von Gott bei seiner Berufung eine Schriftrolle zum Verzehr, die ihm im Mund süß wie Honig wird. Der Johannes der Apokalypse muss ein Büchlein verschlingen, das ihm im Bauch bitter macht und süß wie Honig im Mund (Offb. 10,8f).

Viele Kulturen, Religionen, Kulte haben ihre tragenden heiligen Bücher: Das tibetanische Totenbuch als Sammlung buddhistischer Schriften und das ägyptische, das den Toten mit Anweisungen für die Fahrt ins Jenseits versorgt; China kennt das I Ging, das Taoteking, die Bücher des Konfuzius. Die heiligen Bücher der Religionen werden oft einem göttlichen Ursprung zugeschrieben: der Rigveda soll von Brahma ausgehaucht worden sein, Mohammed wurde der Koran durch den Erzengel Gabriel geoffenbart, die Thora ist durch göttlichen Schöpfungsakt erschaffen. Die Christen begreifen die Bibel oder Heilige Schrift als das Buch der Bücher. Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche begründete die gemeinsame deutsche Hochsprache. Auf dem Altar der Freimaurer liegen das Gesetzbuch der Großloge und das heilige Buch, die Bibel, als eines der drei Großen Lichter, die Bewusstsein und Erleuchtung ermöglichen, neben Zirkel und Winkelmaß. Tragende Bücher der demokratischen Staaten und Rechtsstaaten und ihrer Freiheit und Gerechtigkeit sind ihre Verfassungen und ihre Gesetzbücher.

Geheime magische Bücher, Bücher von Zauberern und Hexen durchziehen Mythen, Märchen, zeitgenössische Literatur. Sagen-, Märchen- und Liederbücher enthalten die Weisheit, die Traditionen und Überlieferungen der Völker. Romane, Dramen und Gedichte halten in Büchern den Geist einer Epoche, einer Nation, einer gesellschaftlichen Gruppe fest, werden manchmal zum Kultbuch wie Goethes Werther oder Harry Potter. Familienschicksale werden in Chroniken und Stammbüchern, persönliche Schicksale und Gedanken in Tagebüchern und biografischen Büchern notiert. In Geschichtsbüchern wird die Geschichte aufgeschrieben, die das Bewusstsein von Staaten, Völkern und Nationen prägt und machtbewusste und narzisstische Menschen versuchen, sich in die Geschichtsbücher einzutragen. Schwarzbücher enthalten Zusammenstellungen über Fehler oder auch Gräuel der Menschheit. In Enzyklopädien ist das faktische Wissen der Welt gesammelt, ebenso in den Bibliotheken. Sagenumwoben ist z. B. die Alexandrinische Bibliothek der Antike, bis heute führen viele Nationalstaaten die alte Tradition der Nationalbibliotheken weiter. Moderne Formen entwickeln sich in Computerlexikas und im Internet.

Die revolutionäre Kraft von Büchern wird in der Wirkungsgeschichte von einzelnen Büchern oder Kultbüchern einer Zeit oder Epoche deutlich. Nicht selten zeugen davon Zensur, Bücherverbote durch Staat und Kirche, gar Bücherverbrennungen. Im katholischen Kirchenrecht bestand beispielsweise bis 1966 das Verbot, gegen die katholische Glaubens- und Sittenlehre gerichtete Bücher und Schriften zu veröffentlichen, zu vertreiben, aufzubewahren und zu lesen. Verbrannt wurden u. a. in China die Schriften von Konfuzius, im Mittelalter ketzerische Literatur durch die Inquisition, 1933 die Bücher von jüdischen, pazifistischen, marxistischen und "entarteten" Autoren. H. Heine hat den kultur- und geistzerstörenden barbarischen Charakter einer Bücherverbrennung zusammengefasst mit seiner Bemerkung, wo man Bücher verbrenne, da würden am Ende gar auch Menschen verbrannt.

Die Redensart weiß, dass wissbegierige Menschen ihre Bücher verschlingen. Menschen die gerne lesen, werden als Bücherwurm (oder Leseratte) bezeichnet, Bücherfreunde auch als Büchernarren. Ein ganz besonderer Büchernarr der Weltliteratur ist Don Quichotte. Es gibt Menschen, die nur Bücherwissen haben, d. h. keine lebendige Erfahrung mit etwas. Bücherwissen steht manchmal für Überlebt, -Überaltert-, Festgefahrensein, Einseitigkeit, für Ideologie und Indoktrination, mangelnde Kreativität, totes Wissen, rein intellektuelles Wissen. Im Anfangsmonolog von Goethes Faust (Faust, 1. Teil, Nacht) und im Gespräch zwischen Mephistopheles und dem Schüler im Studierzimmer wird dieser Aspekt des Bücherwissens und der grauen Theorie dargestellt. Nicht das Wort, einzig die Tat erscheint Faust als möglicher Weg aus diesem Zustand herauszufinden. Und nicht erst seit der Erfindung von Buchdruck, Fotokopierer und Internet wird beklagt, dass es eine Bücherflut und eine Informationsflut gebe, die letztlich den Menschen verwirrt, verunsichert, vom Wesentlichen ablenkt, erschöpft und ermüdet, sondern schon im Alten Testament ("[...] Mein Sohn, lass dich warnen! Des vielen Büchermachens ist kein Ende, und das viele Studieren ermüdet den Leib. Die Summe des Ganzen höre [...]" (Prediger 12,12). Von den Alchemisten, die sehr verschlüsselte, magische und dem logischen Bewusstsein unverständliche Bücher geschrieben haben, ist die Aufforderung überliefert: "Zerreißt die Bücher, damit euere Herzen nicht zerbrochen werden." (zit. nach GW 12, §165)

Man kann Dinge so tun, wie sie im Buche stehen, also mustergültig, etwas geschieht so, wie es im Lehrbuch steht, man kann Buch führen über etwas und reden wie ein Buch, also viel und selbstgefällig. Etwas schlägt zu Buche auch im übertragenen Sinne, wenn es sich irgendwie bemerkbar macht oder ein gewichtiges Argument darstellt.

Eine junge Frau fühlt sich seit Monaten in einer verzweifelten Situation. Sie hat das Gefühl, gerade noch Kraft genug zu haben, um morgens aufzustehen, vielleicht kurz zu duschen und sich dann mit einem Buch wieder ins Bett zu legen. Seit sie ihr Abitur gemacht habe, habe sie noch tausend Bücher gelesen, aber keins habe ihr die Kraft geben können, nach der sie sich sehne. Deswegen hat sie ihr Studium abgebrochen und ist zur Mutter zurückgekehrt. Das richtige Buch zu finden, steht in ihren Assoziationen in Verbindung mit dem Wissen darum, was im Leben wirklich wichtig sein könnte. Die Idee, dass Bücher ihr helfen könnten, Kraft und Energie zu entwickeln, so stellte sich heraus, hat sie seit ihrer Kindheit. Ihr Vater hatte seine Familie verlassen und sich einer religiösen Sekte angeschlossen. Die junge Frau hatte im Laufe der Zeit die Vorstellung entwickelt, dass ihr ein Buch ein ähnliches Bekehrungserlebnis vermitteln könnte wie dem Vater seine Bibel. Sie sucht Anschluss an das Wissen, den Geist und die Weisheit des Buchs der Bücher, braucht aber kein Wissen von Schriftgelehrten, weder trockenes noch allgemeines Wissen aus "tausend Büchern". Sie sehnt sich nach einer Verbindung von körperlich-sinnlichem und geistigem Erfahren, das die Kraft hat, sie aus ihrer Situation des unbewussten Enthaltenseins im mütterlichen Archetyp zu reißen, geistige und psychische Autonomie zu gewinnen.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette

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