Blei

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Keyword: Blei

Links: Alchemie, Materie, Metall, Prima, Materia

Definition: Die germanischen Bezeichnungen des weichen Schwermetalls Beli beruhen auf einer substantivierten Adjektivbildung indogermanischen Wortformen von "schimmern, leuchten, glänzen". Das Metall ist als das "bläulich Glänzende" benannt worden..

Information: Verwendet wird Blei zur Herstellung von Akkumulatoren, Kabelmänteln, Rohren, Farben und Gefäßen für aggressive Flüssigkeiten sowie im Strahlenschutz zur Absorption von Röntgen- und Gammastrahlen, ferner als Legierungsmaterial und als Gewicht.

Interpretation: Blei imponiert durch sein hohes spezifisches Gewicht. Es ist ein unedles Metall und daher Symbol der Schwere, Dichte, Unreinheit und Undurchdringlichkeit, der Bedrückung und der Melancholie (Depression); in der christlichen Symbolik auch der Sündhaftigkeit des Menschen.

Blei, mhd. bli, führt zu den Farbnamen Blau und Grau (bliwa). Es ist das blaue oder graue Metall.

In der Alchemie ist Blei die Grundsubstanz, die prima materia (Arkan- oder Wandlungssubstanz), die durch die Prozeduren des alchemistischen Prozesses zu dem edlen Gold gewandelt wird. Aus Blei Gold zu gewinnen war für manche Alchemisten ein durchaus realistisches Unterfangen: In Nachahmung der Vorstellung, in der Natur entwickle sich das edle Metall Gold in großen Zeiträumen aus dem unedlen Blei, versuchten die Alchemisten in ihrem Labor diesen Prozess beschleunigt nachzuvollziehen und so "contra naturam" aus dem natürlichen Blei das künstlich gewonnene Gold herzustellen.

Das Blei beinhaltet einen inneren Gegensatz, der auf verschiedene Weise beschrieben wird: z. B." [...] aus dem Blei der Wassergegend wächst das edle Gold", oder: die "materia prima", das Blei der Philosophen, das man auch "das Blei der Luft" nennt. In seinem Inneren befindet sich entweder die weiße Taube des Heiligen Geistes oder aber ein gefährlicher Dämon, der den Adepten wahnsinnig macht. Aus diesen Formulierungen geht hervor, dass die Alchemisten mit ihren Umwandlungsprozessen im Labor ein spiritiuelles Anliegen hatten, in dem es darum ging, nicht nur die äußere Materie, sondern auch den inneren Menschen zu verwandeln und im Gold zu höherer Bewusstheit zu führen. Blei erscheint auch als der "eherne Mann" oder der "graue Mann, der innen weiß ist" (Blei, das Metall des Saturn).

In der Sprache wird auf die Schwere von Blei, die in der Depression oder in körperliche Abgeschlagenheit zum Ausdruck kommt, angespielt, z. B. fühlt man sich "schwer wie Blei" (wie "ein bleierns Vögele"), oder hat "Blei an den Füßen".

In dem Film "Die bleierne Zeit" spielt Margarethe von Trottha auf die lastende Atmosphäre in der BRD zur Zeit von Baader/Meinhof an.

C. G. Jung hat die Analogie von Prozessbildern der Individualpsyche mit dem geistesgeschichtlichen Phänomen der alchemistischen Bilderserien und Symbole beobachtet. Der Individuationsprozess zeigt starke Übereinstimmung mit dem alchemistischen Wandlungsprozess.

Aus dem Individuationsprozess einer Frau im mittleren Alter stammt folgender Traum mit einer Symbolisierung, die an alchemistische Symbolik erinnert: "Ich stehe am Meer. Vor mir taucht ein völlig grauer, geharnischter älterer Mann aus den Fluten auf." Aus dem Meer ("der Wassergegend"), das als Bild des Unbewussten verstanden werden kann, steigt der graue Mann. Amplifikatorisch erinnert er an den "grauen" oder "ehernen" Mann im alchemistischen Prozess. Zu dem Harnisch fällt der Frau ihr Vater ein, den sie als starr und gepanzert erlebt hat. In dem grauen ("bleiernen") Mann kündigt sich überdies eine depressive Phase im inneren Prozess der Patientin an.

Literatur: Standard

Autor: Daniel, Rosmarie

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