Bote

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Definition: Ein Bote (ahd. boto, zu bieten, im alten Sinne als wissen lassen, befehlen) ist der Überbringer einer Nachricht, ursprünglich: Nachrichtung, d. h., das, wonach man sich zu richten hat; später: Mitteilung, die bzgl. eines wichtigen Sachverhaltes den neuesten Stand vermittelt.

Information: Eine Botschaft (ahd. botoscaft, für den Empfänger bedeutungsvolle Nachricht) war lange Zeit die einzige Möglichkeit, Nachrichten über größere räumliche Distanzen zu vermitteln. Ihnen wurde mit banger Spannung, Ungewissheit und Angst entgegen gesehen, denn sie überbrachten schicksalhafte Glücks- und Heils- genau so wie Unglücks- und Todesbotschaften. Der Post- oder Briefbote, der auch in schwierigen und unwägbaren Situationen seine Briefe zuverlässig zustellt, ist uns eine vertraute Institution. Unangenehme Botschaften persönlich zu überbringen, ist manchmal Aufgabe der Polizei. Über die modernen Medien, zunehmend das Internet, lassen sich Botschaften aller Art heute sehr rasch verbreiten, wobei aber die Zuverlässigkeit besonders im Internet nicht mehr kontrollierbar ist. Der Archetyp des Tricksters gewinnt im Internet an Raum.

Bedeutsame und geheime Nachrichten wurden früher oft von Kurieren (frz. courrier, lat. currere: laufen, rennen) und Geheimkurieren oder von reitenden Boten übermittelt; die Mythologie kennt die Götterboten wie etwa den griechischen Hermes. Aufgrund der Gewichtigkeit von Botschaften und der Vertrauensstellung, die Boten haben, ging der Begriff über auf den diplomatischen Vertreter eines Staates im Auslands, den Botschafter, und auf das Gebäude, in dem er residiert, die sog. Botschaft.

Die Volksweisheit kann beispielsweise aus Naturphänomenen Botschaften empfangen, erkennt Schwalben als Boten des Frühlings oder Schneeglöckchen als dessen Vorboten.

Interpretation: Boten, als Übermittler einer Nachricht zwischen Sender und Empfänger geschaltet, sind eigentlich neutral. Sie sind tatsächliche oder potenzielle Mitwisser einer Botschaft und diejenigen, die mit ihr konfrontieren. Deshalb müssen sie vertrauenswürdig und klug sein und die unterschiedlichsten Affekte aushalten.

In Märchen u. a. Geschichten wird das manchmal drastisch dargestellt, indem die Boten schlechter Nachrichten umgebracht oder ins Gefängnis gesteckt werden. Häufig müssen sie zudem auf ihrem Weg mit widrigen Umständen kämpfen, z. B. weil ein Widersacher verhindern will, dass ihre Botschaft ankommt. Umgekehrt wird von ihnen erwartet, dass sie ihre Botschaft ans Ziel bringen, koste es, was es wolle. Der antike Marathonläufer war mit seiner Botenaufgabe so identifiziert, dass er – so die Legende – tot zusammenbrach, nachdem er die Botschaft übermittelt hatte.

In mythologischen Zusammenhängen kommen Botschaften und Boten auch aus dem Jenseits und von den Göttern. Die Tricksternatur des antiken Götterboten Hermes ist beim Überbringen gewichtiger, schicksalsentscheidender Nachrichten ambivalent: Sie verdeutlicht das in Bewegungsetzende von Botschaften, zugleich die Unbezogenheit des Botens als Übermittler sowie die potenzielle Unsicherheit und Täuschungskraft von Botschaften. Botschaften können fehlerhaft sein, jemand kann sie ausgetauscht haben, oder sie können bewusste Desinformationen enthalten.

Die monotheistischen Weltreligionen kennen die Engel als Mittler zwischen Gott und den Menschen: Sie kündigen frohe Botschaft, z. B. die Geburt von Kindern, auch von Jesus, überbringen Rat, Trost, Schutz, drohen aber auch Unheil, Strafe und Vernichtung an.

Träume werden in der Tiefenpsychologie häufig als "Botschaften" aus dem Unbewussten angesehen. Sie können uns über aktuelle Themen, Konflikte, Emotionen informieren, die uns während des Tages entgangen sind und denen wir dann zumindest in der Nacht eine Zeit der Aufmerksamkeit und Verarbeitung schenken müssen. Mythologische Botenfiguren und chiffrierte oder scheinbar klare Botschaften werden manchmal von Menschen in Träumen erlebt. Zufällig oder synchronistisch erscheinende Ereignisse, Fehlleistungen oder Intuitionen aus dem Unbewussten werden als Ausdruck und Botschaft einer höheren Macht erfahren. Genau wie bei anderen symbolischen Äußerungen gibt es auch dabei keine eindeutig richtigen Interpretationen.

Persönlicher, menschlicher Bote sein, hat im Alltag des Computer- und Internetzeitalters anscheinend keine große Bedeutung mehr. Aber es gibt noch Botschaften, die persönlich überbracht werden, für die ein Übermittler in Anspruch genommen wird, vor allem, wenn es sich um Unglücks- und Todesbotschaften handelt. Eltern, die sich im Streit befinden oder getrennt leben, missbrauchen – oft unbewusst – die zwischen ihnen sich bewegenden Kinder als Boten verbaler und nonverbaler Botschaften. Für die Kinder – manchmal auch noch, wenn diese erwachsen sind – ist das eine kaum aushaltbare Situation, weil sie nicht nur unbeteiligtes Übermittlungsmedium sind, sondern emotional Beteiligte. Jahrelang versuchen Kinder manchmal, in dieser Funktion gleichzeitig zu vermitteln und die Beziehung zwischen den Eltern oder innerhalb eines Familiensystems in Ordnung zu halten.

Pubertierende bewältigen ihre ersten noch unsicheren Beziehungs-Erfahrungen auch heute noch mit Hilfe von schriftlichen Botschaften, die sie nicht den elektronischen Medien anvertrauen. Oft sind es Freunde oder Freundinnen, die bereit sind, solche Botschaften mündlich oder auf kleinen Zetteln zu überbringen.

Literatur: Standard

Autor: Müller, Anette

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